Laut einer Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung (BMBF) soll zwi­schen 2020 bis Ende 2022 eine Mach­bar­keits­stu­die zu einer deutsch-aus­tra­li­schen Lie­fer­ket­te für Was­ser­stoff auf Basis erneu­er­ba­rer Ener­gien erstellt wer­den. Im Klar­text: die Bun­des­re­gie­rung hält den Import von Was­ser­stoff aus Aus­tra­li­en immer­hin für so sinn­voll, dass sie bereit ist, für die­se Stu­die 1,5 Mil­lio­nen Euro auszugeben.
Ich habe mich inten­siv mit dem The­ma beschäf­tigt. Mei­ne Ergeb­nis­se in die­sen Beitrag.

Tan­ker für flüs­si­gen Was­ser­stoff (LH₂) – 3D Rendering.

In die­sem Bei­trag geht es um fol­gen­de Themen

Die Rand­be­din­gun­gen

Um wel­che Men­gen Was­ser­stoff geht es?

Zufäl­lig bin ich vor eini­gen Tagen auf eine kor­re­spon­die­ren­de Mel­dung im Syd­ney Morning Herald gesto­ßen, die erfreu­li­cher­wei­se ein paar kon­kre­te Zah­len ent­hält. In dem Arti­kel heißt es:

Kar­li­c­zek said Ger­ma­ny had iden­ti­fied a hydro­gen demand of about 1000 TWh per year by 2030, which is equi­va­lent to about 3 mil­li­on tonnes.

Und wei­ter:

"Of this amount, 15 per cent is expec­ted to be gene­ra­ted domesti­cal­ly, while the remai­ning amount will need to be impor­ted," she said.

Wow, Moment mal!
Laut Umwelt­bun­des­amt beträgt der GESAMTE End­ener­gie­ver­brauch in Deutsch­land der­zeit ca. 2.500 TWh pro Jahr. Der Anteil der Indus­trie dar­an: 736 TWh (in 2018).

Endenergieverbrauch Deutschland

Da schei­nen 100 TWh Was­ser­stoff in 2030 eher rea­lis­tisch zu sein als die genann­ten 1.000 TWh. Das bestä­tigt auch eine Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine klei­ne Anfra­ge der FDP. Gehen wir also davon aus, das es sich um einen Zitat­feh­ler des Syd­ney Morning Herald han­delt, ver­nach­läs­si­gen den in Deutsch­land her­ge­stell­ten Anteil und rech­nen der Ein­fach­heit hal­ber mit 100 TWh wei­ter. Wir neh­men außer­dem an, dass die gesam­te Men­ge aus Aus­tra­li­en stammt. Das ist zwar unrea­lis­tisch, hilft aber bei der Ver­an­schau­li­chung der Probleme.

Wie kann der Was­ser­stoff von Aus­tra­li­en nach Deutsch­land trans­por­tiert werden?

Es liegt auf der Hand, dass der Trans­port auf­grund der Ent­fer­nung aus­schließ­lich über den See­weg erfol­gen kann.

Eine Vari­an­te wäre, den Was­ser­stoff in ver­flüs­sig­ter Form zu trans­por­tie­ren, d.h. bei cir­ca ‑253 ℃ als soge­nann­tes LH₂. Das schau­en wir uns in die­sem Bei­trag genau an.

Es gibt aber auch noch ande­re Mög­lich­kei­ten, Was­ser­stoff zu trans­por­tie­ren. Dazu gehört der Trans­port in Form von Ammo­ni­ak (NH₃), Metha­nol (CH3OH) oder gebun­den an LOHC (Liquid Orga­nic Hydro­gen Car­ri­ers), eine orga­ni­schen Sub­stanz, die Was­ser­stoff che­misch bin­det. Damit wer­de ich mich in nach­fol­gen­den Bei­trä­gen beschäftigen.

Trans­port als Flüs­sig-Was­ser­stoff (LH₂)

Die volu­metri­sche Ener­gie­dich­te von LH2

Eine Vari­an­te wäre, den Was­ser­stoff in ver­flüs­sig­ter Form zu trans­por­tie­ren, d.h. bei cir­ca ‑253 ℃ als soge­nann­tes LH₂.
Die volu­metri­sche Ener­gie­dich­te von LH₂ beträgt 2,36 kWh/​l (Link). Zum Ver­gleich: Das ist etwa 40 Pro­zent gegen­über ver­flüs­sig­tem Erd­gas (LNG, 5,8 kWh/​l), gegen­über Roh­öl (10,9 kWh/​l) sogar weni­ger als ein Viertel .

Die oben genann­ten 100 TWh ent­spre­chen also etwas mehr als 42 Mio. m³ LH₂.

Ange­nom­men wir wür­den den benö­tig­ten Was­ser­stoff kom­plett aus Aus­tra­li­en impor­tie­ren, lau­tet die nächs­te span­nen­de Frage:

Wie­vie­le LH₂-Tan­ker benö­ti­gen wir dafür?
Um die­se Fra­ge beant­wor­ten zu kön­nen, müs­sen wir uns zunächst mit in Fra­ge kom­men­den Schiffs­mo­del­len beschäftigen.

Wel­che LH2-Tan­ker gibt es heu­te und in Zukunft?

LH₂-Tan­ker sind sehr neu. Genau­ge­nom­men gibt es noch nicht mal ein sol­ches Schiff. Aller­dings befin­det sich seit Ende 2019 ein Demons­tra­ti­ons-Tan­ker in Bau: Die Fir­ma Kawa­sa­ki Hea­vy Indus­tries (KHI) baut die Schif­fe, die für den Trans­port von LH₂ zwi­schen Aus­tra­li­en & Japan ein­ge­setzt wer­den sol­len. Hier eine Pres­se­mel­dung vom Bau­be­ginn. In dem Arti­kel fin­den wir auch die „Tank car­go capa­ci­ty”, also die für die Fracht ver­füg­ba­re Kapa­zi­tät des Demo-Tan­kers: es sind 1.250 m³. Der Plan ist, die Kapa­zi­tät auf 4.000 m³ zu erhö­hen.

Ein ande­res LH₂-Tan­ker­kon­zept stammt aus einer Zusam­men­ar­beit zwi­schen Moss Mari­ti­me, Equi­nor, Wil­helm­sen und DNV-GL. Die Kapa­zi­tät hier: 9.000 m³. Das Schiff ist für eine maxi­ma­le Rei­se­dau­er von 25 Tagen ausgelegt.

Ein wei­te­res Design, mit einer Fracht­ka­pa­zi­tät von 8.000 m³ stammt von ICE Mari­ne Design.

Legen wir die 8.000 m³ zugrun­de, müss­ten für die 100 TWh/​a knapp 5.300(!) von die­sen Tan­kern im Jahr In D ankom­men, also knapp 15 am Tag. Es ist offen­sicht­lich, dass das wenig sinn­voll ist. Suchen wir also weiter!

Die ambi­tiö­ses­te Idee, die ich fin­den konn­te, stammt eben­falls von KHI: ein LH₂-Tan­ker mit einer Kapa­zi­tät von 160.000 m³. Aller­dings exis­tiert von die­sem Schiff ledig­lich ein Ren­de­ring. Fer­tig­stel­lung: frü­hes­tens 2025 (aus heu­ti­ger Sicht eher 2028 – frü­hes­tens!). Selbst wenn wir die­sen Typ zugrun­de legen, benö­ti­gen wir 263 Schiffs­an­künf­te pro Jahr, um die zu impor­tie­re­n­e­de Men­ge Was­ser­stoff zu transportieren.

Kawasaki LH2 Tanker 160.000 m³Wie lan­ge dau­ert die Über­fahrt von Aus­tra­li­en nach Deutschland?

Die mitt­le­re Geschwin­dig­keit eines Tan­kers beträgt etwa 15 Kno­ten. Auf der Web­site sea​ra​tes​.com kann man aus­rech­nen, wie lan­ge eine Über­fahrt von A nach B bei einer bestimm­ten Geschwin­dig­keit dau­ert. Von Aus­tra­li­en (Glad­stone Deep­wa­ter Port) nach Ham­burg  sind das etwa 33 ½ Tage – ohne Lie­ge­zeit, ver­steht sich. Inklu­si­ve Lie­ge­zeit und Rück­fahrt kann man also etwa von 70 Tagen für einen kom­plet­ten Umlauf ausgehen.

aus­ge­hen. Das bedeu­tet, wir kön­nen ein Schiff erst am 66. Tag für die nächs­te Über­fahrt neu beladen.
Somit benö­ti­gen wir ca. 50(!) die­ser Schif­fe – von denen, wohl­ge­merkt, noch nicht ein­mal ein kon­kre­tes Design existiert!

Man benö­tigt min­des­tens 50 LH₂-Tan­ker, von denen bis  heu­te nicht mehr als die Idee und ein Ren­de­ring existiert.

Letz­te­res ist auch nicht wei­ter über­ra­schend: Die Tech­no­lo­gie ist völ­lig neu, KHI will (muss) zunächst mal Erfah­run­gen mit dem oben beschrie­be­nen Pro­to­ty­pen sam­meln, um die Pro­jek­tie­rung sol­cher Oze­an­rie­sen in Angriff zu neh­men. Im Hin­blick auf 2030 könn­te das eng wer­den: Pla­nung und Bau dau­ern bei einem Tan­ker die­ser Grö­ßen­ord­nung ger­ne mal 3–4 Jahre.

Ener­gie­be­darf für die Umwand­lung von Was­ser­stoff in LH₂

Neben der beschrie­be­nen logis­ti­schen Her­aus­for­de­rung gibt es durch­aus noch wei­te­re Fak­to­ren, die zu berück­sich­ti­gen sind.
So wird bei­spiels­wei­se allein für die Ver­flüs­si­gung des Was­ser­stoffs knapp 13 der dar­in gespei­cher­ten Ener­gie benö­tigt (ergo: 30% Ver­lus­te, vgl. https://​www​.rese​arch​ga​te​.net/​p​u​b​l​i​c​a​t​i​o​n​/​3​4​9​4​8​3​3​5​3​_​A​_​r​e​v​i​e​w​_​o​f​_​h​y​d​r​o​g​e​n​_​l​i​q​u​e​f​a​c​t​i​o​n​_​c​u​r​r​e​n​t​_​s​i​t​u​a​t​i​o​n​_​a​n​d​_​i​t​s​_​f​u​t​ure). Die Hoff­nung ist, dies im bes­ten Fall zu halbieren.

Ver­lus­te durch Ver­damp­fen wäh­rend des Transports

Das auf – 253 ℃ her­un­ter­ge­kühl­te LH₂ in einem Tank zu trans­por­tie­ren, muss man sich unge­fähr so vor­stel­len, als wol­le man eine Kugel Eis in einem auf 200 ℃ auf­ge­heiz­ten Back­ofen auf­be­wah­ren. Wir müs­sen des­halb über das soge­nann­te „Boil-Off” sprechen.
Egal, wie gut die Tanks iso­liert sind: Das LH₂ erwärmt sich. Ein Teil ver­dampft, wobei die­ser sich aus­dehnt. Damit der ent­ste­hen­de Über­druck nicht den Tank zum bers­ten bringt, muss man Was­ser­stoff ablas­sen. Theo­re­tisch ist das nicht tra­gisch:  man könn­te damit den Tan­ker antrei­ben. Aber: von den 100%, die man in Aus­tra­li­en ein­ge­füllt hat, kommt hier eini­ges gar nicht an. Das Ziel für den Ver­lust beträgt etwa 0.2%/Tag (vgl. https://​www​.green​car​con​gress​.com/​2​0​1​3​/​0​9​/​2​0​1​3​0​9​2​8​-​k​h​i​.​h​tml). Bei 30 Tagen Rei­se­dau­er also min­des­tens 6%.

Mehr­kos­ten im Ver­gleich zu Flüssiggas-Transporten

Seit vie­len Jah­ren sind LNG-Tan­ker eta­bliert. LNG steht für „Liquid Natu­ral Gas", also ver­flüs­sig­tes Erd­gas (CH₄).  LNG wird bei ‑160 ℃ trans­por­tiert. Da liegt – nach allem was wir bis hier­her wis­sen – die Ver­mu­tung nahe, dass das „bei LH₂ schon so ähn­lich sein wird”. Dem ist lei­der nicht so.
Bei­spiels­wei­se sind Kom­po­nen­ten wie Ven­ti­le, Schläu­che und Rohr­lei­tun­gen, nicht unbe­dingt für den LH2-Trans­port geeig­net: H₂-Mole­kü­le sind klei­ner als CH₄-Mole­kü­le. Daher kann LH₂ durch durch Ver­bin­dun­gen oder Dich­tun­gen ent­wei­chen, die LNG zurück­hal­ten wür­den. Die meis­ten Kom­po­nen­ten wird man daher nicht ver­wen­den kön­nen, was einen LH₂-Tan­ker gegen­über einem LNG-Tan­ker teu­rer macht.

Neben den Arma­tu­ren ist auch die Tank­kon­struk­ti­on auf­wän­di­ger. So wer­den LNG-Tanks typi­scher­wei­se mit 40 cm Iso­lie­rung ver­se­hen. Die Boil-Off-Rate beträgt dann etwa 0,2% pro Tag. Wür­de man LH₂ in den Tank ein­fül­len, wür­de man täg­lich 5% ver­lie­ren! Es braucht hier offen­sicht­lich eine völ­lig ande­re Tankkonstruktion.
Ein mehr­schich­ti­ger Ansatz mit einem Vaku­um zwi­schen der Innen- und Außen­hül­le wird bereits ver­wen­det, um LH₂ und flüs­si­ges Heli­um im indus­tri­el­len Sek­tor kalt zu hal­ten. Aber das fin­det an Land statt. Der Ein­satz auf einem Schiff ist noch­mal einen neue Her­aus­for­de­rung. Man wird abwar­ten müs­sen, ob und gege­be­nen­falls wel­che Pro­ble­me sich bei dem oben beschrie­be­nen Demons­tra­ti­onstan­ker ein­stel­len, wenn die­ser in Betrieb ist.

Kraft­stoff­ver­brauch des Brennstoffzellenantriebs

Wir erin­nern uns: LH₂ hat einen sehr nied­ri­gen volu­metri­schen Ener­gie­ge­halt. Dar­aus resul­tiert, dass man im Ver­gleich zu Schwer­öl oder Flüs­sig­gas, mit dem sol­che Tan­ker aktu­ell ange­trie­ben wer­den, ein Viel­fa­ches des Treib­stoff-Volu­mens benö­tigt. Auf Kurz­stre­cken, wenn also alle paar Tage nach­ge­tankt wer­den kann, mag das eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le spielen.
Auf einer Lang­stre­cke sieht das jedoch anders aus: Für die 30-tägi­ge Über­fahrt wer­den etwa 50.000 m³ LH₂ benö­tigt (gro­be Schät­zung) – also fast ein Drit­tel der Ladung! Womit offen­sicht­lich wird, dass der beschrie­be­ne Boil-Off-Ver­lust ver­nach­läs­sig­bar ist (man benö­tigt ohne­hin mehr als die Men­ge, die dabei verdampft).

Was sagen Exper­ten zum Trans­port von flüs­si­gem Wasserstoff?

Mar­tin Hab­lut­zel, Lei­ter für die Kon­zern­stra­te­gie bei Sie­mens Aus­tra­li­en, ist über­zeugt, das Aus­tra­li­en als Was­ser­stoff­pro­du­zent für Deutsch­land wohl nicht infra­ge kommt, da Aus­tra­li­en bevor­zugt Asi­en (Chi­na, Japan, Süd­ko­rea und Sin­ga­pur) damit belie­fern wird.

Mein  Fazit

Der Trans­port von flüs­si­gem Was­ser­stoff über Ozea­ne wur­de noch nie zuvor durch­ge­führt. Die Ent­wick­lung ist mit einem hohen Risi­ko behaf­tet. Der Trans­port­weg ein­schließ­lich der anfal­len­den Umwand­lungs­ver­lus­te ist in jedem Fall sehr ineffizient.

Der Trans­port von flüs­si­gem Was­ser­stoff über einen der­art lan­gen See­weg birgt im Ver­gleich zur kon­ti­nen­ta­len Pro­duk­ti­on poten­zi­ell erheb­li­che Nach­tei­le und Risiken.

Im Ergeb­nis kann ich hier kei­nen kei­nen Vor­teil im Ver­gleich zur Her­stel­lung von Was­ser­stoff bei­spiels­wei­se in der Nord­see oder lokal bei indus­tri­el­len Ver­brau­chern erken­nen. Das Gegen­teil ist der Fall: Der Trans­port von flüs­si­gem Was­ser­stoff über einen der­art lan­gen See­weg birgt eher Nach­tei­le und erheb­li­che Risiken.

Wei­ter­füh­ren­de Literatur

Kawa­sa­ki Hea­vy to build first oce­an-going liquid hydro­gen tan­ker with demo in 2017; H2 for trans­port, indus­try, power in Japan (2013)

From LNG to Hydro­gen? Pit­falls and Pos­si­bi­li­ties (August 2018)

 

Die Natio­na­le Was­ser­stoff­stra­te­gie wirft eini­ge Fra­gen auf.
Ich bin die­sen nach­ge­gan­gen und habe ver­sucht Ant­wor­ten zu finden.
Am Ende mei­ner Recher­che habe ich jedoch immer noch Fra­gen – und meh­re­re Handlungsempfehlungen.
Außer­dem habe ich für Euch die Fahrt­kos­ten ver­schie­de­ner Antriebs­sys­te­me mit­ein­an­der verglichen.

Wei­ter­le­sen

Die Ener­gie­wen­de ist der Dreh- und Angel­punkt, wenn es um den Erfolg oder Miss­erfolg bei der Bewäl­ti­gung der Kli­ma­kri­se geht. Gemein­sam mit Dir kön­nen wir den vom Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um vor­ge­leg­ten Ent­wurf für die Novel­lie­rung des Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Geset­zes (EEG-Novel­le 2021) ver­hin­dern. Denn die­ser reicht bei Wei­tem nicht aus, um die drin­gend not­wen­di­ge Ener­gie­wen­de vor­an­zu­trei­ben. Unter ande­rem wer­den erneut der beschleu­nig­te Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien und Inves­ti­tio­nen in nach­hal­ti­ge Tech­no­lo­gien suk­zes­si­ve ausgebremst.

Energiewende EEG 2021

Eine erfolg­rei­che Ener­gie­wen­de kann es nur mit einer dezen­tra­len Bürger:innenenergie geben. Ins­be­son­de­re Bürger:innen tra­gen heu­te schon aller­orts in Deutsch­land zur Ener­gie­wen­de mit PV-Klein­an­la­gen bei. Mehr als ein Drit­tel aller Eigentümer:innen von Erneu­er­ba­ren Ener­gie-Anla­gen sind Pri­vat­per­so­nen, die auch bereit sind, das Poten­zi­al der Erneu­er­ba­ren Ener­gien wei­ter aus­zu­schöp­fen. Alle For­de­run­gen dazu fin­dest Du hier.

Die Novel­le soll noch in die­sem Jahr ver­ab­schie­det wer­den. Doch noch ist es nicht zu spät, um das EEG zu ret­ten! Wir kön­nen die Parlamentarier:innen umstim­men. Es liegt an jeder:m Ein­zel­nen von uns, die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten an das Ver­spre­chen aus dem Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men zu erin­nern. For­dern wir sie auf, uns und den nach­fol­gen­den Genera­tio­nen eine kli­ma­si­che­re Zukunft zu ermög­li­chen – auch dank eines star­ken EEGs!

Wie das geht? Mach mit bei der Akti­on von Ger­man­Ze­ro und schreib Dei­nen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten hier eine Mail.

Vie­len Dank für Dei­ne Unterstützung!

Nicht nur Nie­der­sach­sens Minis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) ist „sehr unzu­frie­den mit der Ent­wick­lung bei den erneu­er­ba­ren Ener­gien“: Ich bin es auch! Eben­so wie ver­mut­lich vie­le ande­re Men­schen in Deutschland.

Wor­an das liegt? Zum einen sind wir dazu ver­dammt, ohn­mäch­tig dabei zuzu­schau­en, wie das von Peter Alt­mai­er (CDU) geführ­te BMWi die Ener­gie­wen­de ver­schleppt. Nicht genug damit: die dezen­tra­le Ener­gie­wen­de wird durch geeig­ne­te Maß­nah­men sogar aktiv ver­hin­dert!

Da ist es nicht wei­ter ver­wun­der­lich, wenn sich dies auch in mess­ba­ren Ergeb­nis­sen nie­der­schlägt, bei­spiels­wei­se im jähr­lich neu berech­ne­ten Kli­ma­schutz-Index (KSI), der einen Ver­gleich der Kli­ma­schutz­leis­tun­gen und Fort­schrit­te ein­zel­ner Län­der ermöglicht.

Klimaschutz-Index 2020 - Gesamtergebnis

Das Doku­ment beschei­nigt Deutsch­land „unein­heit­li­chen Leis­tun­gen in allen Kate­go­rien“ und man kommt des­halb zu einer „mäßi­gen Bewer­tung“.
In dem Bericht heißt es: „Die Treib­haus­gas­emis­sio­nen und der Ener­gie­ver­brauch pro Kopf blei­ben auf einem ver­gleichs­wei­se hohen Niveau und sin­ken nicht schnell genug, um das Land auf einen Emis­si­ons­pfad zu brin­gen, der für eine Begren­zung der Erd­er­wär­mung auf deut­lich unter 2°C not­wen­dig ist.

Wei­ter heißt es im Bericht: „Als Teil des Kli­ma­pa­kets hat die deut­sche Regie­rung 2019 ein Sys­tem zur CO2-Beprei­sung für 2021, Ver­bes­se­run­gen des öffent­li­chen Nah­ver­kehrs und ein Maß­nah­men­pa­ket zur Erhö­hung Erneu­er­ba­rer Ener­gien ange­kün­digt. Obwohl die Exper­tIn­nen die­se posi­ti­ven Signa­le hono­rie­ren, geben sie zu beden­ken, dass die Zie­le und vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men noch nicht aus­rei­chen, um den not­wen­di­gen Bei­trag zu leis­ten die Erd­er­wär­mung auf deut­lich unter 2°C zu begren­zen. Die neu ange­kün­dig­ten Maß­nah­men rei­chen eben­falls nicht aus, um die Rück­schrit­te im Aus­bau der Erneu­er­ba­ren – ins­be­son­de­re bei der Wind­ener­gie im Bin­nen­land – aus­zu­glei­chen.

Kli­ma­schutz: Kei­ne Bes­se­rung in Sicht

Nun stammt das KSI-Doku­ment, aus dem ich zitiert habe, von Ende 2019. Ist inzwi­schen Bes­se­rung in Sicht?

Nein, das Gegen­teil ist der Fall: Der­zeit über­ho­len uns ande­re Län­der auf der gan­zen Welt  beim Kli­ma­schutz! Hier ein paar Mel­dun­gen der letz­ten Tage und Wochen:

Wohl­ge­merkt: Das sind ledig­lich eini­ge wahl­los her­aus­ge­grif­fe­ne Bei­spie­le für Umwelt- und Kli­ma­schutz­maß­nah­men, die in ver­schie­de­nen Län­dern unlängst ergrif­fen, bezie­hungs­wei­se beschlos­sen wur­den – was vor allem jene Zeit­ge­nos­sen Lügen straft, die nur all­zu ger­ne mit den Wor­ten "Ja, aber die ande­ren Län­der!" Fin­ger­poin­ting betreiben.

Und was macht Deutschland?

Immer­hin hat die Regie­rung es in die­sem Jahr geschafft, den 52-Giga­watt-Solar­de­ckel zu besei­ti­gen: Über einen ent­spre­chen­den Arti­kel im Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Gesetz (EEG, § 49)  ist die Höhe der Ein­spei­se­ver­gü­tung für Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen bis zu einer Anla­gen­grö­ße von 750 Kilo­watt gere­gelt. Bis­her redu­zier­te sich die­se Ver­gü­tung bei Errei­chen von 52 GW  instal­lier­ter Leis­tung auf Null.
Die Abschaf­fung des Deckels ist zwar ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Vor dem Hin­ter­grund der Sek­tor­kopp­lung ist aller­dings ein mas­si­ver Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien erfor­der­lich. Im Hin­blick auf Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen bestehen jedoch immer noch zahl­rei­che Hindernisse:

  • Der Aus­bau-Kor­ri­dor („atmen­der Deckel“) von der­zeit 2,5 GW muss auf min­des­tens 10 GW pro Jahr ange­ho­ben werden.
  • Damit ins­be­son­de­re auf 1-/2‑­Fa­mi­li­en-Häu­sern mög­lichst gro­ße PV-Anla­gen gebaut wer­den, muss die antei­li­ge EEG-Umla­ge auf selbst ver­brauch­ten Strom aus Anla­gen mit einer Leis­tung von mehr als zehn Kilo­watt abge­schafft wer­den. Die­se ist nach euro­päi­schen Recht ohne­hin für Anla­gen bis 30 kWp unzulässig.
  • Um den Zubau von Solar­parks zu beschleu­ni­gen, muss das jähr­li­che Aus­schrei­bungs­vo­lu­men  um ein Viel­fa­ches ange­ho­ben werden.
  • Um deut­lich mehr PV-Anla­gen auch auf die Dächer von Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern zu bekom­men, muss das Mie­ter­strom­ge­setz ver­ein­facht wer­den: In sei­ner jet­zi­gen Form ver­hin­dert es näm­lich den Bau von PV-Anla­gen auf Immo­bi­li­en, bei denen der damit erzeug­te Strom von meh­re­ren Par­tei­en (Woh­nungs­ei­gen­tü­mer, Mie­ter) genutzt würde.

Ange­sichts die­ser vie­len offe­nen Bau­stel­len drängt sich die Fra­ge auf, ob und gege­be­nen­falls wel­che kon­kre­ten Vor­stel­lun­gen die Bun­des­re­gie­rung hin­sicht­lich der Ener­gie­wen­de hat.

Der kon­ter­ka­rier­te Aus­stieg von der Kohleverstromnung

Das Jahr 2020 hat im Hin­blick auf den Koh­le­aus­stieg bereits ganz schlecht begon­nen. So wur­de gleich im Janu­ar die Inbe­trieb­nah­me von Dat­teln IV, einem neu­en Koh­le­kraft­werk, beschlossen.

Kraftwerk Datteln IVDas neue Kraft­werk Dat­teln IV (Bild: Maschi­nen­jun­ge via Wiki­pe­dia)

Am kom­men­den Frei­tag soll nun das Gesetz zur Redu­zie­rung und zur Been­di­gung der Koh­le­ver­stro­mung und zur Ände­rung wei­te­rer Geset­ze beschlos­sen werden.

Mit dem Koh­le­EIN­stiegs­ge­setz wird die För­de­rung und Ver­stro­mung von Braun­koh­le für wei­te­re 18 Jah­re festgeschrieben!

Mit die­sem Gesetz wird – ent­ge­gen dem Geset­zes­ti­tel – ins­be­son­de­re die För­de­rung von Braun­koh­le und deren Ver­stro­mung für wei­te­re 18(!) Jah­re festgeschrieben!
Da über­rascht es nicht wei­ter, dass das Gesetz im Volks­mund inzwi­schen Koh­le­EIN­stiegs­ge­setz genannt wird.

Das alles zeigt, dass sich an der im KSI-Bericht beschrie­be­nen Situa­ti­on wohl auch in die­sem Jahr nichts ändern wird. Scha­de eigentlich!

Eigent­lich ist die Sache so ein­fach wie klar: Um die Aus­wir­kun­gen den men­schen­ge­mach­ten Anteils am Kli­ma­wan­del zu mini­mie­ren, müs­sen wir sämt­li­che fos­si­len Brenn­stof­fe im Boden las­sen. Und das bes­ser schon ab heu­te als ab morgen.
War­um ist das also nicht schon längst pas­siert? Und wie kön­nen wir dafür sor­gen, dass es passiert?

Wei­ter­le­sen

Egal ob Wirt­schafts­ver­tre­ter, Popu­lis­ten oder angeb­li­che Institute/​ThinkTanks: Kli­ma­wan­del­leug­ner (bezie­hungs­wei­se Kli­ma­wan­del­skep­ti­ker) fin­den sich in allen drei genann­ten Grup­pen. Ent­we­der wird der men­schen­ge­mach­te Anteil am Kli­ma­wan­del kom­plett ver­leug­net oder min­des­tens angezweifelt. 
Wann und wie hat das eigent­lich Ein­zug in die fos­si­le Brenn­stoff­in­dus­trie gehalten?

Nur wer die Ver­gan­gen­heit kennt, hat eine Zukunft”

–Wil­helm von Hum­bold, 1767–1835

Ein Comic gibt die Antwort

Alex­and­re Magnin und Dr. Ben­ja­min Fran­ta sind die­ser Fra­ge nach­ge­gan­gen – und beant­wor­ten sie auf unter­halt­sa­me Weise!

Alex­and­re Magnin ist Nach­hal­tig­keits­be­ra­ter, Illus­tra­tor und Youtuber.
Ben Fran­ta hat an der Stan­ford Uni­ver­si­tät in ange­wand­ter Phy­sik pro­mo­viert. Sei­ne For­schung kon­zen­triert sich auf die Geschich­te der Kli­ma­wis­sen­schaft, Kli­ma­l­eug­nung und die Pro­du­zen­ten fos­si­ler Brennstoffe.

Gemein­sam erzäh­len die bei­den die Geschich­te des orga­ni­sier­ten Leug­nens des men­schen­ge­mach­ten Anteils am Kli­ma­wan­del, die in der US-ame­ri­ka­ni­schen Ölin­dus­trie ihren Anfang nahm.
Inhalt­lich kann man das alles nach­le­sen (zum Bei­spiel in die­sem Blog-Bei­trag) oder auch als Doku­men­tar­film anschau­en (Ori­gi­nal mit dt. Unter­ti­teln). Alex und Ben haben die Form eines Comics  gewählt (hier geht's zum Ori­gi­nal). Was ist der Sinn dahinter?

Ein hol­ly­woo­drei­fer Plot

Inhalt­lich geht es um skru­pel­lo­se Lob­by­is­ten, die seriö­se For­scher dif­fa­mie­ren und gezielt Falsch­in­for­ma­tio­nen in lan­cier­ten Medi­en­kam­pa­gnen glo­bal ver­brei­ten – also mehr oder weni­ger ein hol­ly­woo­drei­fer Plot, skan­dal­träch­tig und bestür­zend zugleich.

Das hat sich nie­mand aus­ge­dacht. Es geht um skan­dal­träch­ti­ge Ereig­nis­se, die tat­säch­lich statt­ge­fun­den haben!

Hier geht es aber nicht um die Ver­fil­mung einer fik­ti­ven Geschich­te, son­dern um tat­säch­li­che Bege­ben­hei­ten: die im Comic erwähn­ten mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­ne, Lob­by­is­ten und Wis­sen­schaft­ler gibt es tat­säch­lich. Die Lob­by­is­ten sind sogar heu­te noch aktiv! Übri­gens auch hier bei uns in Deutsch­land, wie die Recher­chen von CORRECTIV und Frontal21 bele­gen.

Eben­so wie die Ori­gi­nal-Autoren des Comics hal­te ich es daher für gebo­ten, die­se Machen­schaf­ten auf­zu­zei­gen, und dies in allen Medi­en (Print, Video, Audio) und auf allen Kanä­len (Buch, Film, Blog-Bei­trä­ge, Social Media, Pod­casts, …) zu ver­brei­ten – damit das hof­fent­lich irgend­wann ein Ende hat!

Das Mach­t­un­gleich­ge­wicht zwi­schen Kon­zern­lob­by­is­mus und Zivil­ge­sell­schaft muss besei­tigt werden!

Klimawandelskeptiker

Auch Joa­chim Ott (Stif­tung Euro­päi­sche Ener­gie­wen­de /​ EE Maga­zin) fand die­sen Comic toll und ent­wi­ckel­te die Idee zu einer deut­schen Ver­si­on. Die Umset­zung erfolg­te dann durch Klaus Mül­ler (Ener­gie­wen­de-Rocken) und mich. Das Ergeb­nis kann man hier bewun­dern.

An die­ser Stel­le könn­te der Bei­trag eigent­lich zu Ende sein.

Für den Fall, dass Du aber auch mal etwas über­set­zen musst, bezie­hungs­wei­se über­setzt haben möch­test (ja, ich bin käuf­lich!), fin­dest Du nach­fol­gen­de eini­ge hof­fent­lich hilf­rei­che Hin­wei­se und Erläu­te­run­gen zur Vor­ge­hens­wei­se in die­sem Projekt.

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Trans­la­ti­on first!

Die Über­set­zung des Comics habe ich kom­plett über­nom­men. Was mich dazu befä­higt? In mei­nem „frü­he­ren Leben” als Ange­stell­ter war ich zeit­wei­se in M&A‑Projekte im Zusam­men­hang mit Unter­neh­men in den USA invol­viert. Von daher wür­de ich mein Eng­lisch durch­aus als "ver­trags­si­cher in Wort und Schrift" bezeichnen.
Zudem habe ich acht Jah­re in Süd­ost­asi­en gelebt und dort häu­fig in eng­li­scher Spra­che kom­mu­ni­ziert, teil­wei­se mit Mut­ter­sprach­lern. Ich weiß also, woher jemand kommt, wenn er aus „Oz” stammt und ken­ne – außer der Frucht – min­des­tens zwei wei­te­re Bedeu­tun­gen des Wor­tes „Kiwi”.

Fer­ner war ich vor eini­gen Mona­ten Teil des groß­ar­ti­gen Teams, wel­ches den beein­dru­cken­den Vor­trag des aus­tra­li­schen Kli­ma­wis­sen­schaft­ler Will Stef­fen für die Spä­te­re Voice-over-Syn­chro­ni­sa­ti­on über­setzt hat (hier zu sehen und zu hören). Das hat mir bei der Umset­zung des aktu­el­len Pro­jekts sehr geholfen.

Übersetzen

Jetzt kann es also los­ge­hen! Im ers­ten Schritt wird der zu über­set­zen­de Text in der Ori­gi­nal­spra­che (hier: eng­lisch) erfasst. Die­ser Vor­gang nennt sich „tran­skri­bie­ren”. Je nach Umfang kön­nen Scan­ner und OCR-Pro­gramm zum Ein­satz kom­men. Auf­grund des gerin­gen Umfangs und der im Ori­gi­nal ver­wen­de­ten Schrift, die erfah­rungs­ge­mäß Pro­ble­me bei der OCR-Erken­nung erwar­ten ließ, habe ich mich für eine manu­el­le Erfas­sung entschieden.

In jedem Fall ist es sinn­voll, den Text dabei in ein­zel­ne Abschnit­te zu unterteilen.
Da der vor­lie­gen­de Comic ein­zel­ne Sze­nen dar­stellt, war die Bil­dung ent­spre­chen­der Text­blö­cke mehr oder weni­ger vor­ge­ge­ben (beim Vor­trags­pro­jekt haben wir die gezeig­ten Prä­sen­ta­ti­ons­fo­li­en und die Video-Time­codes benutzt).

Ist das erst­mal erle­digt, geht es ans eigent­li­che Über­set­zen. Hilf­reich ist hier­bei für eine ers­te Nähe­rung der deut­sche Online-Über­set­zungs­dienst DeepL.

Das ent­bin­det den Über­set­zer (also mich) aber kei­nes­falls davon, die­ses ers­te Ergeb­nis zu prü­fen und zu über­ar­bei­ten! Kein Über­set­zungs­pro­gramm ist per­fekt: Es gibt zahl­rei­che Fall­stri­cke zu beach­ten, von denen wir uns eini­ge nach­fol­gend anschauen.

Ein Über­set­zungs­pro­gramm ist hilf­reich, ersetzt (der­zeit) aber kei­nen mensch­li­chen Übersetzer

Begin­nen wir mit dem Kon­text, also der Fra­ge "Was genau woll­te der Autor des Ori­gi­nals mit einem bestimm­ten Satz aus­drü­cken?". Auf­grund von sti­lis­ti­schen Ele­men­ten (Sar­kas­mus, Iro­nie, Wort­spiel,  …) kann es pas­sie­ren, dass eine wört­li­che Über­set­zung sinn­ent­stel­lend wirkt.

Ein wei­te­res belieb­tes Fett­näpf­chen sind Fach­ter­mi­ni: man muss das jewei­li­ge Fach (oder die Fächer, im vor­lie­gen­den Fall: Kli­ma­wis­sen­schaft und Busi­ness Admi­nis­tra­ti­on) beherr­schen, also die Fach­be­grif­fe ken­nen. Das natür­lich in bei­den Spra­chen. Ein Anglis­tik-Stu­di­um allein hilft da nicht unbe­dingt weiter.

Zudem exis­tiert das wei­te Feld eng­li­scher Sprich­wör­ter. Die muss man eben­falls ken­nen, sonst droht Rat­lo­sig­keit: Eine wört­li­che Über­set­zung ergibt auch hier oft kei­nen Sinn.
In der Pra­xis ver­wen­det man ein­fach das deut­sche Pen­dant. Bei­spie­le gefällig?

Mit „As thick as a brick” ist kein dicker Stein gemeint, son­dern wenn jemand "dumm wie Boh­nen­stroh" ist. In der eng­li­schen Spra­che schlägt man eben nicht „zwei Flie­gen mit einer Klap­pe”, son­dern zwei Vögel mit einem Stein („kill two birds with one stone").
Die letzt­ge­nann­te Rede­wen­dung wird übri­gens von DeepL kor­rekt über­setzt, die ers­te dage­gen wört­lich (also falsch).

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Jetzt wird es ernst!

Ist man erst­mal mit der Über­set­zung durch, geht es ans Ein­ge­mach­te: In aller Regel hat man näm­lich nun ein „Platz­pro­blem”!
Dazu muss man wis­sen, dass For­mu­lie­run­gen in deut­scher Spra­che häu­fig län­ger sind als das eng­li­sche Pen­dant. Für die­je­ni­gen, die Eng­lisch grund­le­gend beherr­schen: ver­sucht mal "The­re are doubts on cli­ma­te chan­ge sci­ence" ins Deut­sche zu über­set­zen – und zwar ohne dafür nen­nens­wert mehr Buch­sta­ben als im eng­li­schen Ori­gi­nal zu benö­ti­gen. Es ist schlicht­weg unmöglich!

Wenn ich einen Brief über­set­ze, mag das tole­rier­bar sein: Dann wird der Brief in deut­scher Spra­che halt ein wenig länger.
Anders sieht es natür­lich bei vor­ge­ge­be­ner Grö­ße (bei­spiels­wei­se von Sprech­bla­sen, wie im vor­lie­gen­den Pro­jekt) oder begrenz­ter Sprech­dau­er (wie bei einer Voice-over-Syn­chro­ni­sa­ti­on) aus.
„Klei­ner schrei­ben", bezie­hungs­wei­se „schnel­ler spre­chen” funk­tio­niert nur in gewis­sen Gren­zen. Dar­über hin­aus hilft dann nur beherz­tes Kür­zen – natür­lich kei­nes­falls sinn­ent­stel­lend! Hier kommt dem Über­set­zer also eine gro­ße Ver­ant­wor­tung zu.

Das Fina­le: die gra­fi­sche Bearbeitung

Ist der Text erst­mal über­setzt, geht es an die Bear­bei­tung der Medi­en. Hier­bei sind zwei Fäl­le zu unterschieden:

  • Hat man die Ori­gi­nal­da­tei­en (mit zu über­set­zen­den Tex­ten in einem sepa­ra­ten Lay­er) vor­lie­gen, ersetzt man ein­fach den Ori­gi­nal­text durch die Über­set­zung – und hofft, dass es gra­fisch "passt". Falls nicht, muss man halt Anpas­sun­gen vor­neh­men (Schrift­grö­ße, Zei­chen-/Wort­ab­stand, …).
  • Ohne Ori­gi­nal-Datei­en (wie bei unse­rem Pro­jekt), ent­fernt man im ers­ten Schritt jeg­li­che Schrift aus den vor­lie­gen­den Gra­fi­ken. Der vor­han­de­ne Text wird also mit der jewei­li­gen Hin­ter­grund­far­be „über­malt”.
    Anschlie­ßend wird die Ebe­ne mit der nun „text­lo­sen” Gra­fik fixiert und dar­über eine neue Ebe­ne für den Text ein­ge­fügt. In der soeben erstell­ten Ebe­ne erstellt man dann Text­blö­cke ent­spre­chend den zuvor erstell­ten Über­set­zungs­blö­cken. Die­se wer­den im letz­ten Arbeits­gang noch ent­spre­chend dem Bedarf formatiert.

Nach Abschluss der Arbei­ten steht einer Ver­wen­dung im Ziel­me­di­um, zum Bei­spiel auf einer Web­sei­te, nichts mehr im Wege!

Klimaleugner Klimaskeptiker: 1988

 

Die Fach­welt ist sich einig: Bat­te­rie­elek­tri­sche Autos sind über ihre gesam­te Lebens­dau­er deut­lich weni­ger kli­ma­schäd­lich als ihre Ver­bren­ner-Pen­dants. Die Reich­wei­ten der Bat­te­rien wer­den immer grö­ßer, ihre Halt­bar­keit immer länger. 

Erst ver­ein­zelt, in den letz­ten bei­den Mona­ten aber qua­si in einer „kon­zer­tier­ten Akti­on“ kom­men ver­schie­de­ne Prot­ago­nis­ten um die Ecke, die das Gegen­teil behaup­ten. Da sind plötz­lich Die­sel­au­tos emmis­si­ons­är­mer als Elek­tro­au­tos, wahl­wei­se ist auch syn­the­ti­scher Kraft­stoff das Allheilmittel.

Was ist da los? Und vor allem: Wel­chem Zweck dient das?

Wei­ter­le­sen

Vor weni­gen Tagen hat Gabor Stein­gart sei­ne Mei­nung zum The­ma Kern­ener­gie verbreitet.
Ich habe mir Stein­garts Bei­trag durch­ge­le­sen und lie­fe­re hier eini­ge wich­ti­ge, ergän­zen­de Tat­sa­chen. Damit sich dann jeder nach Kennt­nis ALLER Fak­ten eine eige­ne Mei­nung bil­den kann.

Wei­ter­le­sen

Es ist wie­der soweit: Jedes Jahr Mit­te Okto­ber lesen wir über­all, dass die Strom­prei­se stei­gen wer­den und die erneu­er­ba­ren Ener­gien, bezie­hungs­wei­se die des­we­gen erho­be­ne EEG-Umla­ge dar­an Schuld ist. Aber stimmt das eigentlich?
Erfah­ren Sie in die­sem Bei­trag, war­um die EEG-Umla­ge wirk­lich steigt und wer dar­an Schuld hat.

Wei­ter­le­sen

Die ist der ers­te Teil einer Bei­trags­rei­he zum deut­schen Kohleausstieg.
In die­sem Bei­trag geht es um die Ent­ste­hungs­ge­schich­te und die aktu­el­le Situa­ti­on des Koh­le­aus­stiegs­ge­set­zes, ein­schließ­lich der Kri­tik dar­an. Außer­dem beleuch­tet der Arti­kel die Wirt­schaft­lich­keit von Koh­le­kraft­wer­ken und zeigt auf, wie es in der Sache wei­ter­ge­hen könnte.

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