Die Fach­welt ist sich einig: Bat­te­rie­elek­tri­sche Autos sind über ihre gesam­te Lebens­dau­er deut­lich weni­ger kli­ma­schäd­lich als ihre Ver­bren­ner-Pen­dants. Die Reich­wei­ten der Bat­te­rien wer­den immer grö­ßer, ihre Halt­bar­keit immer län­ger. 

Erst ver­ein­zelt, in den letz­ten bei­den Mona­ten aber qua­si in einer „kon­zer­tier­ten Akti­on” kom­men ver­schie­de­ne Prot­ago­nis­ten um die Ecke, die das Gegen­teil behaup­ten. Da sind plötz­lich Die­sel­au­tos emmis­si­ons­är­mer als Elek­tro­au­tos, wahl­wei­se ist auch syn­the­ti­scher Kraft­stoff das All­heil­mit­tel.

Was ist da los? Und vor allem: Wel­chem Zweck dient das?

Wei­ter­le­sen

Egal ob Wirt­schafts­ver­tre­ter, Popu­lis­ten oder angeb­li­che Institute/​ThinkTanks: Kli­ma­wan­del­leug­ner (bezie­hungs­wei­se Kli­ma­wan­del­skep­ti­ker) fin­den sich in allen drei genann­ten Grup­pen. Ent­we­der wird der men­schen­ge­mach­te Anteil am Kli­ma­wan­del kom­plett ver­leug­net oder min­des­tens ange­zwei­felt.
Wann und wie hat das eigent­lich Ein­zug in die fos­si­le Brenn­stoff­in­dus­trie gehal­ten?

Nur wer die Ver­gan­gen­heit kennt, hat eine Zukunft”

–Wil­helm von Hum­bold, 1767–1835

Ein Comic gibt die Antwort

Alex­and­re Magnin und Dr. Ben­ja­min Fran­ta sind die­ser Fra­ge nach­ge­gan­gen – und beant­wor­ten sie auf unter­halt­sa­me Wei­se!

Alex­and­re Magnin ist Nach­hal­tig­keits­be­ra­ter, Illus­tra­tor und You­tuber.
Ben Fran­ta hat an der Stan­ford Uni­ver­si­tät in ange­wand­ter Phy­sik pro­mo­viert. Sei­ne For­schung kon­zen­triert sich auf die Geschich­te der Kli­ma­wis­sen­schaft, Kli­ma­l­eug­nung und die Pro­du­zen­ten fos­si­ler Brenn­stof­fe.

Gemein­sam erzäh­len die bei­den die Geschich­te des orga­ni­sier­ten Leug­nens des men­schen­ge­mach­ten Anteils am Kli­ma­wan­del, die in der US-ame­ri­ka­ni­schen Ölin­dus­trie ihren Anfang nahm.
Inhalt­lich kann man das alles nach­le­sen (zum Bei­spiel in die­sem Blog-Bei­trag) oder auch als Doku­men­tar­film anschau­en (Ori­gi­nal mit dt. Unter­ti­teln). Alex und Ben haben die Form eines Comics  gewählt (hier geht's zum Ori­gi­nal). Was ist der Sinn dahin­ter?

Ein hollywoodreifer Plot

Inhalt­lich geht es um skru­pel­lo­se Lob­by­is­ten, die seriö­se For­scher dif­fa­mie­ren und gezielt Falsch­in­for­ma­tio­nen in lan­cier­ten Medi­en­kam­pa­gnen glo­bal ver­brei­ten – also mehr oder weni­ger ein hol­ly­woo­drei­fer Plot, skan­dal­träch­tig und bestür­zend zugleich.

Das hat sich nie­mand aus­ge­dacht. Es geht um skan­dal­träch­ti­ge Ereig­nis­se, die tat­säch­lich statt­ge­fun­den haben!

Hier geht es aber nicht um die Ver­fil­mung einer fik­ti­ven Geschich­te, son­dern um tat­säch­li­che Bege­ben­hei­ten: die im Comic erwähn­ten mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­ne, Lob­by­is­ten und Wis­sen­schaft­ler gibt es tat­säch­lich. Die Lob­by­is­ten sind sogar heu­te noch aktiv! Übri­gens auch hier bei uns in Deutsch­land, wie die Recher­chen von CORRECTIV und Frontal21 bele­gen.

Eben­so wie die Ori­gi­nal-Autoren des Comics hal­te ich es daher für gebo­ten, die­se Machen­schaf­ten auf­zu­zei­gen, und dies in allen Medi­en (Print, Video, Audio) und auf allen Kanä­len (Buch, Film, Blog-Bei­trä­ge, Social Media, Pod­casts, …) zu ver­brei­ten – damit das hof­fent­lich irgend­wann ein Ende hat!

Das Mach­t­un­gleich­ge­wicht zwi­schen Kon­zern­lob­by­is­mus und Zivil­ge­sell­schaft muss besei­tigt wer­den!

Klimawandelskeptiker

Auch Joa­chim Ott (Stif­tung Euro­päi­sche Ener­gie­wen­de /​ EE Maga­zin) fand die­sen Comic toll und ent­wi­ckel­te die Idee zu einer deut­schen Ver­si­on. Die Umset­zung erfolg­te dann durch Klaus Mül­ler (Ener­gie­wen­de-Rocken) und mich. Das Ergeb­nis kann man hier bewun­dern.

An die­ser Stel­le könn­te der Bei­trag eigent­lich zu Ende sein.

Für den Fall, dass Du aber auch mal etwas über­set­zen musst, bezie­hungs­wei­se über­setzt haben möch­test (ja, ich bin käuf­lich!), fin­dest Du nach­fol­gen­de eini­ge hof­fent­lich hilf­rei­che Hin­wei­se und Erläu­te­run­gen zur Vor­ge­hens­wei­se in die­sem Pro­jekt.

PCsicher Banner

Translation first!

Die Über­set­zung des Comics habe ich kom­plett über­nom­men. Was mich dazu befä­higt? In mei­nem „frü­he­ren Leben” als Ange­stell­ter war ich zeit­wei­se in M&A‑Projekte im Zusam­men­hang mit Unter­neh­men in den USA invol­viert. Von daher wür­de ich mein Eng­lisch durch­aus als "ver­trags­si­cher in Wort und Schrift" bezeich­nen.
Zudem habe ich acht Jah­re in Süd­ost­asi­en gelebt und dort häu­fig in eng­li­scher Spra­che kom­mu­ni­ziert, teil­wei­se mit Mut­ter­sprach­lern. Ich weiß also, woher jemand kommt, wenn er aus „Oz” stammt und ken­ne – außer der Frucht – min­des­tens zwei wei­te­re Bedeu­tun­gen des Wor­tes „Kiwi”.

Fer­ner war ich vor eini­gen Mona­ten Teil des groß­ar­ti­gen Teams, wel­ches den beein­dru­cken­den Vor­trag des aus­tra­li­schen Kli­ma­wis­sen­schaft­ler Will Stef­fen für die Spä­te­re Voice-over-Syn­chro­ni­sa­ti­on über­setzt hat (hier zu sehen und zu hören). Das hat mir bei der Umset­zung des aktu­el­len Pro­jekts sehr gehol­fen.

Übersetzen

Jetzt kann es also los­ge­hen! Im ers­ten Schritt wird der zu über­set­zen­de Text in der Ori­gi­nal­spra­che (hier: eng­lisch) erfasst. Die­ser Vor­gang nennt sich „tran­skri­bie­ren”. Je nach Umfang kön­nen Scan­ner und OCR-Pro­gramm zum Ein­satz kom­men. Auf­grund des gerin­gen Umfangs und der im Ori­gi­nal ver­wen­de­ten Schrift, die erfah­rungs­ge­mäß Pro­ble­me bei der OCR-Erken­nung erwar­ten ließ, habe ich mich für eine manu­el­le Erfas­sung ent­schie­den.

In jedem Fall ist es sinn­voll, den Text dabei in ein­zel­ne Abschnit­te zu unter­tei­len.
Da der vor­lie­gen­de Comic ein­zel­ne Sze­nen dar­stellt, war die Bil­dung ent­spre­chen­der Text­blö­cke mehr oder weni­ger vor­ge­ge­ben (beim Vor­trags­pro­jekt haben wir die gezeig­ten Prä­sen­ta­ti­ons­fo­li­en und die Video-Time­codes benutzt).

Ist das erst­mal erle­digt, geht es ans eigent­li­che Über­set­zen. Hilf­reich ist hier­bei für eine ers­te Nähe­rung der deut­sche Online-Über­set­zungs­dienst DeepL.

Das ent­bin­det den Über­set­zer (also mich) aber kei­nes­falls davon, die­ses ers­te Ergeb­nis zu prü­fen und zu über­ar­bei­ten! Kein Über­set­zungs­pro­gramm ist per­fekt: Es gibt zahl­rei­che Fall­stri­cke zu beach­ten, von denen wir uns eini­ge nach­fol­gend anschau­en.

Ein Über­set­zungs­pro­gramm ist hilf­reich, ersetzt (der­zeit) aber kei­nen mensch­li­chen Über­set­zer

Begin­nen wir mit dem Kon­text, also der Fra­ge "Was genau woll­te der Autor des Ori­gi­nals mit einem bestimm­ten Satz aus­drü­cken?". Auf­grund von sti­lis­ti­schen Ele­men­ten (Sar­kas­mus, Iro­nie, Wort­spiel,  …) kann es pas­sie­ren, dass eine wört­li­che Über­set­zung sinn­ent­stel­lend wirkt.

Ein wei­te­res belieb­tes Fett­näpf­chen sind Fach­ter­mi­ni: man muss das jewei­li­ge Fach (oder die Fächer, im vor­lie­gen­den Fall: Kli­ma­wis­sen­schaft und Busi­ness Admi­nis­tra­ti­on) beherr­schen, also die Fach­be­grif­fe ken­nen. Das natür­lich in bei­den Spra­chen. Ein Anglis­tik-Stu­di­um allein hilft da nicht unbe­dingt wei­ter.

Zudem exis­tiert das wei­te Feld eng­li­scher Sprich­wör­ter. Die muss man eben­falls ken­nen, sonst droht Rat­lo­sig­keit: Eine wört­li­che Über­set­zung ergibt auch hier oft kei­nen Sinn.
In der Pra­xis ver­wen­det man ein­fach das deut­sche Pen­dant. Bei­spie­le gefäl­lig?

Mit „As thick as a brick” ist kein dicker Stein gemeint, son­dern wenn jemand "dumm wie Boh­nen­stroh" ist. In der eng­li­schen Spra­che schlägt man eben nicht „zwei Flie­gen mit einer Klap­pe”, son­dern zwei Vögel mit einem Stein („kill two birds with one stone").
Die letzt­ge­nann­te Rede­wen­dung wird übri­gens von DeepL kor­rekt über­setzt, die ers­te dage­gen wört­lich (also falsch).

PCsicher Banner

Jetzt wird es ernst!

Ist man erst­mal mit der Über­set­zung durch, geht es ans Ein­ge­mach­te: In aller Regel hat man näm­lich nun ein „Platz­pro­blem”!
Dazu muss man wis­sen, dass For­mu­lie­run­gen in deut­scher Spra­che häu­fig län­ger sind als das eng­li­sche Pen­dant. Für die­je­ni­gen, die Eng­lisch grund­le­gend beherr­schen: ver­sucht mal "The­re are doubts on cli­ma­te chan­ge sci­ence" ins Deut­sche zu über­set­zen – und zwar ohne dafür nen­nens­wert mehr Buch­sta­ben als im eng­li­schen Ori­gi­nal zu benö­ti­gen. Es ist schlicht­weg unmög­lich!

Wenn ich einen Brief über­set­ze, mag das tole­rier­bar sein: Dann wird der Brief in deut­scher Spra­che halt ein wenig län­ger.
Anders sieht es natür­lich bei vor­ge­ge­be­ner Grö­ße (bei­spiels­wei­se von Sprech­bla­sen, wie im vor­lie­gen­den Pro­jekt) oder begrenz­ter Sprech­dau­er (wie bei einer Voice-over-Syn­chro­ni­sa­ti­on) aus.
„Klei­ner schrei­ben", bezie­hungs­wei­se „schnel­ler spre­chen” funk­tio­niert nur in gewis­sen Gren­zen. Dar­über hin­aus hilft dann nur beherz­tes Kür­zen – natür­lich kei­nes­falls sinn­ent­stel­lend! Hier kommt dem Über­set­zer also eine gro­ße Ver­ant­wor­tung zu.

Das Finale: die grafische Bearbeitung

Ist der Text erst­mal über­setzt, geht es an die Bear­bei­tung der Medi­en. Hier­bei sind zwei Fäl­le zu unter­schie­den:

  • Hat man die Ori­gi­nal­da­tei­en (mit zu über­set­zen­den Tex­ten in einem sepa­ra­ten Lay­er) vor­lie­gen, ersetzt man ein­fach den Ori­gi­nal­text durch die Über­set­zung – und hofft, dass es gra­fisch "passt". Falls nicht, muss man halt Anpas­sun­gen vor­neh­men (Schrift­grö­ße, Zei­chen-/Wort­ab­stand, …).
  • Ohne Ori­gi­nal-Datei­en (wie bei unse­rem Pro­jekt), ent­fernt man im ers­ten Schritt jeg­li­che Schrift aus den vor­lie­gen­den Gra­fi­ken. Der vor­han­de­ne Text wird also mit der jewei­li­gen Hin­ter­grund­far­be „über­malt”.
    Anschlie­ßend wird die Ebe­ne mit der nun „text­lo­sen” Gra­fik fixiert und dar­über eine neue Ebe­ne für den Text ein­ge­fügt. In der soeben erstell­ten Ebe­ne erstellt man dann Text­blö­cke ent­spre­chend den zuvor erstell­ten Über­set­zungs­blö­cken. Die­se wer­den im letz­ten Arbeits­gang noch ent­spre­chend dem Bedarf for­ma­tiert.

Nach Abschluss der Arbei­ten steht einer Ver­wen­dung im Ziel­me­di­um, zum Bei­spiel auf einer Web­sei­te, nichts mehr im Wege!

Klimaleugner Klimaskeptiker: 1988

 

Nicht nur Nie­der­sach­sens Minis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) ist „sehr unzu­frie­den mit der Ent­wick­lung bei den erneu­er­ba­ren Ener­gien“: Ich bin es auch! Eben­so wie ver­mut­lich vie­le ande­re Men­schen in Deutsch­land.

Wor­an das liegt? Zum einen sind wir dazu ver­dammt, ohn­mäch­tig dabei zuzu­schau­en, wie das von Peter Alt­mai­er (CDU) geführ­te BMWi die Ener­gie­wen­de ver­schleppt. Nicht genug damit: die dezen­tra­le Ener­gie­wen­de wird durch geeig­ne­te Maß­nah­men sogar aktiv ver­hin­dert!

Da ist es nicht wei­ter ver­wun­der­lich, wenn sich dies auch in mess­ba­ren Ergeb­nis­sen nie­der­schlägt, bei­spiels­wei­se im jähr­lich neu berech­ne­ten Kli­ma­schutz-Index (KSI), der einen Ver­gleich der Kli­ma­schutz­leis­tun­gen und Fort­schrit­te ein­zel­ner Län­der ermög­licht.

Klimaschutz-Index 2020 - Gesamtergebnis

Das Doku­ment beschei­nigt Deutsch­land „unein­heit­li­chen Leis­tun­gen in allen Kate­go­rien“ und man kommt des­halb zu einer „mäßi­gen Bewer­tung“.
In dem Bericht heißt es: „Die Treib­haus­gas­emis­sio­nen und der Ener­gie­ver­brauch pro Kopf blei­ben auf einem ver­gleichs­wei­se hohen Niveau und sin­ken nicht schnell genug, um das Land auf einen Emis­si­ons­pfad zu brin­gen, der für eine Begren­zung der Erd­er­wär­mung auf deut­lich unter 2°C not­wen­dig ist.

Wei­ter heißt es im Bericht: „Als Teil des Kli­ma­pa­kets hat die deut­sche Regie­rung 2019 ein Sys­tem zur CO2-Beprei­sung für 2021, Ver­bes­se­run­gen des öffent­li­chen Nah­ver­kehrs und ein Maß­nah­men­pa­ket zur Erhö­hung Erneu­er­ba­rer Ener­gien ange­kün­digt. Obwohl die Exper­tIn­nen die­se posi­ti­ven Signa­le hono­rie­ren, geben sie zu beden­ken, dass die Zie­le und vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men noch nicht aus­rei­chen, um den not­wen­di­gen Bei­trag zu leis­ten die Erd­er­wär­mung auf deut­lich unter 2°C zu begren­zen. Die neu ange­kün­dig­ten Maß­nah­men rei­chen eben­falls nicht aus, um die Rück­schrit­te im Aus­bau der Erneu­er­ba­ren – ins­be­son­de­re bei der Wind­ener­gie im Bin­nen­land – aus­zu­glei­chen.

Klimaschutz: Keine Besserung in Sicht

Nun stammt das KSI-Doku­ment, aus dem ich zitiert habe, von Ende 2019. Ist inzwi­schen Bes­se­rung in Sicht?

Nein, das Gegen­teil ist der Fall: Der­zeit über­ho­len uns ande­re Län­der auf der gan­zen Welt  beim Kli­ma­schutz! Hier ein paar Mel­dun­gen der letz­ten Tage und Wochen:

Wohl­ge­merkt: Das sind ledig­lich eini­ge wahl­los her­aus­ge­grif­fe­ne Bei­spie­le für Umwelt- und Kli­ma­schutz­maß­nah­men, die in ver­schie­de­nen Län­dern unlängst ergrif­fen, bezie­hungs­wei­se beschlos­sen wur­den – was vor allem jene Zeit­ge­nos­sen Lügen straft, die nur all­zu ger­ne mit den Wor­ten "Ja, aber die ande­ren Län­der!" Fin­ger­poin­ting betrei­ben.

Und was macht Deutschland?

Immer­hin hat die Regie­rung es in die­sem Jahr geschafft, den 52-Giga­watt-Solar­de­ckel zu besei­ti­gen: Über einen ent­spre­chen­den Arti­kel im Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Gesetz (EEG, § 49)  ist die Höhe der Ein­spei­se­ver­gü­tung für Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen bis zu einer Anla­gen­grö­ße von 750 Kilo­watt gere­gelt. Bis­her redu­zier­te sich die­se Ver­gü­tung bei Errei­chen von 52 GW  instal­lier­ter Leis­tung auf Null.
Die Abschaf­fung des Deckels ist zwar ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Vor dem Hin­ter­grund der Sek­tor­kopp­lung ist aller­dings ein mas­si­ver Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien erfor­der­lich. Im Hin­blick auf Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen bestehen jedoch immer noch zahl­rei­che Hin­der­nis­se:

  • Der Aus­bau-Kor­ri­dor („atmen­der Deckel“) von der­zeit 2,5 GW muss auf min­des­tens 10 GW pro Jahr ange­ho­ben wer­den.
  • Damit ins­be­son­de­re auf 1-/2‑­Fa­mi­li­en-Häu­sern mög­lichst gro­ße PV-Anla­gen gebaut wer­den, muss die antei­li­ge EEG-Umla­ge auf selbst ver­brauch­ten Strom aus Anla­gen mit einer Leis­tung von mehr als zehn Kilo­watt abge­schafft wer­den. Die­se ist nach euro­päi­schen Recht ohne­hin für Anla­gen bis 30 kWp unzu­läs­sig.
  • Um den Zubau von Solar­parks zu beschleu­ni­gen, muss das jähr­li­che Aus­schrei­bungs­vo­lu­men  um ein Viel­fa­ches ange­ho­ben wer­den.
  • Um deut­lich mehr PV-Anla­gen auch auf die Dächer von Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern zu bekom­men, muss das Mie­ter­strom­ge­setz ver­ein­facht wer­den: In sei­ner jet­zi­gen Form ver­hin­dert es näm­lich den Bau von PV-Anla­gen auf Immo­bi­li­en, bei denen der damit erzeug­te Strom von meh­re­ren Par­tei­en (Woh­nungs­ei­gen­tü­mer, Mie­ter) genutzt wür­de.

Ange­sichts die­ser vie­len offe­nen Bau­stel­len drängt sich die Fra­ge auf, ob und gege­be­nen­falls wel­che kon­kre­ten Vor­stel­lun­gen die Bun­des­re­gie­rung hin­sicht­lich der Ener­gie­wen­de hat.

Der konterkarierte Ausstieg von der Kohleverstromnung

Das Jahr 2020 hat im Hin­blick auf den Koh­le­aus­stieg bereits ganz schlecht begon­nen. So wur­de gleich im Janu­ar die Inbe­trieb­nah­me von Dat­teln IV, einem neu­en Koh­le­kraft­werk, beschlos­sen.

Kraftwerk Datteln IVDas neue Kraft­werk Dat­teln IV (Bild: Maschi­nen­jun­ge via Wiki­pe­dia)

Am kom­men­den Frei­tag soll nun das Gesetz zur Redu­zie­rung und zur Been­di­gung der Koh­le­ver­stro­mung und zur Ände­rung wei­te­rer Geset­ze beschlos­sen wer­den.

Mit dem Koh­le­EIN­stiegs­ge­setz wird die För­de­rung und Ver­stro­mung von Braun­koh­le für wei­te­re 18 Jah­re fest­ge­schrie­ben!

Mit die­sem Gesetz wird – ent­ge­gen dem Geset­zes­ti­tel – ins­be­son­de­re die För­de­rung von Braun­koh­le und deren Ver­stro­mung für wei­te­re 18(!) Jah­re fest­ge­schrie­ben!
Da über­rascht es nicht wei­ter, dass das Gesetz im Volks­mund inzwi­schen Koh­le­EIN­stiegs­ge­setz genannt wird.

Das alles zeigt, dass sich an der im KSI-Bericht beschrie­be­nen Situa­ti­on wohl auch in die­sem Jahr nichts ändern wird. Scha­de eigent­lich!

Eigent­lich ist die Sache so ein­fach wie klar: Um die Aus­wir­kun­gen den men­schen­ge­mach­ten Anteils am Kli­ma­wan­del zu mini­mie­ren, müs­sen wir sämt­li­che fos­si­len Brenn­stof­fe im Boden las­sen. Und das bes­ser schon ab heu­te als ab mor­gen.
War­um ist das also nicht schon längst pas­siert? Und wie kön­nen wir dafür sor­gen, dass es pas­siert?

Wei­ter­le­sen

Die Natio­na­le Was­ser­stoff­stra­te­gie wirft eini­ge Fra­gen auf.
Ich bin die­sen nach­ge­gan­gen und habe ver­sucht Ant­wor­ten zu fin­den.
Am Ende mei­ner Recher­che habe ich jedoch immer noch Fra­gen – und meh­re­re Hand­lungs­emp­feh­lun­gen.
Außer­dem habe ich für Euch die Fahrt­kos­ten ver­schie­de­ner Antriebs­sys­te­me mit­ein­an­der ver­gli­chen.

First things first: Wofür braucht man eigent­lich Was­ser­stoff? Die Bun­des­re­gie­rung beant­wor­tet die Fra­ge hin­sicht­lich der Ein­satz­mög­lich­kei­ten des farb- und geruch­lo­sen Gases fol­gen­der­ma­ßen:

Was­ser­stoff bie­tet vie­le Ein­satz­mög­lich­kei­ten in der zen­tra­len und dezen­tra­len Strom­erzeu­gung. Er kann aber auch für das Betrei­ben von Fahr­zeu­gen, für die Her­stel­lung alter­na­ti­ver Kraft­stof­fe, Brenn­stof­fe und Gase, zur Lang­zeit­spei­che­rung sowie als Roh­stoff für indus­tri­el­le (ins­be­son­de­re che­mi­sche) Pro­zes­se ein­ge­setzt wer­den.

Nach­zu­le­sen ist das übri­gens auf die­ser Sei­te:


Und damit sind wir auch schon mit­ten im The­ma: Am 10. Juni hat die Bun­des­re­gie­rung ihre Natio­na­le Was­ser­stoff­stra­te­gie vor­ge­stellt.

In die­sem Zusam­men­hang hat außer­dem Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler ver­kün­det, das Deutsch­land eine Part­ner­schaft ein­ge­gan­gen ist, um "gemein­sam mit Marok­ko die ers­te indus­tri­el­le Anla­ge für grü­nen Was­ser­stoff in Afri­ka" zu ent­wi­ckeln.

Die Wasserstoff-Farbpalette

Wenn Du den Begriff Was­ser­stoff schon mal gehört hast, wur­de der ver­mut­lich in Ver­bin­dung mit einer Far­be genannt. Was hat es also mit den Far­ben auf sich?
Auch das erklärt die Bun­des­re­gie­rung auf der oben genann­ten Web­sei­te sehr anschau­lich:

Grü­ner Was­ser­stoff wird durch Elek­tro­ly­se von Was­ser her­ge­stellt. Bei grü­nem Was­ser­stoff kommt der Strom für die Elek­tro­ly­se aus­schließ­lich aus erneu­er­ba­ren Ener­gien. Dadurch ist der ein­ge­setz­te Strom CO₂-frei und somit auch die Pro­duk­ti­on von Was­ser­stoff. Das ist unab­hän­gig von der ver­wen­de­ten Elek­tro­ly­se­tech­no­lo­gie.

Bei grau­em Was­ser­stoff ist der Aus­gangs­stoff ein fos­si­ler Brenn­stoff. In den meis­ten Fäl­len wird die Metho­de der „Dampf­re­for­mie­rung“ ange­wen­det. Hier­bei wird Erd­gas unter dem Ein­satz von Hit­ze in Koh­len­stoff­di­oxid (CO₂) und Was­ser­stoff umge­wan­delt. Da das ent­stan­de­ne CO₂ hier­bei unge­nutzt in die Atmo­sphä­re abge­ge­ben wird, wird dadurch der Treib­haus­ef­fekt ver­stärkt. Pro Ton­ne so pro­du­zier­tem Was­ser­stoff ent­ste­hen allei­ne zehn Ton­nen CO₂.

Bei blau­em Was­ser­stoff han­delt es sich im Grun­de um grau­en Was­ser­stoff. Jedoch wird bei blau­em Was­ser­stoff das durch die Dampf­re­for­mie­rung ent­stan­de­ne CO₂ gespei­chert. Die­se Spei­che­rung wird auch „CCS“ genannt, von dem Eng­li­schen „Car­bon Cap­tu­re and Sto­rage“. Das bei der Pro­duk­ti­on ent­stan­de­ne CO₂ gelangt also nicht in die Atmo­sphä­re und dadurch kann die­se Art der Was­ser­stoff­pro­duk­ti­on bilan­zi­ell als CO₂-neu­tral betrach­tet wer­den.

Tür­ki­ser Was­ser­stoff wird über die ther­mi­sche Spal­tung von Methan gewon­nen. Die­ses Ver­fah­ren wird auch als Methan­py­ro­ly­se bezeich­net. Anstel­le von CO₂ ent­steht hier­bei ein fes­ter Koh­len­stoff. Um die­se Art der Pro­duk­ti­on CO₂-neu­tral zu gestal­ten, ist sowohl die Wär­me­ver­sor­gung des Hoch­tem­pe­ra­tur­re­ak­tors aus erneu­er­ba­ren Ener­gien, als auch die dau­er­haf­te Bin­dung des ent­ste­hen­den Koh­len­stoffs not­wen­dig.

Da CO-Emis­sio­nen unbe­dingt zu ver­mei­den sind, kommt grau­er Was­ser­stoff (der bereits heu­te in der Indus­trie ein­ge­setzt wird) offen­sicht­lich nicht in Betracht (blau­er Was­ser­stoff auch nicht, aber dazu spä­ter).
Ide­al ist dage­gen grü­ner Was­ser­stoff, da des­sen Her­stel­lung kom­plett CO
-frei ist.

Herleitung der Wasserstoffstrategie unklar

Um den Hin­ter­grund der Was­ser­stoff­stra­te­gie zu ver­ste­hen und ein­schät­zen zu kön­nen, wäre es hilf­reich wenn man wüss­te, auf wel­chen Stu­di­en die­se basiert. Hier­zu schweigt sich die Bun­des­re­gie­rung aber lei­der aus. Ein Hin­ter­grund­pa­pier zur Was­ser­stoff­stra­te­gie wäre hilf­reich.

Sucht man nach aktu­el­len Doku­men­ten vom Wis­sen­schaft­li­chen Dienst der Bun­des­re­gie­rung zum The­ma Was­ser­stoff, stößt man unwei­ger­lich auf das Doku­ment „Kos­ten der Pro­duk­ti­on von grü­nem Was­ser­stoff“ vom 3. April 2020. Die­ses Doku­ment ver­weist wie­der­um auf meh­re­re ande­re Stu­di­en, die ihrer­seits wie­der­um auf wei­te­re Stu­di­en ver­wei­sen. Kurz gesagt: da hat einer vom ande­ren abge­schrie­ben.
Ich habe die Zusam­men­hän­ge zwi­schen eini­gen (für unse­re Zwe­cke rele­van­ten) Stu­di­en in der nach­fol­gen­den Gra­fik ver­an­schau­licht. Links zu den Stu­di­en fin­den sich am Ende die­ses Bei­trags.

Studien zur Wasserstoffstrategie

Wasserstoff für individuelle Mobilität ist sinnlos!

Die Bun­des­re­gie­rung schreibt, dass man Was­ser­stoff auch „für das Betrei­ben von Fahr­zeu­gen“ ver­wen­den will. Die­ser Satz, das Bild auf der Web­sei­te (sie­he oben) eben­so wie ein Pres­se­fo­to von Peter Alt­mai­er in einem Was­ser­stoff-PKW könn­ten den Betrach­ter zu der Annah­me ver­lei­ten, dass dies auch in Ver­bin­dung mit indi­vi­du­el­ler Mobi­li­tät ein The­ma ist.

Aber weit gefehlt: Was­ser­stoff-PKW (eben­so wie alle syn­the­ti­schen Kraft­stof­fe) wer­den in der Land­schaft des deut­schen Indi­vi­du­al­ver­kehrs höchs­tens eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le spie­len. Der Grund ist sehr ein­fach: Was­ser­stoff als Treib­stoff ist ein­fach zu inef­fi­zi­ent!

Um einen PKW 100 km weit fort­zu­be­we­gen, benö­tigt man 11,6 kWh – an den Rädern, wohl­ge­merkt. Die bei­den sich dar­aus erge­ben­den Fra­gen:

  • Wie­viel vom jewei­li­gen Kraft­stoff (abhän­gig von der Antriebs­art) muss ich in den Tank (bezie­hungs­wei­se die Bat­te­rie) fül­len?
  • Wie­viel Pri­mär­ener­gie muss dafür auf­ge­wen­det wer­den?

Genau die­se bei­den Fra­gen beant­wor­tet die nach­fol­gen­de Gra­fik.

Bit­te beach­tet, dass mit einem model­lier­ten Fahr­zeug gerech­net wur­de. Das bedeu­tet, dass zum Bei­spiel der tat­säch­li­che Ener­gie­be­darf rea­ler Fahr­zeu­ge abweicht.

Well to Wheels (kWh)

Fazit 1: Den gerings­ten Ener­gie­be­darf hat offen­sicht­lich das bat­te­rie­elek­tri­sche Fahr­zeug.

Die nächs­te Fra­ge, die sich auto­ma­tisch stellt: Was kos­tet es mich, mit einem ent­spre­chen­den Fahr­zeug 100 Kilo­me­ter zu fah­ren? Dazu muss man die die Kraft­stoff­prei­se sowie die jeweils benö­tig­te Men­ge berück­sich­ti­gen. Ich habe das für Euch in der nach­ste­hen­den Tabel­le mal zusam­men­ge­fasst.

Preis /​ kWhPreis /​ 100 km
Bat­te­rie­elektr. Fahr­zeug, Strom­mix aus dem öffent­li­chen Strom­netz30 Ct.4,29 €
Bat­te­rie­elektr. Fahr­zeug, Strom von der eige­nen Pho­to­vol­ta­ik-Anla­ge m. Spei­cher26 Ct.3,72 €
Fahr­zeug m. Brenn­stoff­zel­le, Was­ser­stoff v. Tank­stel­le (33,3 kWh/​kg; Preis pro kg ca. 9,50 €)29 Ct.5,91 €
Fahr­zeug m. Die­sel­mo­tor, Die­sel v. Tank­stel­le (9,8 kWh/​l bei 1,14 €/​l)12 Ct.5,42 €

Fazit 2: Die nied­rigs­ten Kos­ten für eine Stre­cke von 100 Kilo­me­tern ver­ur­sacht ein bat­te­rie­elek­tri­sches Fahr­zeug, wel­ches mit Strom von der eige­nen Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge betankt wird. Der Unter­schied ist gra­vie­rend!

Antrie­be auf Basis von Was­ser­stoff und Brenn­stoff­zel­le haben nur dort eine Daseins­be­rech­ti­gung, wo Gewicht oder enor­me Reich­wei­te eine Rol­le spie­len, wie das bei­spiels­wei­se bei Flug­zeu­gen oder Schif­fen der Fall ist.

Antrie­be auf Basis von Was­ser­stoff und Brenn­stoff­zel­le haben nur dort eine Daseins­be­rech­ti­gung, wo Gewicht oder enor­me Reich­wei­te eine Rol­le spie­len.

Wegen der begrenz­ten Reich­wei­te und Lebens­dau­er einer Fahr­zeug­bat­te­rie hat­te man noch vor einem Jahr auch Brenn­stoff­zel­len­au­tos im Blick.
Doch neu­es­te Ent­wick­lun­gen ver­drän­gen die­se Tech­no­lo­gie kom­plett. So hat etwa der Her­stel­ler Tes­la unlängst eine neue Bat­te­rie mit einer Lebens­dau­er von 16 Jah­ren, bezie­hungs­wei­se 2 Mil­lio­nen Kilo­me­ter ange­kün­digt.

Sinn­ge­mäß gilt das auch für LKW: In einer Stu­die ver­gleicht das Öko-Insti­tut ver­schie­de­ne Antriebs­op­tio­nen für LKW.

Das Ergeb­nis: LKW mit bat­te­rie­elek­tri­schen Antrieb (gege­be­nen­falls mit Unter­stüt­zung von Ober­lei­tun­gen zur Erhö­hung der Reich­wei­te) errei­chen mit deut­li­chem Abstand den höchs­ten Wir­kungs­grad.

StratON - O-LKW

Die Erkennt­nis, dass für „das Betrei­ben von Fahr­zeu­gen“ vor­aus­sicht­lich kaum Was­ser­stoff benö­tigt wird, wirft die Fra­ge auf, wie denn die Bun­des­re­gie­rung den der Stra­te­gie zugrun­de lie­gen­den Was­ser­stoff­be­darf ermit­telt hat.

Hier­zu wer­fen wir einen Blick in die Stu­die „Inte­grier­tes Ener­gie­kon­zept 2050 (Strom Wär­me Ver­kehr Indus­trie)“, die aus dem Jahr 2018 stammt und auf die in einer Stu­die der NOW GmbH (beauf­tragt durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr und digi­ta­le Infra­struk­tur, BMVI) ver­wie­sen wird.

In die­ser Stu­die sind ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en defi­niert. Auf­grund der Markt­ent­wick­lun­gen, wel­che auch der Bun­des­re­gie­rung nicht ver­bor­gen geblie­ben sein dürf­ten, inter­es­siert uns vor allem das Sze­na­rio S₉₀-OLKW/BEV, in wel­chem 90% CO₂-Reduk­ti­on in 2050 mit einem erhöh­ten Anteil bat­te­rie­elek­tri­scher Antriebs­kon­zep­te ein­schließ­lich bat­te­rie­elek­tri­scher LKW zugrun­de gelegt ist. In der nach­fol­gen­den Gra­fik sind das die bei­den Dia­gram­me ganz unten. Das lin­ke Dia­gramm zeigt die Kraft­stoff-Ver­tei­lung für PKW, rechts ent­spre­chend für LKW.

IEK 2050

Offen­sicht­lich geht das BMVI – und damit wohl auch die Bun­des­re­gie­rung – im Jah­re 2050 von einem Was­ser­stoff­an­teil (bezo­gen auf die Jah­res­fahr­leis­tung) von ca. knapp 50% bei PKW und ca. 65% bei LKW aus!?
Das ist vor dem Hin­ter­grund der aktu­el­len Ent­wick­lun­gen im Markt voll­kom­men unrea­lis­tisch!

Im Sek­tor Ver­kehr ist ein Was­ser­stoff­an­teil von 50 – 60 Pro­zent  voll­kom­men unrea­li­si­tisch!

Da der Anteil des Sek­tors Ver­kehr am gesam­ten Pri­mär­ener­gie­be­darf erheb­lich ist (>25%), hät­te eine Anpas­sung des Was­ser­stoff­be­darfs an die­ser Stel­le einen wesent­li­chen Ein­fluss auf die ins­ge­samt in Deutsch­land benö­tig­te Men­ge Was­ser­stoff. Der Umfang, in dem wir Was­ser­stoff impor­tie­ren müs­sen, wür­de sich dadurch deut­lich redu­zie­ren. Even­tu­ell ist ein Import sogar nur wäh­rend einer Über­gangs­zeit oder auch gar nicht erfor­der­lich. Ent­spre­chend muss die Daten­grund­la­ge zeit­nah über­prüft wer­den.

Import: Wie kommt der marokkanische Wasserstoff nach Deutschland?

Aber blei­ben wir noch einen Augen­blick beim Import von Was­ser­stoff. Die Ant­wort auf die Fra­ge, wie denn der marok­ka­ni­sche Was­ser­stoff zu uns kommt,  bleibt uns die Bun­des­re­gie­rung schul­dig.
In der Natio­na­len Was­ser­stoff­stra­te­gie ist ledig­lich die Rede von „der Erpro­bung von Import­rou­ten und ‑tech­no­lo­gien“. Mit ande­ren Wor­ten: man weiß es noch nicht.

Der Import von Was­ser­stoff aus der MENA-Regi­on ver­ur­sacht nicht uner­heb­li­che Trans­port­kos­ten.

Da man heu­te nicht mit Sicher­heit sagen kann, ob, wie lan­ge und in wel­chem Umfang grü­ner Was­ser­stoff impor­tiert wer­den muss, bie­tet sich auf­grund der Fle­xi­bi­li­tät der Schiffs­trans­port an, der jedoch nicht uner­heb­li­che Trans­port­kos­ten ver­ur­sacht.

Die­se Über­le­gung wird auch durch eine Stu­die von Green­peace Ener­gy gestützt.

Die Stu­die kommt übri­gens zu dem Schluss, dass impor­tier­ter Was­ser­stoff kei­ne Kos­ten­vor­tei­le bie­tet. Nach­fol­gend der kor­re­spon­die­ren­de  Aus­schnitt aus der Stu­die. Ich habe für Euch die bei­den wich­ti­gen Sät­ze mar­kiert.

Greenpeace Energy - Blauer Wasserstoff
Eine ande­re Stu­die, auf die der wis­sen­schaft­li­che Dienst in die­sem Zusam­men­hang eben­falls ver­weist, stammt von der Pro­g­nos AG. Die­se legt einen Trans­port via Pipe­line zugrun­de. Sie schätzt zwar den Import gegen­über der Pro­duk­ti­on In Deutsch­land als mini­mal preis­güns­ti­ger ein, aller­dings ist in der Stu­die auch die Rede von einer „poten­zi­ell gerin­ge­ren Inves­ti­ti­ons­si­cher­heit in Schwel­len- und Ent­wick­lungs­län­dern gegen­über Deutsch­land“.

In Zusam­men­hang mit dem Import von Was­ser­stoff wird im Doku­ment des wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes auch das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um mit fol­gen­den Wor­ten zitiert: „Deutsch­land wird auch in einer dekar­bo­ni­sier­ten Welt in gro­ßem Umfang Ener­gie­trä­ger impor­tie­ren müs­sen.
Lei­der ist nicht doku­men­tiert, wie das BMWI zu sei­ner Ein­schät­zung kommt. Aller­dings ist die­se For­mu­lie­rung auch in einem Papier der Deut­schen Ver­eins der Gas- und Was­ser­fa­ches e.V. (DVGW) zu fin­den. Somit habe ich hier ein Hen­ne-Ei-Pro­blem.

Wo kommt der grüne Strom in Deutschland her?

Ob für den direk­ten Ver­brauch oder zur Pro­duk­ti­on von Was­ser­stoff: wir benö­ti­gen jede Men­ge Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gien!
Das sieht auch die Bun­des­re­gie­rung so. In der natio­na­len Was­ser­stoff­stra­te­gie heißt es dazu:

Für den Markt­hoch­lauf der Was­ser­stoff­tech­no­lo­gien und deren Export ist eine star­ke, nach­hal­ti­ge und zur Ener­gie­wen­de bei­tra­gen­de inlän­di­sche Was­ser­stoff­pro­duk­ti­on und Was­ser­stoff­ver­wen­dung – ein „Hei­mat­markt“ – unver­zicht­bar. Für eine lang­fris­tig wirt­schaft­li­che und nach­hal­ti­ge Nut­zung von Was­ser­stoff müs­sen Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten für Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gien (insb. Wind und Pho­to­vol­ta­ik) kon­se­quent wei­ter erhöht wer­den.

Der­zeit wird der mas­si­ve Aus­bau von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen durch unsin­ni­ge Geset­ze behin­dert. Hier­von sind – neben Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­sern, Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern und Zweck­bau­ten – ins­be­son­de­re auch Frei­flä­chen­an­la­gen betrof­fen.

Um die die Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten für Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gien deut­lich zu erhö­hen, bedür­fen die ent­spre­chen­den Geset­ze drin­gend einer Über­ar­bei­tung!

Mogelpackung „Blauer Wasserstoff“

Aus Sicht der Bun­des­re­gie­rung ist auf Dau­er nur sol­cher Was­ser­stoff nach­hal­tig, der auf Basis erneu­er­ba­rer Ener­gien her­ge­stellt wur­de („grü­ner“ Was­ser­stoff).
Unge­ach­tet des­sen möch­te die Bun­des­re­gie­rung über­gangs­wei­se auch CO₂-neu­tra­len Was­ser­stoff (sprich: „blau­en“ oder „tür­ki­sen“ Was­ser­stoff) nut­zen. Das leuch­tet mir nicht ein!

Blau­er Was­ser­stoff wird eben­so wie grau­er Was­ser­stoff aus Erd­gas her­ge­stellt. Hier ent­ste­hen bereits bei der För­de­rung und dem Trans­port CO₂- und Methan­emis­sio­nen (Stich­wort „Vor­ket­ten­emis­sio­nen“, ca. 25% der Gesamt­emis­sio­nen von Erd­gas), was bereits für einen erheb­li­chen CO₂-Fuß­ab­druck sorgt.
Auch hin­sicht­lich der CCS-Tech­no­lo­gie (Auf­fan­gen und „siche­res“ Depo­nie­ren des bei der Was­ser­stoff-Her­stel­lung ent­ste­hen­den CO₂ in Berg­wer­ken oder in aus­ge­beu­te­ten Öl- und Gas­fel­dern) bestehen Beden­ken: so wer­den in der Pra­xis nur ca. 85% des anfal­len­den CO₂ tat­säch­lich auf­ge­fan­gen. Der Rest ent­weicht unge­hin­dert.

Blau­er Was­ser­stoff ist kein geeig­ne­tes Instru­ment, um die deut­schen Kli­ma­zie­le zu errei­chen!

Green­peace Ener­gy kommt daher in einer Kurz­stu­die zum The­ma Blau­er Was­ser­stoff auch zu dem Ergeb­nis, dass „selbst bei moder­nen Anla­gen im Durch­schnitt 143 gCO2/​kWh ent­ste­hen; bei  Nach­rüs­tun­gen sind es sogar 218 gCO2/​kWh. Blau­er Was­ser­stoff ist daher kein geeig­ne­tes Instru­ment, um die deut­schen Kli­ma­zie­le zu errei­chen.“

Fazit

  • Die Daten­grund­la­ge für den Was­ser­stoff­be­darf im Sek­tor Ver­kehr ist wahr­schein­lich über­holt und bedarf des­halb einer zeit­na­hen Über­prü­fung.
  • Allein wegen dem vor­an­ge­hen­den Punkt, aber auch auf­grund wei­te­rer Unwäg­bar­kei­ten im Hin­blick auf den Was­ser­stoff­be­darf ist der­zeit unklar, ob, wie lan­ge und wie­viel grü­nen Was­ser­stoff Deutsch­land impor­tie­ren muss.
  • Solan­ge unklar ist, ob der Import von Was­ser­stoff dau­er­haft und in gro­ßen Men­gen erfol­gen muss (der Autor geht eher nicht davon aus), ist von Inves­ti­tio­nen in Pipe­lines abzu­se­hen. Statt­des­sen ist im Bedarfs­fall der Schiffs­trans­port zu bevor­zu­gen.
  • Nicht zuletzt für die strom­ba­sier­te Pro­duk­ti­on von grü­nem Was­ser­stoff brau­chen wir in Deutsch­land einen mas­si­ven Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien. Alle Geset­ze, wel­che dies behin­dern, müs­sen drin­gend über­ar­bei­tet wer­den.
  • Blau­er Was­ser­stoff ist nicht kli­ma­neu­tral, also eine Mogel­pa­ckung.
    Blau­er Was­ser­stoff ist daher unbe­dingt zu ver­mei­den!

Offene Fragen

Mei­ne nach­fol­gen­den Fra­gen sind offen geblie­ben oder haben sich beim Recher­chie­ren zu die­sem Arti­kel erge­ben. E‑Mail an das BMWI ist selbst­ver­ständ­lich raus. Ich wer­de an die­ser Stel­le oder in einem wei­te­ren Arti­kel zum The­ma (abhän­gig vom Umfang der  Neu­ig­kei­ten) berich­ten, sobald es etwas Neu­es gibt.

  • Was sind die Daten­grund­la­gen (Stu­di­en, etc.) die als Basis für die vor­lie­gen­de Natio­na­le Was­ser­stoff­stra­te­gie die­nen?
  • Auf wel­cher Basis kommt das BMWI zu fol­gen­der Ein­schät­zung: „Deutsch­land wird auch in einer dekar­bo­ni­sier­ten Welt in gro­ßem Umfang Ener­gie­trä­ger impor­tie­ren müs­sen.“?
  • War­um genau soll grü­ner Was­ser­stoff in Marok­ko (oder im Land eines ande­ren Part­ners) her­ge­stellt & dann impor­tiert wer­den, statt dass gleich hier zu erle­di­gen?

Literaturverzeichnis

Bun­des­re­gie­rung: Die Natio­na­le Was­ser­stoff­stra­te­gie

Wis­sen­schaft­li­cher Dienst: „Kos­ten der Pro­duk­ti­on von grü­nem Was­ser­stoff

Pro­g­nos AG: Kos­ten und Trans­for­ma­ti­ons­pfa­de für strom­ba­sier­te Ener­gie­trä­ger

NOW GmbH: Indus­tria­li­sie­rung der Was­ser­elek­tro­ly­se in Deutsch­land: Chan­cen und Her­aus­for­de­run­gen für nach­hal­ti­gen Was­ser­stoff für Ver­kehr, Strom und Wär­me

Green­peace Ener­gy EG: Blau­er Was­ser­stoff: Lösung oder Pro­blem der Ener­gie­wen­de?

Fraun­ho­fer ISE: Wege zu einem kli­ma­neu­tra­len Ener­gie­sys­tem

Fraun­ho­fer ISI/​ISE: Eine Was­ser­stoff-Road­map für Deutsch­land

Die ist der ers­te Teil einer Bei­trags­rei­he zum deut­schen Koh­le­aus­stieg.
In die­sem Bei­trag geht es um die Ent­ste­hungs­ge­schich­te und die aktu­el­le Situa­ti­on des Koh­le­aus­stiegs­ge­set­zes, ein­schließ­lich der Kri­tik dar­an. Außer­dem beleuch­tet der Arti­kel die Wirt­schaft­lich­keit von Koh­le­kraft­wer­ken und zeigt auf, wie es in der Sache wei­ter­ge­hen könn­te.

Wei­ter­le­sen

Eigent­lich ist die Sache klar: Die Ener­gie­wen­de ist dezen­tral. Das sieht auch die Euro­päi­sche Uni­on (EU) so.

Klar, das ist nicht im Inter­es­se der gro­ßen Ener­gie­ver­sor­ger, den Big4 (E.ON, RWE, EnBW und Vat­ten­fall). Und natür­lich eben­so wenig im Inter­es­se ihrer zahl­rei­chen Toch­ter­un­ter­neh­men wie bei­spiels­wei­se epri­mo oder Yello: schließ­lich ver­kau­fen alle genann­ten Unter­neh­men durch die dezen­tra­le Ener­gie­ver­sor­gung ("Bür­ger­en­er­gie") weni­ger Strom.

Aber wie sehen die von uns gewähl­ten Volks­ver­tre­ter das eigent­lich? Bege­ben wir uns gemein­sam auf die Suche nach Indi­zi­en.

Bundesregierung

Sie inter­es­sie­ren sich nicht für die Details? Dann lesen Sie doch gleich mein Fazit!

Um zu der Erkennt­nis zu gelan­gen, dass die EU die dezen­tra­le Ener­gie­wen­de befür­wor­tet, muss man ledig­lich einen Blick in die am 11. Dezem­ber 2018 erlas­se­ne Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Richt­li­nie (EERL) wer­fen. Dar­in heißt es bei­spiels­wei­se bereits in der Begrün­dung in Punkt 65:

Mit dem Über­gang zur dezen­tra­li­sier­ten Ener­gie­pro­duk­ti­on sind vie­le Vor­tei­le ver­bun­den, bei­spiels­wei­se die Nut­zung vor Ort ver­füg­ba­rer Ener­gie­quel­len, eine bes­se­re loka­le Ener­gie­ver­sor­gungs­si­cher­heit, kür­ze­re Trans­port­we­ge und gerin­ge­re über­tra­gungs­be­ding­te Ener­gie­ver­lus­te. Die­se Dezen­tra­li­sie­rung wirkt sich auch posi­tiv auf die Ent­wick­lung und den Zusam­men­halt der Gemein­schaft aus, weil vor Ort Erwerbs­quel­len und Arbeits­plät­ze ent­ste­hen.

Anschei­nend teilt die Bun­des­re­gie­rung die­se Ein­schät­zung aber nicht. Wie sonst ist es zu erklä­ren, dass der Aus­bau der dezen­tra­len Ener­gie­pro­duk­ti­on durch deut­sche Geset­ze behin­dert wird? Poten­zi­el­len Inves­to­ren wer­den stän­dig Knüp­pel zwi­schen die Bei­ne gewor­fen, bei­spiels­wei­se durch kom­pli­zier­te Geset­ze und Richt­li­ni­en, durch Beschrän­kun­gen sowie eine unnö­ti­ge Redu­zie­rung der Ren­di­te.

Immer noch nicht beseitigt: Die „Sonnensteuer“

Ein Bei­spiel für eine sol­che Ertrags­schmä­le­rung ver­birgt sich etwa im EEG § 61: Letzt­ver­brau­cher müs­sen dem­zu­fol­ge auch für selbst erzeug­ten und selbst ver­brauch­ten Strom EEG-Umla­ge zah­len, sofern die Anla­gen­grö­ße 10 kW über­schrei­tet. Zur Ein­ord­nung: Die­se Anla­gen­grö­ße ist bereits bei Ein­fa­mi­li­en­häu­sern sinn­voll, wenn auch das E‑Auto mit PV-Strom gela­den wer­den soll.

Gebüh­ren für selbst erzeug­ten Strom, den ich selbst ver­brau­che? Da könn­te man ja eben­so gut selbst ange­bau­tes Obst und Gemü­se besteu­ern, wel­ches ich selbst ver­zeh­re. Klingt unsin­nig? Ist es auch!

Außer dem gesun­den Men­schen­ver­stand steht dem auch die bereits erwähn­te EERL ein­deu­tig ent­ge­gen: Gemäß Art. 21 haben die Mit­glied­staa­ten dafür zu sor­gen, dass „Eigen­ver­sor­ger im Bereich erneu­er­ba­re Elek­tri­zi­tät indi­vi­du­ell oder über Aggre­ga­to­ren berech­tigt sind, … erneu­er­ba­re Ener­gie ein­schließ­lich für die Eigen­ver­sor­gung zu erzeu­gen …, ohne dass die eigen­erzeug­te Elek­tri­zi­tät aus erneu­er­ba­ren Quel­len, die an Ort und Stel­le ver­bleibt, dis­kri­mi­nie­ren­den oder unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ver­fah­ren und jeg­li­chen Abga­ben, Umla­gen oder Gebüh­ren unter­wor­fen ist“. Mit ande­ren Wor­ten: Die EEG-Umla­ge für eigen­erzeug­ten Strom ist gemäß EU-Recht nicht zuläs­sig.

Die Anfor­de­run­gen der EERL müs­sen bis zum 30. Juni 2021 in natio­na­les Recht umge­setzt wer­den.

Die Anfor­de­run­gen der EERL müs­sen in natio­na­les Recht umge­setzt wer­den. Dafür gibt es sogar eine Dead­line, näm­lich den 30. Juni 2021.
Die EERL stammt aus dem Dezem­ber 2018, heu­te sind wir also mehr als 18 Mona­te wei­ter. Zudem steht eine Ände­rung des EEG ohne­hin gera­de an. Da drängt sich die Fra­ge auf, war­um die Bun­des­re­gie­rung die „Son­nen­steu­er“ nicht schon mit der aktu­ell anste­hen­den EEG-Novel­le abschafft?

Hick-Hack um den Solardeckel

Der soge­nann­te Solar­de­ckel ver­hin­dert die Ver­gü­tung (För­de­rung) von ein­ge­speis­tem Strom aus PV-Anla­gen, sobald die Leis­tung aller instal­lier­ten und gemäß EEG geför­der­ten PV-Anla­gen 52 GW über­schrei­tet. Die­se 52 GW wer­den in den nächs­ten Mona­ten erreicht.

Bereits im Sep­tem­ber 2019 hat die Bun­des­re­gie­rung beschlos­sen, die­se Rege­lung ersatz­los abzu­schaf­fen. Pas­siert ist bis heu­te jedoch – nichts. Unge­ach­tet der stän­di­gen, fast Man­tra-arti­gen Wie­der­ho­lun­gen des Beschlus­ses und der ent­spre­chen­den Beteue­run­gen: Die Abschaf­fung des Solar­de­ckels ist bis heu­te nicht im Bun­des­ge­setz­blatt ver­öf­fent­licht.

Die inzwi­schen seit über einem hal­ben Jahr unge­klär­te Situa­ti­on stellt im Ergeb­nis eine erheb­li­che Inves­ti­ti­ons­bar­rie­re dar!

Die­se inzwi­schen seit über einem hal­ben Jahr unge­klär­te Situa­ti­on stellt im Ergeb­nis eine erheb­li­che Inves­ti­ti­ons­bar­rie­re dar: Bevor jemand eine Inves­ti­ti­on für bei­spiels­wei­se eine Dach-PV-Anla­ge tätigt, will die­ser Jemand berech­tig­ter­wei­se deren Wirt­schaft­lich­keit beur­tei­len kön­nen.
Das ist aber nicht mög­lich, wenn unklar ist, wie mit dem nicht selbst­ge­nut­zem Strom ver­fah­ren wird, also ob und wel­che Ver­gü­tung dafür in Ansatz gebracht wer­den kann.

Aber selbst wenn der 52-GW-Deckel nun end­lich abge­schafft wür­de, ist das nächs­te Pro­blem bezüg­lich des PV-Aus­baus bereits am Hori­zont sicht­bar: die Rede ist vom "atmen­den Deckel", der Absen­kung der Ein­spei­se­ver­gü­tung in Abhän­gig­keit des PV-Zubaus (EEG, § 49).
Ent­spre­chen­den Zubau vor­aus­ge­setzt, ist ein wirt­schaft­li­cher Betrieb von vor­wie­gend netz­ein­spei­sen­den PV-Anla­gen dann wohl nicht mehr mög­lich.

Das Mieterstromgesetz hat Mieterstrom eher komplizierter gemacht

Immer dann, wenn Besit­zer und aus­schließ­li­cher Nut­zer einer Immo­bi­lie iden­tisch sind, ist die För­de­rung erneu­er­ba­rer Ener­gien im EEG gere­gelt. Das gilt für das pri­va­te Ein­fa­mi­li­en­haus eben­so wie für ein Gewer­be­ob­jekt.
Aber was pas­siert, wenn Gebäu­de­tei­le ver­mie­tet sind, es also meh­re­re Nut­zer gibt? Dazu zählt bei­spiels­wei­se jedes Mehr­fa­mi­li­en­haus. Wie kön­nen sowohl Ver­mie­ter als auch Mie­ter von einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf dem Dach des Gebäu­des pro­fi­tie­ren? Wie wird der damit erzeug­te Mie­ter­strom abge­rech­net? Wel­che Umla­gen sind dafür zu ent­rich­ten?
Das alles wird seit 2017 im Mie­ter­strom­ge­setz gere­gelt, wel­ches den Bau von PV-Anla­gen auf den Dächern von Miets­häu­sern ver­ein­fa­chen soll – eigent­lich.

Von „ein­fach“ kann näm­lich abso­lut kei­ne Rede sein! Ein For­schungs­pro­jekt hat dies unter­sucht und doku­men­tiert („Zukunfts­feld Mie­ter­strom­mo­del­le: Poten­tia­le von Mie­ter­strom in Deutsch­land mit einem Fokus auf Bür­ger­en­er­gie“).
Das For­scher­team schreibt in sei­ner Zusam­men­fas­sung: „Der Ent­fal­tung die­ser all­ge­mei­nen Poten­tia­le von Mie­ter­strom ste­hen aller­dings eini­ge hem­men­de Fak­to­ren im Wege. Dazu gehört an ers­ter Stel­le die Kom­ple­xi­tät durch die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen, die durch das Mie­ter­strom­ge­setz teil­wei­se sogar noch erhöht wor­den ist.
In der Pra­xis füh­ren fer­ner eine feh­len­de Ein­heit­lich­keit bzw. Stan­dar­di­sie­rungs­pro­ble­me dazu, dass die Wirt­schaft­lich­keit von Mie­ter­strom­pro­jek­ten häu­fig unklar ist.
Unter tech­ni­schen Gesichts­punk­ten bestehen beson­ders gro­ße Her­aus­for­de­run­gen beim Mess­kon­zept und Abrech­nungs­sys­tem, die eine ein­fa­che und schnel­le Umset­zung von Mie­ter­strom­pro­jek­ten behin­dern.

Die Wissenschaft wird auch von der Praxis unterstützt

Dies wird auch durch prak­ti­sche Erfah­run­gen in mei­nem direk­ten Umfeld bestä­tigt. So schreibt mir ein per­sön­lich bekann­ter (pri­va­ter) Immo­bi­li­en-Inves­tor (ihm gehö­ren fünf Objek­te):
Nach dem Bau von 5 PV-Anla­gen bin ich mir ganz sicher, dass das ‚von oben‘ nicht gewünscht ist. Denn sonst hät­te ich irgend­wie För­de­rung und nicht nur Wider­stand erfah­ren.
Wenn eine geneh­mi­ge Anla­ge beim Netz­be­trei­ber als ‚fer­tig‘ gemel­det wur­de, dann dau­er­te es 3–6 Mona­te bis ein bidi­rek­tio­na­ler Zäh­ler gesetzt war, der auch die Ein­spei­sung misst.
An den zustän­di­gen Netz­be­trei­ber muss ich wegen der EEG-Umla­ge genau die glei­chen Pro­gno­sen und Abrech­nun­gen lie­fern wie zum Bei­spiel RWE. Das schaf­fen sicher nur weni­ge Solo­künst­ler [Anm. des Autors: der Mann ist Elek­tro­in­ge­nieur].
Und last but not least: even­tu­ell ent­ste­hen­de Gewin­ne wer­den ganz sicher durch die Not­wen­dig­keit einer Fir­ma mit Zwang eines Steu­er­be­ra­ters auf­ge­fres­sen.

Nur die Spitze des Eisbergs

Das waren nur drei Bei­spie­le für Hemm­nis­se der dezen­tra­len Ener­gie­wen­de, ins­be­son­de­re dem Aus­bau von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen durch deut­sche Geset­ze. Im Rah­men die­ses Bei­trags wol­len wir es zuguns­ten ande­rer The­men­be­rei­che dabei belas­sen.
Vie­le wei­te­re Bei­spie­le hat die Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft Ber­lin (htw) im Rah­men des For­schungs­pro­jekts PV2City gesam­melt. Die­se Sei­te ent­hält eine kur­ze Ein­füh­rung in das The­ma sowie einen Down­load-Link der von der For­schungs­grup­pe rund um Prof. Vol­ker Qua­sch­ning zusam­men­ge­stell­ten Lis­te.

PCsicher Banner

Das Kohleausstiegsgesetz: Doch eher ein KohleEINstiegsgesetz?

Die­ses Gesetz, wel­ches der­zeit als Ent­wurf vor­liegt und noch vor der Som­mer­pau­se vom Bun­des­tag beschlos­sen wer­den soll, dient "zur Redu­zie­rung und zur Been­di­gung der Koh­le­ver­stro­mung" – zumin­dest der Über­schrift nach. Das Gesetz hat es jedoch bin sich!

Koh­le­aus­stiegs­ge­setz: der Name ist ein klas­si­scher Fall von Eti­ket­ten­schwin­del

Gemäß § 42 des Gesetz­ent­wurfs möch­te die Bun­des­re­gie­rung sämt­li­che Rege­lun­gen mit den Betrei­bern von Braun­koh­le­an­la­gen, bezie­hungs­wei­se Braun­koh­le­ta­ge­bau­un­ter­neh­men in einen öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag aus­la­gern. Damit wären ent­spre­chen­de Rege­lun­gen nicht öffent­lich ein­seh­bar (damit haben wir bei­spiels­wei­se im Zusam­men­hang mit Andre­as Scheu­ers Maut­ver­trä­gen schon schlech­te Erfah­run­gen gemacht).

Eben­falls möch­te die Bun­des­re­gie­rung in die­sem Ver­trag die „ener­gie­wirt­schaft­li­chen Not­wen­dig­keit des Tage­baus Garz­wei­ler“ fest­stel­len. Zur Klar­stel­lung: damit wür­de die Braun­koh­le­för­de­rung und ‑ver­stro­mung durch die RWE AG für wei­te­re 18(!) Jah­re fest­ge­schrie­ben, und zwar unab­än­der­lich!
Hier wäre es sehr span­nend zu erfah­ren, wor­in genau die Not­wen­dig­keit denn begrün­det liegt? Gibt es dazu ein Gut­ach­ten (Äußerungen/​Einschätzungen sei­tens RWE zäh­len aus mei­ner Sicht NICHT dazu!)? Oder ist die­se Fest­stel­lung am Ende nur poli­tisch moti­viert?
Mir liegt jeden­falls ein Gut­ach­ten vor, wel­ches dem wider­spricht! Ein­zel­hei­ten dazu auf die­ser Sei­te.

Und dann sind da ja auch noch die Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen: 2,6 Mil­li­ar­den Euro für Braun­koh­le­an­la­gen im Rhein­land und 1,75 Mil­li­ar­den Euro für die Braun­koh­le­an­la­gen in der Lau­sitz.
Dazu heißt es, dass die­se „für die Deckung der Kos­ten der Rekul­ti­vie­rung und Wie­der­nutz­bar­ma­chung der Tage­baue und aller Tage­bau­fol­ge­kos­ten“ ver­wen­det wer­den sol­len.

Jeder, der einen Scha­den ver­ur­sacht, hat die­sen auch wie­der zu besei­ti­gen – und zwar ohne dafür irgend­ei­ne Ent­schä­di­gung zu erhal­ten.

Aber ver­steht es sich nicht von selbst, dass ich einen Scha­den, den ich ange­rich­tet habe, wie­der besei­ti­ge? Und zwar ohne dafür eine Ent­schä­di­gung zu erhal­ten!

Wie lange ist der Betrieb von Kohlekraftwerken noch wirtschaftlich?

Eine Kom­po­nen­te, aus der sich die genann­ten Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen berech­nen, ist der durch die vor­zei­ti­ge Abschal­tung zu erwar­ten­de Ertrags­aus­fall für die betrof­fe­nen Unter­neh­men.

Nach Berech­nun­gen vom Ramez Naam, einem aner­kann­ten Exper­ten für Ener­gie und Umwelt, wer­den die Kos­ten für den Neu­bau eines Solar­parks deut­lich vor Ablauf der 18 Jah­re unter die Kos­ten fal­len, die beim Wei­ter­be­trieb eines bestehen­den fos­si­len Kraft­werks ent­ste­hen (s. nach­fol­gen­de Gra­fik).

Zukünftige Kosten Solarprojekte bis 2050

Bei den Betriebs­kos­ten sind inner­halb der EU zusätz­lich die Kos­ten für die erfor­der­li­chen Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te zu berück­sich­ti­gen. Die nach­fol­gen­de Gra­fik zeigt die Preis­ent­wick­lung der ETS-Zer­ti­fi­ka­te (€/​tCO₂) in den letz­ten Jah­ren (blaue Linie, Quel­le).

Preisverlauf Überschüsse ETS-Zertifikate
Zur bes­se­ren Ein­ord­nung: Ein Braun­koh­le­kraft­werk erzeugt bei der Koh­le­ver­stro­mung etwa 1,2 tCO₂/​MWh (Berech­nungs­grund­la­ge: Ver­bren­nung Braun­koh­le = 0,41 kgCO₂ /​ kWh, angen. Wir­kungs­grad Kraft­werk 35% => 1,17 tCO₂ /​ MWh).

Unterm Strich ist also davon aus­zu­ge­hen, dass RWE & Co. ihre zuneh­mend unren­ta­blen Kraft­wer­ke noch vor 2030 von ganz allei­ne abschal­ten wür­den.

Verschärfung der Schadstoffgrenzwerte

Spä­tes­tens ab Juli 2021 (Ende der Umset­zungs­frist in natio­na­les Recht) gel­ten gemäß den EU-Vor­ga­ben zu Schad­stoff­grenz­wer­ten für Groß­feue­rungs­an­la­gen („BREF-Richt­li­nie“) stren­ge­re Grenz­wer­te für Stick­stoff­oxid, Queck­sil­ber und Ruß­par­ti­kel (das Mit­glieds­land Deutsch­land hat übri­gens gegen die Ver­schär­fung der Grenz­wer­te gestimmt). Die wenigs­ten Kraft­wer­ke ent­spre­chen die­sen Vor­ga­ben.
Hier stellt sich im Ein­zel­fall also die Fra­ge, ob ein ent­spre­chen­der Umbau tech­nisch über­haupt mög­lich ist und wenn ja, ob die­ser auch wirt­schaft­lich sinn­voll ist. Im Ergeb­nis wer­den vie­le Koh­le­kraft­wer­ke in Euro­pa schlie­ßen müs­sen, dar­un­ter auch in Deutsch­land.

Aus dem begrenz­ten Zeit­raum, in dem ein Koh­le­kraft­werk noch wirt­schaft­lich betrie­ben wer­den kann und vor dem Hin­ter­grund der ab Mit­te nächs­ten Jah­res ver­schärf­ten Bestim­mun­gen der BREF-Richt­li­nie ergibt sich, dass die Höhe der vor­ge­se­he­nen Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen min­des­tens frag­wür­dig ist.

Die Bun­des­re­gie­rung soll­te des­halb die Zeit bis zur Ver­ab­schie­dung des Koh­le­aus­stiegs­ge­set­zes sinn­voll nut­zen und an ver­schie­de­nen Stel­len nach­bes­sern.

Schaffung neuer Geschäftsmodelle für Netzbetreiber

Es liegt auf der Hand, dass Ver­brau­cher bei zuneh­men­dem dezen­tra­len Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien immer weni­ger Strom von ihrem Ver­sor­ger bezie­hen.
Der groß­flä­chi­ge Ein­bau loka­ler Spei­cher (egal ob Bat­te­rie, E‑Auto oder Brenn­stoff­zel­le) wäre ver­mut­lich sogar der Todes­stoß für die eta­blier­ten Kon­zer­ne: Die Eigen­ver­brauchs­quo­te wür­de signi­fi­kant stei­gen, es lie­ßen sich noch­mals deut­lich weni­ger Kilo­watt­stun­den an die Ver­brau­cher ver­kau­fen.

Die Geschäfts­mo­del­le der Big4 und der Netz­be­trei­ber wer­den also zukünf­tig in ihrer bis­he­ri­gen Form nicht mehr funk­tio­nie­ren – also müs­sen neue her! Außer den betrof­fe­nen Unter­neh­men weiß das natür­lich auch die Bun­des­re­gie­rung – und springt den Unter­neh­men hel­fend zur Sei­te.

Gutachten „Barometer Digitalisierung der Energiewende“

Nur weni­gen ist das genann­te Gut­ach­ten bekannt, selbst Fach­leu­te aus dem Bereich erneu­er­ba­re Ener­gien haben kaum von die­sem Gut­ach­ten gehört. Der Name klingt ja auch zunächst recht unver­fäng­lich.
ABER: Im Kern geht es dar­um, Eigen­ver­sor­gung zukünf­tig zu ver­hin­dern, und zwar durch eine neue Netz­ent­gelt­sys­te­ma­tik (hohe Grund­prei­se, nied­ri­ge Arbeits­prei­se).
Klaus Ober­zig hat das hier bereits ganz her­vor­ra­gend ana­ly­siert, daher spa­re ich mir die Mühe an die­ser Stel­le.

Die Bundesnetzagentur als Erfüllungsgehilfe

Das vor­ge­nann­te Baro­me­ter-Gut­ach­ten ent­hält Vor­schlä­ge bezüg­lich einer neu­en Netz­ent­gelt­sys­te­ma­tik.

Die Netz­ent­gelt­sys­te­ma­tik ist das Fun­da­ment wel­ches not­wen­dig ist, um zu ver­hin­dern, dass Ver­brau­cher von der dezen­tra­len Ener­gie­wen­de pro­fi­tie­ren.

Dar­auf auf­bau­end ver­setzt die Bun­des­netz­agen­tur der Eigen­ver­sor­gung dann den Todes­stoß, näm­lich mit ihrem Doku­ment „Markt­in­te­gra­ti­on aus­ge­för­der­ter und neu­er Pro­su­mer-Anla­gen“ (bezie­hungs­wei­se den dar­in ent­hal­te­nen Lösungs­vor­schlä­gen).

Pro­su­mer sind alle Strom­ver­brau­cher, die gleich­zei­tig auch Strom­erzeu­ger sind.
Alle drei im Doku­ment vor­ge­stell­ten Pro­su­mer-Model­le basie­ren auf der Grund­la­ge, dass der Netz­be­trei­ber den vom Pro­su­mer erzeug­ten Strom zunächst kom­plett abnimmt. Dafür braucht es gegen­über dem Zustand heu­te einen zusätz­li­chen Zäh­ler, wel­cher die gesam­te Men­ge erzeug­ter erneu­er­ba­rer Ener­gie zählt.
Der Pro­su­mer muss anschlie­ßend sei­nen kom­plet­ten(!) Ver­brauch vom Netz­be­trei­ber kau­fen.
Beson­ders anschau­lich dar­ge­stellt wird das auf den letz­ten drei Sei­ten des Doku­ments, in denen mit kon­kre­ten Zah­len­bei­spie­len gear­bei­tet wird.

Zwei Erkennt­nis­se dar­aus:

  • Über eine Ver­än­de­rung der Para­me­trie­rung (u. A. monat­li­cher Grund­preis, Abnah­me­preis, Bezugs­preis) lässt sich zen­tral (also durch den Netz­be­trei­ber) steu­ern, inwie­weit Eigen­ver­brauch über­haupt noch wirt­schaft­lich ist.
  • Loka­le Spei­cher (Brenn­stoff­zel­le, E‑Auto, …) kom­men in den drei vor­ge­stell­ten Model­len über­haupt nicht vor. Bei der Beschrei­bung der „Lie­fe­ran­ten-Opti­on“ ist sogar die Rede davon, dass wegen der „sym­me­tri­schen Beprei­sung von Ein­spei­sung und Netz­be­zug das Netz für den Pro­su­mer wie ein unbe­grenz­ter Spei­cher wirkt“. Klingt doch toll, also kei­nen loka­len Spei­cher bau­en, bezie­hungs­wei­se nut­zen, oder?
    Die Haken an der Sache:
    • Über den zusätz­li­chen Zäh­ler unmit­tel­bar an der Erzeu­gungs­an­la­ge (zum Bei­spiel PV-Anla­ge) weiß der Netz­be­trei­ber in jedem Fall, wie viel Ener­gie erzeugt wur­de – unab­hän­gig davon, ob die­se nun ins Netz ein­ge­speist oder zunächst lokal gespei­chert wird. Die­se Infor­ma­ti­on lässt sich her­vor­ra­gend zum Opti­mie­ren der Para­me­trie­rung ver­wen­den – natür­lich ganz im Sin­ne des Netz­be­trei­bers.
    • Über den monat­li­chen Basis­preis, der "pro kW" gezahlt wird, kann der Lie­fe­rant sehr prä­zi­se steu­ern, wie viel Geld der Pro­su­mer zu zah­len hat – selbst wenn er 100% Eigen­ver­brauch hät­te.

Nicht über­ra­schend:  dage­gen gibt es bereits ers­te Pro­tes­te.

PCsicher Banner

Fazit

  • Die Bun­des­re­gie­rung mit ihren nach­ge­la­ger­ten Minis­te­ri­en und Behör­den ver­hin­dert, bezie­hungs­wei­se ver­zö­gert die dezen­tra­le Ener­gie­wen­de, wo immer sich die Mög­lich­keit bie­tet.
  • Sie schützt und unter­stützt die bis­he­ri­gen Geschäfts­mo­del­le der Big4, wo immer sie kann und so lan­ge dies mög­lich ist.
  • Die Bun­des­re­gie­rung schafft bereits jetzt die Grund­la­ge für neue Ein­nah­me­quel­len der Big4 und der Netz­be­trei­ber, da das bis­he­ri­ge Vor­ge­hen schon allein wegen der EU-Gesetz­ge­bung nicht mehr lan­ge in der jet­zi­gen Form fort­ge­führt wer­den kann.
Weiterführende Literatur

Bun­des­re­gie­rung: Kli­ma­schutz­pro­gramm 2030 der Bun­des­re­gie­rung zur Umset­zung des Kli­ma­schutz­plans 2050

Clea­ring­stel­le EEGKWKG: Richt­li­nie (EU) 20182001 – Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Richt­li­nie (EERL)

Solar­ser­ver: Markt­be­fra­gung: 52-GW-Deckel ist Inves­ti­ti­ons­bar­rie­re für Pho­to­vol­ta­ik

Pres­se­mit­tei­lung von Par­ents For Future: Koh­le­aus­stiegs­ge­setz mutiert zum Kli­ma- und Wirt­schafts­kil­ler!

ener­ga­te mes­sen­ger 04/​2017: EU ver­schärft Stan­dards für Kraft­werks­emis­sio­nen

Es ist wie­der soweit: Jedes Jahr Mit­te Okto­ber lesen wir über­all, dass die Strom­prei­se stei­gen wer­den und die erneu­er­ba­ren Ener­gien, bezie­hungs­wei­se die des­we­gen erho­be­ne EEG-Umla­ge dar­an Schuld ist. Aber stimmt das eigent­lich?
Erfah­ren Sie in die­sem Bei­trag, war­um die EEG-Umla­ge wirk­lich steigt und wer dar­an Schuld hat.

Wei­ter­le­sen

Deutsch­land hat den zweit­höchs­ten Strom­preis in Euro­pa.
In die­sem Bei­trag stel­len wir Ihnen zwei Kos­ten­trei­ber vor und erklä­ren Ihnen, war­um – außer dem End­ver­brau­cher, der das bezah­len muss – kei­ner der Betei­lig­ten Prot­ago­nis­ten ein wirt­schaft­li­ches Inter­es­se dar­an hat, das zu ändern. Dar­über hin­aus ler­nen Sie sinn­vol­le Abhil­fe­maß­nah­men ken­nen und erfah­ren, war­um es auch damit nicht vor­an geht. 

Wei­ter­le­sen