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Vor weni­gen Tagen hat Gabor Stein­gart sei­ne Mei­nung zum The­ma Kern­ener­gie verbreitet.
Ich habe mir Stein­garts Bei­trag durch­ge­le­sen und lie­fe­re hier eini­ge wich­ti­ge, ergän­zen­de Tat­sa­chen. Damit sich dann jeder nach Kennt­nis ALLER Fak­ten eine eige­ne Mei­nung bil­den kann.

Wei­ter­le­sen

Der­zeit wird ja aller­orts vor der angeb­lich dro­hen­den Black­out-Gefahr gewarnt. In die­sem Zusam­men­hang ist auch ger­ne von der „geschei­ter­ten Ener­gie­wen­de“ die Rede und der deut­sche Atom­aus­stieg wird wie­der thematisiert.

Auch Roland Tichy, Grün­der der neu­rech­ten Platt­form Tichys Ein­blick, dis­ku­tiert in einer Fol­ge sei­nes Talk-For­mats Tichys Aus­blick Talk („Ener­gie­wen­de aus­ge­träumt – droht jetzt der Black­out?“) mit sei­nen Gäs­ten über all die­se Themen.
Ich habe mir das des­halb ange­schaut und räu­me nach­fol­gend mit eini­gen der in die­sem Video bespro­che­nen Nar­ra­ti­ve auf, die auch an ande­ren Stel­len ger­ne pro­pa­giert werden.

Das in allen Talk-Sen­dun­gen von Tichy gewähl­te Set­ting (in einer Hotel-Suite) hat für mich rein optisch immer etwas von einem kon­spi­ra­ti­ven Tref­fen. Also im Sin­ne von einer Knei­pe, in der im Hin­ter­zim­mer irgend­wel­che Kun­ge­lei­en ablau­fen – und wir Zuschau­er dür­fen exklu­siv Zeu­gen sein. Wer sich selbst ein Bild machen möch­te: am Ende des Bei­trags befin­det sich der Link zum Video. Für das Text­ver­ständ­nis ist das jedoch unwich­tig. Man muss sich das also nicht zwin­gend anschauen.

Die­ser Bei­trag behan­delt fol­gen­de The­men und Fra­ge­stel­lun­gen, die auch in der Sen­dung ange­spro­chen werden:

Tichys Gäs­te

Wie immer, stellt Roland Tichy zunächst die Gäs­te der jewei­li­gen Sen­dung vor. Wer sitzt da also mit am Tisch?

Prof. Dr. Fritz Vah­ren­holt war Umwelt­se­na­tor in Ham­burg, wech­sel­te dann in die Ener­gie­wirt­schaft (zuerst zur deut­schen Toch­ter des Öl- und Gas­kon­zerns Shell, dann als Vor­stands­chef zu einem Wind­kraft­an­la­gen-Her­stel­ler, zuletzt zur Öko­strom­spar­te von RWE). Danach mach­te er einen selt­sa­men Wan­del zum Kli­ma­fak­ten­leug­ner durch.
Tichy weist im Rah­men von Vah­ren­holts Vor­stel­lung dar­auf hin, dass Vah­ren­holt „die deut­sche Wild­tier­stif­tung groß gemacht hat“.
Was Tichy nicht sagt, rei­che ich der Voll­stän­dig­keit hal­ber an die­ser Stel­le nach: eben­die­se Wild­tier­stif­tung hat sich 2019 von Vah­ren­holt getrennt, wegen „unter­schied­li­cher Vor­stel­lun­gen über die Posi­tio­nie­rung der Stif­tung in der aktu­el­len kli­ma­po­li­ti­schen Dis­kus­si­on“. Nunja…

Albert Duin ist Unter­neh­mer, FDP-Poli­ti­ker und seit Okto­ber 2018 baye­ri­scher Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter. Er ist außer­dem Mit­glied von Nukle­a­ria e. V. Der Ver­ein pro­pa­giert die Nut­zung der Atom­ener­gie als wesent­li­chen Bestand­teil der Ener­gie­ver­sor­gung, da er Erneu­er­ba­re Ener­gien als nicht aus­rei­chend und unzu­ver­läs­sig ansieht. Er arbei­tet auf eine Revi­son des Atom­aus­stiegs hin, damit der Bau und Betrieb neu­er Reak­to­ren mög­lich wird.

Frank Hen­ning, Diplom­in­ge­nieur für Kraft­werks­an­la­gen und Ener­gie­um­wand­lung, war vie­le Jah­re in Koh­le­kraft­wer­ken eines gro­ßen Ver­sor­gers beschäf­tigt (u. A. Jänsch­wal­de) und schreibt heu­te Bücher (Dun­kel­flau­te", ) und auch für Tichys Ein­blick, zum Bei­spiel die Serie "ABC des Ener­gie­wen­de- und Grün­sprech". Was er von der Par­tei DIE GRÜNEN und der Ener­gie­wen­de im Spe­zi­el­len hält, dürf­te damit klar sein.

Zwi­schen den Gäs­ten ent­wi­ckelt sich – von Tichy mode­riert – ein Gespräch auf Stamm­tisch-Niveau: da wer­den mun­ter Anek­do­ten, Fak­ten und Fik­ti­on ver­mischt und unbe­leg­te Tat­sa­chen­be­haup­ten in den Raum gestellt.
Da es sich um ein You­Tube-For­mat han­delt, wäre es für Tichy ein leich­tes, ein Facts­heet mit­zu­lie­fern, wie zum Bei­spiel der Video-Blog­ger Rezo das macht. Aber das ist wohl aus gutem Grund nicht gewollt, denn dann wür­den schnell die Umge­reimt­hei­ten bei den Gesprächs­in­hal­ten offensichtlich.
Macht aber nix: ich rei­che das hier­mit ger­ne nach.

Die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der deut­schen Industrie

Vah­ren­holt ist ange­sichts stei­gen­der Ener­gie­prei­se besorgt um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der mit­tel­stän­di­schen und der ener­gie­in­ten­si­ven Indus­trie. Er stellt fest, dass es für Roh­stof­fe wie Kup­fer, Stahl und Alu­mi­ni­um einen Welt­markt­preis gibt und sieht ein Pro­blem wegen der aktu­el­len Ener­gie­preis­stei­ge­run­gen hier­zu­lan­de. Als Begrün­dung führt er die der­zei­ti­ge Ver­drei­fa­chung des Gas­prei­ses an (Hal­lo? Ist das etwa kein Welt­markt­preis?) sowie den „dra­ma­ti­schen Anstieg des CO₂-Prei­ses“ (gemeint ist hier der Preis für EU-ETS-Zertifikate).
Uner­wähnt lässt er aller­dings den am 14. Juli 2021 von der EU beschlos­se­nen und ab 2026 gül­ti­gen Mecha­nis­mus zur Anpas­sung der CO2-Gren­ze, den „Car­bon Bor­der Adjus­t­ment Mecha­nism“ (CBAM). Der CBAM wird den CO2-Preis zwi­schen ein­hei­mi­schen Pro­duk­ten und Impor­ten anglei­chen und sicher­stel­len, dass die Kli­ma­zie­le der EU nicht durch Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­run­gen in Län­der mit weni­ger ehr­gei­zi­ger Poli­tik unter­gra­ben werden.
Vah­ren­holts Sor­gen sind also höchs­tens von tem­po­rä­rer Natur, denn die Lösung ist sei­tens der EU bereits beschlossen.

Steht uns ein „Kli­ma-Lock­down“ bevor?

Im Anschluss kommt Vah­ren­holt auf das „außer­or­dent­lich schwa­che Wind­jahr“ zu sprechen.
Er erwar­tet, dass es vor dem Hin­ter­grund der bevor­ste­hen­den Abschal­tun­gen von Koh­le- und Kern­kraft­werk zu einer „Strom­man­gel­wirt­schaft“ kommt und zu „Abschal­tun­gen, weil es nicht zu jeder Zeit Ver­sor­gungs­si­cher­heit geben kann“. Die Argu­men­ta­ti­ons­li­nie gip­felt dann in einem auf­ge­reg­ten „Kli­ma-Lock­down“. Aber wie rea­lis­tisch ist das?

Die Pro­g­nos AG beant­wor­tet die­se Fra­ge in der Kurz­stu­die Kli­ma­neu­tra­li­tät und Ver­sor­gungs­si­cher­heit im Strom­markt. Das Fazit der Kurz­stu­die lautet:

Die Sze­na­ri­en von KNDE [Anm.: Stu­die Kli­ma­neu­tra­les Deutsch­land] wei­sen bis 2030 und dar­über hin­aus eine hohe Ver­sor­gungs­si­cher­heit auf dem Strom­markt auf. Dies geht zum einen aus den Strom­markt­mo­del­lie­run­gen von Pro­g­nos AG her­vor. Zum ande­ren geht dies eben­falls aus einem Ver­gleich der Ein­gangs­pa­ra­me­ter mit der detail­lier­ten Unter­su­chung von r2b et al (2019) hin­sicht­lich der Ver­sor­gungs­si­cher­heit auf dem Strom­markt her­vor. Die Ver­sor­gungs­si­cher­heit auf dem Strom­markt wird bei einem ambi­tio­nier­ten Ener­gie­wen­de-Sze­na­rio ins­be­son­de­re durch eine Fle­xi­bi­li­sie­rung der Nach­fra­ge über neue Strom­ver­brau­cher, das hohe Maß an euro­päi­schen Aus­tausch­ka­pa­zi­tä­ten sowie durch den Auf­bau regel­ba­rer Kraft­werks­leis­tung ermöglicht.

Kurz­um: Es gibt kein Pro­blem, sofern die neue Regie­rung für Demand Side Manage­ment (DSM), euro­päi­sche Aus­tausch­ka­pa­zi­tä­ten und regel­ba­rer Kraft­werks­leis­tung sorgt (und natür­lich den Aus­bau Erneu­er­ba­rer Ener­gien beschleu­nigt). Was übri­gens die bis­he­ri­ge Regie­rung bereits hät­te machen können!

Wenn man im Hin­blick auf die­se Zukunft von regel­ba­rer Kraft­werks­leis­tung spricht, geht es regel­mä­ßig um Gas­kraft­wer­ke – egal, ob die­se nun mit Bio­gas, Erd­gas, bezie­hungs­wei­se spä­ter mit Was­ser­stoff betrie­ben wer­den. Da im wei­te­ren Ver­lauf der Dis­kus­si­ons­run­de der Prei­s­aspekt ange­spro­chen wird, sei bereits an die­ser Stel­le ange­merkt, dass auch das kein Pro­blem dar­stellt: füh­ren­de Exper­ten auf dem Gebiet (Prof. Huber, TU Mün­chen und Mar­co Wünsch von der Pro­g­nos AG) sind sich einig, dass die Kos­ten für ent­spre­chen­de „Gas-Pea­ker“, also Gas-Kraft­wer­ke, die nur in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen lau­fen, umge­legt auf die Kilo­watt­stun­de Strom 0,5 Cent nicht übersteigen:

Ver­füg­bar­keit von Kernkraftwerken

Kom­men wir zum nächs­ten High­light: Albert Duin und die Kern­kraft, ins­be­son­de­re deren Ver­füg­bar­keit. Klar, als Nukle­a­ria-Mit­glied (war­um schrei­tet er eigent­lich nicht ein, als Tichy sich abfäl­lig über Nukle­a­ria äußert?) muss er natür­lich das The­ma Ver­füg­bar­keit, bezie­hungs­wei­se Voll­last­stun­den pro Jahr bringen.
Unter ande­rem das von ihm ange­führ­te „biss­chen Reno­vie­rung und biss­chen Ser­vice­zei­ten“ sorgt aller­dings dafür, dass die deut­schen Kern­kraft­wer­ke eine Ver­füg­bar­keit von weni­ger als 90% haben, resul­tie­rend in 7.700 Voll­last­stun­den pro Jahr (Zah­len aus 2018) statt der maxi­mal mög­li­chen und im Bei­trag genann­ten 8.760 Stunden.

Hier eine ent­spre­chen­de gra­fi­sche Dar­stel­lung (Quel­le: DIW):

Hin­zu kommt: Zuneh­men­de Hit­ze­s­om­mer mit dar­aus fol­gen­den nied­ri­gen Fluss­pe­geln und zu war­mes Fluss­was­ser haben bereits in der Ver­gan­gen­heit dazu geführt, dass Kern­kraft­wer­ke in Ihrer Leis­tung gedros­selt oder sogar kom­plett abge­schal­tet wer­den muss­ten.  Die abseh­ba­ren Ent­wick­lun­gen wer­den zukünf­tig die Ver­füg­bar­keit und Leis­tung deut­scher Kern­kraft­wer­ke wei­ter redu­zie­ren.

Ein wei­te­res Pro­blem ist das zuneh­men­de Alter der ver­blie­be­nen deut­schen Mei­ler. Die­ses redu­ziert nicht nur die Ver­füg­bar­keit, son­dern sorgt auch für ein erhöh­tes Sicher­heits­ri­si­ko. Ein Beleg dafür sind etwa die Pro­ble­me mit den Dampf­erzeu­ger­heiz­roh­ren im Kern­kraft­werk Neckar­west­heim.

Kurz­um: Die Ver­füg­bar­keit der ver­blie­be­nen deut­schen Kern­kraft­wer­ke ist lan­ge nicht so hoch, wie Albert Duin sug­ge­rie­ren möch­te und wür­de zukünf­tig aus ver­schie­de­nen Grün­den wei­ter abnehmen.

Sagt der IPCC wirk­lich „Deutsch­land braucht Kernenergie“?

Es folgt der Auf­tritt von Frank Hen­ning: Nach­dem er der Poli­tik eine „beson­de­re Form der Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung“ unter­stellt, bringt er in die­ser Run­de die Spra­che auf den IPCC, also den Welt­kli­ma­rat. Es wird auch in die­ser Run­de das Argu­ment bemüht „Der IPCC sagt, wir brau­chen Kernenergie“.
Gefühlt höre ich das zum 100. mal. Aber auch, wenn man eine Lüge hun­dert Mal wie­der­holt, wird sie davon nicht wahr!

Es geht um den Bericht AR5 Cli­ma­te Chan­ge 2014: Miti­ga­ti­on of Cli­ma­te Chan­ge, Kapi­tel 7 (2014) und den in 2018 erschie­ne­nen Son­der­be­richt über 1,5 °C glo­ba­le Erwär­mung (SR1.5), Kapi­tel 2. Kon­kret geht es dar­um, wie die Emis­sio­nen bis Mit­te des Jahr­hun­derts auf Null gesenkt wer­den können.
Hier wird von Atom­kraft-Befür­wor­tern regel­mä­ßig eine Gra­fik und Text­pas­sa­gen ins Spiel gebracht, die angeb­lich auf­zei­gen sol­len, dass "in allen Sze­na­ri­en Kern­kraft aus­ge­baut wird". Genau das ist aber nicht der Fall!
Eine ent­spre­chen­de Text­pas­sa­ge (aus SR 1.5) lau­tet wie folgt:

Nuclear power incre­a­ses its share in most 1.5°C pathways with no or limi­ted over­shoot by 2050, but in some pathways both the abso­lu­te capa­ci­ty and share of power from nuclear gene­ra­tors decre­a­se (Table 2.15). The­re are lar­ge dif­fe­ren­ces in nuclear power bet­ween models and across pathways (Kim et al., 2014; Rogelj et al., 2018). One of the rea­sons for this varia­ti­on is that the future deploy­ment of nuclear can be cons­trai­ned by socie­tal pre­fe­ren­ces assu­med in nar­ra­ti­ves under­ly­ing the pathways (O’Neill et al., 2017; van Vuuren et al., 2017b). Some 1.5°C pathways with no or limi­ted over­shoot no lon­ger see a role for nuclear fis­si­on by the end of the cen­tu­ry, while others pro­ject about 95 EJ yr−1 of nuclear power in 2100 (Figu­re 2.15).

Über­setzt bedeu­tet das, dass die meis­ten Ent­wick­lungs­pfa­de zu einem Aus­bau der Kern­ener­gie füh­ren, man­che jedoch zu einer Abnah­me. Als einer der Grün­de wer­den "gesell­schaft­li­che Prä­fe­ren­zen" angegeben.
Inter­es­sant ist auch noch der Hin­weis, dass in man­chen Ent­wick­lungs­pfa­de gegen Ende des Jahr­hun­derts gar kei­ne Kern­spal­tung mehr vorkommt.

Zu beach­ten ist fer­ner, dass es sich bei den IPCC-Sze­na­ri­en immer um eine glo­ba­le Betrach­tung han­delt, also über alle Län­der hin­weg. Offen­sicht­lich haben sich man­che Län­der für den Ein­satz von Kern­kraft ent­schie­den, ande­re dage­gen (dar­un­ter auch Deutsch­land). Bei­des wider­spricht nicht den Aus­sa­gen des IPCC. Wer das also vor­sätz­lich kon­stru­ie­ren will,… führt gewiss etwas im Schilde!

Der IPCC for­dert an kei­ner Stel­le, dass Deutsch­land an Kern­ener­gie fest­hal­ten oder gar Kern­kraft­wer­ke bau­en muss.

Nord­stream II „um Deutsch­land herumführen“?

Nun geht es etwas the­ma­tisch durch­ein­an­der, ich ver­su­che das mal zu sortieren.
Zunächst stellt Vah­ren­holt die The­se in den Raum, dass man die Erd­gas-Pipe­line Nord­stream II um Deutsch­land her­um­füh­ren müs­se, wenn man in Deutsch­land kein Erd­gas nut­zen will – was offen­sicht­lich völ­li­ger Quatsch ist.
Fer­ner pos­tu­liert er, dass wir „mit dem Ver­bren­nen des gesam­ten Gases die­ser Pipe­line 100 Mio. Ton­nen CO₂ pro­du­zie­ren“ wür­den. Das Pro­blem dar­an: nie­mand will das! Das Gas aus Nord­stream II wür­de viel­mehr an Ver­brau­cher in ganz Euro­pa geliefert.

CO₂-Abschei­dung ist in Deutsch­land ver­bo­ten – und das aus gutem Grund!

Vah­ren­holt möch­te CCS (Car­bon Cap­tu­re & Sto­rage, Koh­len­stoff­ab­schei­dung und ‑spei­che­rung) in fos­si­le Kraft­wer­ke ein­bau­en. Das ist jedoch aus meh­re­ren Grün­den nicht sinnvoll.
Zum einen dient die­se Tech­no­lo­gie der Ver­län­ge­rung der Nut­zung fos­si­ler Brenn­stof­fe, was aus offen­sicht­li­chen Grün­den nicht sinn­voll ist: wir müs­sen davon kom­plett weg!
Ande­rer­seits lässt sich damit laut Wis­sen­schaft­lern eine Abschei­dungs­ra­te von 65–80 Pro­zent errei­chen. CCS in fos­si­len Kraft­wer­ken bedeu­tet also nicht, dass die gesam­ten CO₂-Emis­sio­nen abge­schie­den werden.

Im Übri­gen ist die CCS-Tech­no­lo­gie auch nicht aus­ge­reift. Das kann man sehr schön beim Gor­gon-Pro­jekt in Aus­tra­li­en sehen: Als Che­vron die Geneh­mi­gung für sei­ne 54 Mil­li­ar­den Dol­lar teu­re Gor­gon-Flüs­sig­gas­an­la­ge erhielt, ver­sprach das Unter­neh­men, 100 Mil­lio­nen Ton­nen Treib­haus­gas­emis­sio­nen in einer der welt­weit größ­ten CCS-Anla­gen zu speichern.
5 Jah­re spä­ter, im Juli 2021, muss­te Che­vron, das Gor­gon zusam­men mit Exxon­Mo­bil, Roy­al Dut­ch Shell und einer Rei­he japa­ni­scher Kon­zer­ne betreibt, ein­ge­ste­hen, dass es die Anfor­de­run­gen, 80 Pro­zent der in den ers­ten fünf Betriebs­jah­ren anfal­len­den Emis­sio­nen weg­zu­sper­ren, nicht erfüllt hat.
Che­vron mach­te tech­ni­sche Her­aus­for­de­run­gen und eine drei­jäh­ri­ge Ver­zö­ge­rung der CCS-Ope­ra­tio­nen ver­ant­wort­lich, erklär­te jedoch, dass das Unter­neh­men mit der Injek­ti­on von 5 Mio. Ton­nen CO2-Äqui­va­lent in rie­si­ge Sand­stein­be­cken unter Bar­row Island vor West­aus­tra­li­en seit 2019 einen „bedeu­ten­den Mei­len­stein“ erreicht habe.

Noch ein paar Wor­te zum Ein­satz in Deutsch­land: CCS wer­den wir in der Zukunft in nicht oder nur schwer dekar­bo­ni­sier­ba­ren Berei­chen (Müll­ver­bren­nung, Zement, Che­mie) gewiss brau­chen. Da die Tech­no­lo­gie aber auch Ener­gie benö­tigt, ist es sinn­voll, die­se erst dann ein­zu­set­zen, wenn die Strom­erzeu­gung nahe­zu voll­stän­dig dekar­bo­ni­siert ist.

Wei­te­re aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen zum The­ma sind auf die­ser Sei­te des Umwelt­bun­des­am­tes zu finden.

Inter­es­sant ist in die­sem Zusam­men­hang auch das Umwelt­gut­ach­ten 2020 des Sach­ver­stän­di­gen­rats für Umwelt­fra­gen (Umwelt­rat), in dem ver­schie­de­ne Ver­fah­ren zur Erzie­lung nega­ti­ver Emis­sio­nen aus­führ­lich dis­ku­tiert wer­den (S. 62ff.):

SRU - CCS

CCS ist also der­zeit aus gutem Grund ver­bo­ten. Die Tech­no­lo­gie kann jedoch mög­li­cher­wei­se zu einem spä­te­ren Zeit­punkt sinn­voll sein.

Vah­ren­holt ver­steht den CO₂-Preis nicht

Vah­ren­holt kon­sta­tiert, dass sich bei einem CO₂-Preis von 195 €/​t der Strom­preis ver­drei­facht. Das ist völ­li­ger Quatsch!
Der deut­sche Strom­preis ist aus­schließ­lich von Zer­ti­fi­ka­ten des EU-ETS abhän­gig. Der Preis für ein sol­ches Zer­ti­fi­kat liegt der­zeit (Mit­te Okto­ber) bei ca. 60 Euro (Quel­le). Bis hier­her liegt Vah­ren­holt also richtig.
Wenn aber laut Vah­ren­holt „DIE GRÜNEN und Frau Neu­bau­er 195 Euro pro Ton­ne CO₂“ for­dern (Wo tun sie das? Ich kann jeden­falls kei­ne Quel­le dafür fin­den!), kann sich das nur auf den natio­na­len Zer­ti­fi­ka­te­han­del bezie­hen. Denn nur hier wird der Zer­ti­fi­kats­preis von der Bun­des­po­li­tik bestimmt. Der natio­na­len Zer­ti­fi­ka­te­han­del ist im Brenn­stoff­emis­si­ons­han­dels­ge­setz  (BEHG) gere­gelt und betrifft Emis­sio­nen, die eben nicht dem euro­päi­schen Emis­si­ons­han­del unter­lie­gen. Und damit hat er auch kei­ner­lei Ein­fluss auf den Strompreis!
Das Umwelt­mi­nis­te­ri­um erklärt es so:

Der im Janu­ar 2021 neu in Kraft getre­te­ne natio­na­le Zer­ti­fi­ka­te­han­del umfasst grund­sätz­lich alle in Ver­kehr gebrach­ten fos­si­len Brenn­stof­fe, also vor allem Ben­zin, Die­sel, Heiz­öl und Erd­gas. Der CO2-Preis betrifft somit ins­be­son­de­re die Berei­che Wär­me (Gebäu­de) und Ver­kehr. Für gro­ße Tei­le der Indus­trie und die Ener­gie­wirt­schaft gibt es mit dem Euro­päi­schen Emis­si­ons­han­del (EU-ETS) bereits einen Preis für den Aus­stoß von CO2. Die vom ETS umfass­ten Unter­neh­men sind folg­lich vom natio­na­len Zer­ti­fi­ka­te­han­del nicht betroffen.

Will man Emis­sio­nen wirk­lich ver­ur­sa­cher­ge­recht beprei­sen (und was soll­te bit­te­s­ehr dage­gen spre­chen?), sind die von Vah­ren­holt genann­ten 195 €/​t übri­gens noch deut­lich zu wenig: Rea­lis­tisch erscheint laut Umwelt­bun­des­amt ein Preis in Höhe von 680 €/​t.

Ein wei­te­rer Aspekt, den Vah­ren­holt geflis­sent­lich ver­schweigt: die meis­ten Par­tei­en, die einen höhe­ren CO2-Preis for­dern, for­dern gleich­zei­tig ein Klimageld/​eine Kli­ma­prä­mie. Das bedeu­tet, dass ein­ge­nom­me­ne Geld wird wie­der aus­ge­schüt­tet, und zwar pau­schal pro Kopf. Dadurch möch­te man gera­de die von Vah­ren­holt ange­pran­ger­ten Zumu­tun­gen an Arbeit­neh­mer und Bür­ger ver­mei­den, sofern deren Emis­sio­nen auf einem nor­ma­len Niveau lie­gen: Wer wenig emit­tiert, bekommt etwas her­aus. Wer viel emit­tiert, zahlt drauf.

Der EU-ETS-Zer­ti­fi­ka­te­han­del und der natio­na­le CO₂-Zer­ti­fi­ka­te­han­del sind zwei völ­lig unter­schied­li­che Sys­te­me und völ­lig unab­hän­gig voneinander.

Ver­fehl­te Energiepolitik

Es wäre lus­tig, wenn es nicht so trau­rig wäre! Was ich mei­ne: das Jam­mern, dass Koh­le­kraft­wer­ke nach dem Kern­ener­gie­aus­stieg wei­ter­be­trie­ben wer­den. Wo waren denn die­se Stim­men, als die Gro­ße Koali­ti­on aus CDU und SPD ab 2011 beim Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien mas­siv auf die Brem­se getre­ten haben? Dabei ging es doch letzt­end­lich um Pro­tek­tio­nis­mus, näm­lich von RWE & Co. Das kön­nen wir heu­te auch an vie­len ande­ren Hand­lun­gen fest­ma­chen.

Das hat gekos­tet, näm­lich zwi­schen 2011 und 2019 nach­weis­lich 117.000 Arbeits­plät­ze.
Es hat zudem dazu geführt, dass heu­te der Aus­bau von Pho­to­vol­ta­ik- und Wind­ener­gie­an­la­gen nicht wei­ter fort­ge­schrit­ten ist.

Was wir heu­te sehen, ist also das Ergeb­nis der ver­fehl­ten Ener­gie­po­li­tik in den letz­ten zehn Jahren!

Der Flä­chen­be­darf von Windkraftanlagen

Vah­ren­holt möch­te uns ein­re­den, dass auf­grund einer unsin­ni­gen Flä­chen­be­rech­nung heu­te nicht 0,9% der Flä­che der BRD mit WKA bebaut sind, son­dern bereits 5%. Das ist ein­fach nur lächerlich!
Bei der Flä­chen­be­rech­nung im Zusam­men­hang mit Wind­ener­gie­an­la­gen (WEA) legt man für jede WEA eine Ellip­se zu Grun­de, die aus dem 5‑fachen Rotor­durch­mes­ser in Haupt­wind­rich­tung und dem 3‑fachen Rotor­durch­mes­ser in Neben­wind­rich­tung gebil­det wird. Das Ver­fah­ren ist detail­liert in die­sem Doku­ment des Umwelt­bun­des­am­tes beschrie­ben (Kap. 4.1).

Die Aus­sa­ge „Heu­te sind 0,9% der Flä­che der BRD mit Wind­ener­gie­an­la­gen bebaut“ ist korrekt. 

Strom­be­darf 2050

Es geht auf dem Niveau wei­ter: laut Vah­ren­holt brau­chen wir gegen­über heu­te "die 10-fache Men­ge Strom" (wegen Sek­tor­kopp­lung). Nun, der Strom­ver­brauch heu­te (2020) beträgt 488,4 TWh. Lt. Vah­ren­holt wür­den wir also am Ende 4.884 TWh benö­ti­gen (und des­halb 50 Pro­zent der Lan­des­flä­che mit Wind­ener­gie­an­la­gen zu bau­en). Ist das realistisch?

Ein Bei­spiel: Die Stu­die Wege zu einem kli­ma­neu­tra­len Ener­gie­sys­tem des Fraun­ho­fer-Insti­tuts für Sola­re Ener­gie­sys­te­me kommt – je nach Sze­na­rio – auf einen Bedarf zwi­schen 1750 TWh und 2500 TWh. Ande­re Stu­di­en lie­gen zum Teil deut­lich dar­un­ter. Wir benö­ti­gen also ein mehr­fa­ches an Strom, jedoch kei­nes­falls die 10-fache Menge.
Bei der Sek­tor­kopp­lung erset­zen wir fos­si­le Ener­gie­trä­ger durch Strom, also Wär­me­pum­pe statt Öl-/Gas­heiz­kes­sel, Elek­tro­au­tos statt Ver­bren­nungs­mo­to­ren, usw. Das führt zu erheb­li­chen Effi­zi­enz­ge­win­nen, da Wär­me­ver­lus­te ver­mie­den wer­den. Im Ergeb­nis müs­sen wir viel weni­ger Ener­gie impor­tie­ren! Zur Ein­ord­nung: Deutsch­land gibt heu­te zwi­schen 60 und 100 Mil­li­ar­den Euro (abhän­gig von Markt­prei­sen und Stren­ge des Win­ters) für den Import fos­si­ler Ener­gie­trä­ger (Öl, Gas, Koh­le) aus.

Durch die Sek­tor­kopp­lung steigt zwar die benö­tig­te Strom­men­ge gegen­über heu­te auf das 3‑fache, der Ener­gie­be­darf ins­ge­samt sinkt jedoch.

Ver­än­dern Wind­parks das Klima?

Onshore-Wind­parks haben einen Ein­fluss auf das Mikro­kli­ma (also das Kli­ma im Wind­parkl selbst und in sei­ner unmit­tel­ba­ren Umge­bung). Drei ame­ri­ka­ni­sche For­scher haben dazu eine Meta-Stu­die zusam­men­ge­stellt, also zahl­rei­che Stu­di­en zum The­ma zusam­men­ge­tra­gen. Eine sehr gute und lesens­wer­te Ein­ord­nung fin­det sich auch hier. Die wich­tigs­ten Takeaways:

  • Die Stu­di­en wer­den von ande­ren Wis­sen­schaft­ler nicht als Argu­ment gegen den Aus­bau der Wind­kraft bewertet
  • In Städ­ten ist es auf­grund der Ver­sie­ge­lung zwi­schen 0,5 und 6(!) Grad wär­mer als im Umland
  • Koh­le­kraft­wer­ke ver­än­dern nicht nur das glo­ba­le Kli­ma durch den CO₂-Aus­stoß, sie ver­än­dern auch das loka­le Kli­ma und begüns­ti­gen Extremwetterlagen

Im Gegen­satz zu die­sen Fak­ten nimmt uns Vah­ren­holt jetzt voll­ends ins Reich der Mär­chen und Fabeln mit:

Wir machen eine Tech­no­lo­gie zur Bekämp­fung des Kli­mas – und brin­gen die Hälf­te der Erwär­mung wie­der zurück durch Windenergie"

Bereits die­ser Satz ist pures Gold! Denn nach die­ser Logik ist Vah­ren­holt wohl sehr nah dran am Per­pe­tu­um Mobi­le: Wind­ener­gie­an­la­gen (WEA) wür­den dem­zu­fol­ge näm­lich nicht nur Strom erzeu­gen, son­dern auch noch Umge­bungs­wär­me. Das dürf­te dann in toto mehr Ener­gie sein, als dem Wind an kine­ti­scher Ener­gie ent­zo­gen wurde.

Aus die­ser Erwär­mung, in Kom­bi­na­ti­on mit dem angeb­li­chen Strom­be­darf (sie­he oben), lei­tet Vah­ren­holt im nächs­ten Schritt ab, dass ein „Wind­park Deutsch­land“ ent­steht und „alle 1.000 Meter ein Wind­rad steht“. Sor­ry, was der Mann da von sich gibt, ist ein­fach nur peinlich!
Zur Ein­ord­nung hier mal ein Aus­zug aus einem State­ment des KNE (Kom­pe­tenz­zen­trum Natur­schutz und Ener­gie­wen­de) zum Thema:

Aktu­ell vor­lie­gen­de Stu­di­en­ergeb­nis­se kom­men zu dem Ergeb­nis, dass der Strom­be­darf im Jahr 2050 zwi­schen etwas mehr als dem Heu­ti­gen (rund 620 Ter­ra­watt­stun­den) bis zum Dop­pel­ten des Heu­ti­gen (1.000 Tera­watt­stun­den) beträgt. Dies wür­de bedeu­ten, dass zwi­schen 37.000 und etwa 65.000 Wind­ener­gie­an­la­gen benö­tigt wer­den. Spe­ku­la­tio­nen und Angst­sze­na­ri­en von 300.000 Wind­ener­gie­an­la­gen bis 2050 kann somit schon jetzt klar ent­ge­gen­ge­tre­ten werden.

Nichts­des­to­trotz wie­der­holt Vah­ren­holt sei­nen Unsinn noch­mal mit ande­ren Wor­ten, wohl damit es beim Zuschau­er auch hän­gen­bleibt: „Dann haben wir im Abstand von einem Kilo­me­ter Wind­tür­me, dann haben Sie in ganz Deutsch­land bis zu 0,5 Grad mehr Wär­me, Tro­cken­heit, Dür­re“ – Wow, das ist ja nun nicht mal mehr Stammtischniveau!

Wie­viel Voll­last­stun­den lie­fern Windenergieanlagen?

Albert Duin erwähnt, dass WEA heu­te durch­schnitt­lich 1.700 Voll­last­stun­den pro Jahr errei­chen. Das ist über den gesam­ten Bestand abso­lut korrekt.
Dies wird auch unter­mau­ert durch eine Gra­fik aus der Stu­die "Voll­last­stun­den von Wind­ener­gie­an­la­gen an Land" in wel­cher die Voll­last­stun­den nach Anla­gen­jahr­gän­gen auf­ge­schlüs­selt sind:

WEA - Volllaststunden
Den­noch ist es nur die hal­be Wahr­heit: Der Wert wird zukünf­tig signi­fi­kant stei­gen. Das Fraun­ho­fer-Insti­tut für Wind­ener­gie­sys­te­me schreibt dazu:

Einen deut­li­chen Kon­trast zu den vom deut­schen Anla­gen­be­stand erreich­ten Voll­last­stun­den bil­den die erwar­te­ten mitt­le­ren Voll­last­stun­den der in 2018 neu errich­te­ten WEA. Mit 2788 Stun­den lie­gen die erwar­te­ten Voll­last­stun­den der neu­en WEA um den Fak­tor 1,67 höher als das 10-Jah­res-Mit­tel des Anlagenbestandes.

Wor­an das liegt, ist schnell erklärt: neue­re Anla­gen wer­den immer höher. In grö­ße­rer Höhe weht der Wind kon­stan­ter. Dar­aus erge­ben sich mehr Voll­last­stun­den. Die grö­ße­re Naben­hö­he erlaubt zudem grö­ße­re Rotor­durch­mes­ser. Das führt zu einem erheb­lich höhe­ren Ertrag einer WEA.

Neue­re WEA errei­chen eine deut­lich höhe­re Anzahl Voll­last­stun­den und damit einen höhe­ren Ertrag, da sie über einen grö­ße­ren Rotor­durch­mes­ser ver­fü­gen, höher sind und in der grö­ße­ren Höhe der Wind bestän­di­ger weht.

Solar­ener­gie, Spei­cher und Syn­er­gien im neu­en Energiesystem

Tichy bringt nun Solar­ener­gie ins Spiel, Vah­ren­holt stellt dazu zunächst fest, dass 25% des Stroms pri­vat ver­braucht wer­den, 75% Strom dage­gen im Non-Resi­den­ti­al-Bereich – das stimmt.
ABER: haben Gewer­be­ob­jek­te kei­ne Dächer? Ergo kann man natür­lich auch auf den Dächern eines gro­ßen Teils der 75% ganz vor­züg­lich Strom erzeu­gen! Und was ist mit Agri-PV (Pho­to­vol­ta­ik über Fel­dern)? Auf Dächern von Park­plät­zen und Ver­kehrs­we­gen? Und der Hül­le von Gebäu­den (ja, Fas­sa­de geht heu­te auch!) und Fahrzeugen?

Effi­zi­enz von Energiespeichern

Danach arbei­tet er sich an den Spei­cher­ver­lus­ten ab („Sie ver­lie­ren auf dem Wege aber 23 der Energie“).
Schau­en wir uns die­se genau an. S&P Glo­bal Mar­ket Intel­li­gence fasst das in fol­gen­den Wor­ten zusam­men:

The tech­no­lo­gy to con­vert power to hydro­gen and back to power has a round-trip effi­ci­en­cy of 18%-46%, accord­ing to data that Flo­ra pre­sen­ted from the Mas­sa­chu­setts Insti­tu­te of Tech­no­lo­gy and sci­en­ti­fic jour­nal Natu­re Ener­gy. In com­pa­ri­son, two matu­re long-dura­ti­on tech­no­lo­gies, pum­ped-sto­rage hydro­power and com­pres­sed air ener­gy sto­rage, boast round-trip effi­ci­en­ci­es of 70%-85% and 42%-67%, respec­tively. Flow bat­te­ries, a rech­ar­ge­ab­le fuel cell tech­no­lo­gy that is less matu­re, have a round-trip effi­ci­en­cy of 60%-80%.“

Wir kön­nen also einer­seits davon aus­ge­hen, dass die von Vah­ren­holt pro­pa­gier­ten 23 Ver­lus­te auf ver­al­te­tem Zah­len­ma­te­ri­al beru­hen. Ich möch­te aber außer­dem auf den signi­fi­kant höhe­ren Wert für Fluss­bat­te­rien hin­wei­sen. In Chi­na ent­steht gera­de eine sol­che Bat­te­rie.

Syn­er­gie­ef­fek­te nicht vergessen!

Was alle in der Run­de völ­lig außer acht las­sen, sind Syn­er­gie­ef­fek­te. Ich muss den mit Solar­an­la­gen gespei­cher­ten Strom nicht zwin­gend in der Nacht bereit­stel­len, sofern da der Wind weht. Das ist bei­spiels­wei­se im Win­ter­halb­jahr oft der Fall. Im Som­mer weht dage­gen weni­ger Wind, dafür ist die Anzahl Sonnenstunden/​Tag höher. Son­ne und Wind ergän­zen sich also ganz hervorragend!

Wir soll­ten auf unse­rem Weg zu 100% Erneu­er­ba­rer Ener­gie auch Bio­gas, Was­ser­kraft und ande­re Tech­no­lo­gien nicht unbe­rück­sich­tigt las­sen. Das The­ma wird sowohl auf glo­ba­ler, auf euro­päi­scher und auch auf deut­scher Ebe­ne schon seit län­ge­rem dis­ku­tiert (SRU 2011; Hen­ning und Pal­zer 2012; Jacob­son u. a. 2017; Wal­ter u. a. 2018; Bar­thold­sen u. a. 2019; Hainsch, Göke, u. a. 2020; Ger­hards u. a. 2021). Hier ein Bei­spiel für eine Stu­die, die das The­ma ein­ge­hend beleuchtet.

Es exis­tie­ren zahl­rei­che Stu­di­en, die bele­gen, dass ein Ener­gie­sys­tem aus 100 % Erneu­er­ba­ren Ener­gien in Deutsch­land aus tech­ni­scher Sicht pro­blem­los rea­li­sier­bar ist. Die Fra­ge ist also nicht mehr ob, son­dern nur noch wie.

Elek­tro­mo­bi­li­tät

Frank Hen­ning behaup­tet, dass man sich in ande­ren Län­dern „ver­kal­ku­liert“ hat. Als Bei­spie­le führt er Cali­for­ni­en und Groß­bri­tan­ni­en  an, wo ein neu­es Gesetz dafür sorgt, dass Elek­tro­au­tos ab Mai 2022 zu bestimm­ten Zei­ten nicht mehr an pri­va­ten Lade­säu­len gela­den wer­den kön­nen. Wie unsin­nig die­ses Argu­ment ist, wird in die­sem Bei­trag sehr gut erklärt, des­halb erspa­re ich mir wei­te­re Aus­füh­run­gen zum Thema.

Reicht der Strom?

Und nun schlägt die Stun­de von Albert Duin: 18 TWh für 10 Mio. Elek­tro­au­tos: Glück­wunsch, rich­tig gerech­net – aller­dings erst in 10 Jah­ren! Die­se 18 TWh sind noch nicht mal 4% unse­res heu­ti­gen Strom­ver­brauchs. Der Aus­bau ist dann wohl zu schaf­fen (für alle Neu­gie­ri­gen, die es ganz genau wis­sen wol­len: Jan Hegen­berg hat sich hier des The­mas ange­nom­men – auf sei­ne unnach­ahm­li­che, sehr unter­halt­sa­me Wei­se. Und sogar Vah­ren­holt räumt ein: „Es über­rascht, wie wenig Strom man dann wirk­lich braucht“ – nur um dann mit dem Gleich­zei­tig­keits­pro­blem auf­zu­war­ten, wel­ches er anschei­nend sieht: "Alle ste­cken dann um 17 Uhr ein, wenn sie nach Hau­se kommen".
Ich for­mu­lie­re es mal so: wenn heu­te um 17 Uhr auf dem Heim­weg 10 Mio. Autos an den knapp 15.000 Tank­stel­len in Deutsch­land tan­ken wür­den: wie lang da wohl die Schlan­gen wären?
Ein ande­res Bei­spiel: wenn alle Men­schen in Deutsch­land mor­gens gleich­zei­tig den Toas­ter und die Kaf­fee­ma­schi­ne ein­schal­ten wür­den oder mit­tags den Elek­tro­herd oder den Back­ofen, wür­de das deut­sche Strom­netz zusam­men­bre­chen. Nur: es pas­siert nie!

Weder ist der Strom­be­darf von Elek­tro­au­tos ein per­spek­ti­vi­sches Pro­blem, noch ein etwai­ger Gleich­zei­tig­keits­ef­fekt beim Laden.

Sub­ven­tio­nen für Elektroautos

Nun öff­net Albert Duin die Büch­se der Pan­do­ra: Subventionen!
Sub­ven­tio­nier­te Elek­tro­au­tos sind für ihn ein Pro­blem? Wo war denn der Auf­schrei bei der Abwrack­prä­mie 2009 (die nach­weis­lich für die deut­sche Auto­mo­bil­in­dus­trie nix gebracht hat, wie man heu­te weiß)? Oder bei der eben­falls unsin­ni­gen, gera­de ein­ge­führ­ten LKW-Abwrack­prä­mie (die gibt's auch für neue Ver­bren­ner)?

Strom­im­por­te

Frank Hen­ning merkt an, dass es uns bei Import­strom völ­lig egal sei, wie der her­ge­stellt wird. Stimmt, das kann es auch: alle ande­ren Län­der der EU müs­sen – eben­so wie Deutsch­land – ihre Emis­sio­nen redu­zie­ren. Das bedeu­tet, auch dort wird der Strom zuneh­mend sauberer.
Zum The­ma Import­strom all­ge­mein: bis dato expor­tie­ren wir mehr Strom (aktu­ell 20 TWh p.a.), als wir impor­tie­ren. Dazu ein Aus­zug aus der entpre­chen­den Sta­tis­tik für das Jahr 2020:

Beim Außen­han­del mit Strom wur­den bis ein­schließ­lich Okto­ber 34,9 TWh zu einem Wert von 1,5 Mrd. Euro ein­ge­führt. Die Ausfuhr
lag bei 45,2 TWh und einem Wert von 2,05 Mrd. Euro. Im Sal­do ergibt sich für die ers­ten zehn Mona­te ein Export­über­schuss von 10,3
TWh und Ein­nah­men im Wert von 549 Mio. Euro. Ein­ge­führ­ter Strom kos­te­te durch­schnitt­lich 42,87 Euro/​MWh und ausgeführter
Strom 45,27 Euro/​MWh.

Grün­strom-Zer­ti­fi­ka­te

Das mit dem Zer­ti­fi­ka­te­han­del für grü­nen Strom (ob nun aus Island oder Nor­we­gen) stimmt lei­der. Ich hal­te das eben­falls auch für Betrug!
Hier­zu ein sehr guter Bei­trag des WDR zum Thema.

Aus­blick

Frank Hen­nig liegt da völ­lig rich­tig: wir brau­chen schnells­tens 30 – 40 GW Gas­kraft­wer­ke (das die­se nicht sehr teu­er sind, hat­te ich wei­ter oben bereits erläu­tert) – und natür­lich min­des­tens einen 3–4‑fachen Aus­bau erneu­er­ba­rer Energien.

Ratio­niert wer­den“ muss Strom m. W. nicht, aber wir brau­chen Demand Side Manage­ment (DSM). Was das genau bedeu­tet, ist auf die­ser Sei­te recht gut erklärt.
Das kann (und wird) sich auch über den Preis lösen. Das geht nicht nur in pri­va­ten Haus­hal­ten (die Ihre Wasch- oder Spül­ma­schi­ne in Schwach­last­zei­ten lau­fen las­sen, also wenn der Strom bil­lig ist). Auch in der Indus­trie ist das mög­lich: Lager für Zwi­schen­pro­duk­te sor­gen dafür, dass die­se eben­falls in Schwach­last­zei­ten pro­du­ziert wer­den können.

Der Last­ab­wurf bei Alu­mi­ni­um­hüt­ten ist übri­gens zeit­lich begrenzt (m. W. auf 3 Stun­den pro Tag). Die Gefahr einer ganz­tä­gi­gen Abschal­tung besteht also über­haupt nicht.

Unter dem Titel „Die Zukunft der Ener­gie­ver­sor­gung ist das Schlüs­sel­the­ma für das Chem­Del­ta Bava­ria“ dis­ku­tier­ten Ver­tre­ter der Initia­ti­ve Chem­Del­ta Bava­ria mit Wirt­schafts­mi­nis­ter Hubert Aiwan­ger und dem Vor­stand der Bay­ern­werk AG Dr. Egon West­phal und TENNET Chief Ope­ra­ting Offi­cer Tim Mey­er­jür­gens. Wei­te­re Ein­zel­hei­ten zu der Ver­an­stal­tung kön­nen die­ser Pres­se­mit­tei­lung ent­nom­men werden.

Von Albert Duin wird in die­sem Zusam­men­hang ein Strom­be­darf von „630 TWh pro Jahr“genannt, nur für das ChemDelta.
Es ist unklar, wo die­se Zahl her­kommt. Der VCI (Ver­band der Che­mi­schen Indus­trie) hat im Rah­men einer Stu­die einen Strom­be­darf für die gesam­te che­mi­sche Indus­trie von 680 TWh ermit­telt (das sind 630 TWh mehr als heu­te) – wohl­ge­merkt, in 2050.

Zum Abschluss noch ein wenig Selbst­be­weih­räu­che­rung von Duin: „Wir haben dafür gesorgt, dass…“. Ja, vie­les wur­de bereits err­reicht. Oft, weil Ver­bo­te ein­ge­führt wur­den (Bei­spie­le: Asbest, FCKW).
So oder so lau­tet nun die Her­aus­for­de­rung, Emis­sio­nen schnellst­mög­lich zu eliminieren.

Zum The­ma Tage­bau­se­en: Es mag sein, dass in irgend­wel­chen Braun­koh­le­gru­ben heu­te Was­ser drin ist. Wo das Was­ser für die rest­li­chen Gru­ben her­kom­men soll, ist jedoch hin­sicht­lich der Lau­sitz über­haupt nicht geklärt. Für das Rhei­ni­schen Revier ist das zwar geklärt, es dau­ert aller­dings sehr lang.

Fazit

Das For­mat lei­det sehr dar­un­ter, das die­se „Exper­ten­run­de“ eben nicht aus Exper­ten besteht. Dar­aus resul­tie­ren dann auch die auf­ge­zeig­ten Falsch­be­haup­tun­gen, Halb­wahr­hei­ten und Unge­nau­ig­kei­ten. Aber genau so erwar­tet man es auch von einem Stamm­tisch­ge­spräch, nicht wahr!?

Wie ver­mes­sen muss man eigent­lich sein, um ein wis­sen­schaft­li­ches The­ma mit Nicht-Wis­sen­schaft­lern erör­tern zu wol­len? Aber um eine sach­li­che, kor­rek­te Dar­stel­lung und Auf­klä­rung sei­nes Publi­kums geht es Roland Tichy auch gar nicht. Sein Fokus liegt ganz offen­sicht­lich auf dem Dis­kre­di­tie­ren der Ener­gie­wen­de. Das Trau­ri­ge dar­an: bei sei­ner übli­chen Kli­en­tel ver­fängt das ver­mut­lich sogar.

Link zum Video

Wer das You­Tube-Video mit eige­nen Augen sehen möch­te: Bit­te hier ent­lang.

Update vom 12. Okto­ber 2021

  • Link zum Video ans Ende des Bei­trags verschoben
  • Erläu­te­rung des Begriffs Voll­last­stun­den ein­ge­fügt (Tool­tip)
  • Abschnitt „Vah­ren­holt ver­steht den CO₂-Preis nicht“ über­ar­bei­tet (ver­ständ­li­cher formuliert)
  • Link zum BEHG

Update vom 14. Okto­ber 2021

  • Aus­füh­run­gen zu kli­ma­wan­del­be­ding­ten Leis­tungs­ein­schrän­kun­gen und Abschal­tun­gen von Kern­kraft­wer­ken präzisiert

Der Run­de Tisch Erneu­er­ba­re Ener­gien ist eine offe­ne Run­de mit Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern von Ver­ei­nen, Initia­ti­ven und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich regio­nal und bun­des­weit für 100% Erneu­er­ba­re Ener­gien (EE) bis spä­tes­tens 2030 einsetzen.
itcv hat die Web­site ener​gie​wen​de​-2030​.de für die Grup­pe erstellt.

Die Bedro­hun­gen für die Mensch­heit durch die Kli­ma­kri­se und die Bio­di­ver­si­täts­kri­se sind inzwi­schen all­ge­mein bekannt. Das gilt eben­so für deren Ursa­chen. Eine der Maß­nah­men, um die Erd­er­hit­zung zu begren­zen, ist die Umstel­lung des Ener­gie­sys­tems auf Erneu­er­ba­re Ener­gien. Der Run­de Tisch Erneu­er­ba­re Ener­gien (RT-EE) setzt sich dafür ein, dass dies mög­lichst schnell erfolgt.

Wir unter­stüt­zen die­se Idee und arbei­ten aktiv am RT-EE mit. Da lag es natür­lich nahe, dass die itcv GmbH auch die Web­site für den RT-EE erstellt.

Ziel­grup­pe und Zielsetzung

Wie bei jedem Web­site-Pro­jekt stand am Anfang die Fra­ge: Wen und was möch­te man mit der Web­site eigent­lich erreichen?
Auf­grund der geleis­te­ten Vor­ar­beit war dies recht schnell zu beant­wor­ten: ange­spro­chen wer­den sollen

  • Politiker:innen
  • Journalist:innen
  • NGOs, die aktiv am RT-EE mit­ar­bei­ten (wol­len)

Dabei sol­len die Politiker:innen dahin­ge­hend infor­miert und beein­flusst wer­den, poli­tisch eine mög­lichst schnel­le (Bürger-)Energiewende mög­lich zu machen, Journalist:inen sol­len dar­über berich­ten und NGO's zur akti­ven Mit­ar­beit moti­viert werden.

Die Online-Stra­te­gie

Einer klas­si­schen Online-Stra­te­gie (eige­ner Auf­tritt in den sozia­len Medi­en, etc.) wur­de hier bewusst eine Absa­ge erteilt: die ange­schlos­se­nen NGO's ver­fü­gen ja ihrer­seits bereits über ent­spre­chen­de Kanä­le, zudem ste­hen die für die Betreu­ung erfor­der­li­chen Res­sour­cen ein­fach nicht zur Verfügung.

Über die Web­site sol­len viel­mehr (nicht nur) den ange­schlos­se­nen NGOs und der Ziel­grup­pe Infor­ma­tio­nen in auf­be­rei­te­ter Form zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, wel­che die Ziel­er­rei­chung (sie­he oben) fördern.

Defi­ni­ti­on der Anforderungen

Auf Basis der vor­be­schrie­be­nen Infor­ma­tio­nen konn­ten wir nun dar­an gehen, die kon­kre­ten Anfor­de­run­gen zu defi­nie­ren. Dies betraf einer­seits die kon­kre­ten Inhal­te, aber auch das Design (zum Bei­spiel die Farb­ge­bung) sowie die User Jour­neys (Was „erlebt“ eine Per­son beim Besuch der Sei­te? Wie gelangt der Besu­cher zu der für ihn gedach­ten Information?).

Visu­el­les Design

Nach­dem wir die­se Para­me­ter mit dem Kun­den bespro­chen und abge­stimmt haben, konn­te es an das visu­el­le Design, also die eigent­li­che Imple­men­tie­rung der Web­site gehen.

Sofern Geheim­hal­tungs­an­for­de­run­gen dies zulas­sen (so auch in die­sem Fall), ver­wen­den wir für Ent­wür­fe spe­zi­el­le Sub­do­mains (Sta­ge-Domains). Die­se sind zwar frei zugäng­lich, aber nur dem jewei­li­gen Kun­den und uns bekannt („Secu­ri­ty by Obscu­ri­ty“). Sie wer­den zudem auch von kei­ner Such­ma­schi­ne besucht.

Far­ben

In Abstim­mung mit dem RT-EE haben wir die Web­site (wei­ßer Hin­ter­grund) in blau (Objek­ti­vi­tät, Neu­tra­li­tät und Klar­heit) und gelb, bzw. oran­ge (Son­ne, Licht und Wär­me) gehalten.
Da Oran­ge auch eine Signal­far­be ist, bot sich die Ver­wen­dung auch für Inter­ak­tio­nen des Besu­chers (But­tons, usw.).

Das Logo des RT-EE beinhal­tet übri­gens ein 360-Grad-Farb­rad. Inso­fern bestand hin­sicht­lich irgend­wel­cher Vor­ga­ben (ggf. vor­han­de­nes CI) auch kei­ner­lei farb­li­che Einschränkung.

Anord­nung der Inhalte

Obwohl von Anfang klar war, das nicht alle Infor­ma­tio­nen auf einer Sei­te („One-Pager“ oder auch „Sin­gle-Page-Design“) unter­ge­bracht wer­de kön­nen, haben wir dem Kun­den den­noch eine Start­sei­te emp­foh­len, auf der die Kern­in­for­ma­tio­nen unter­bracht sind:

  • Um was geht es?
  • Was sind die Kern­for­de­run­gen, um das Ziel zu erreichen?
  • Wer steckt dahinter?

Für den Bereich, der ohne zu scrol­len sicht­bar ist („Abo­ve the fold“), haben wir ein dyna­mi­sches Ele­ment (zen­tra­le For­de­rung, erklärt in zwei Sät­zen) vor­ge­schla­gen. Das Bild mit dem ers­ten Satz haben wir zudem als Vor­schau­bild hin­ter­legt, so das dies ver­wen­det wird, wenn immer jemand eine URL der Web­site in den sozia­len Medi­en teilt.

Am Ende der Sei­te befin­den sich die CTAs („Call-to-action“). Es bleibt dem Besu­cher über­las­sen, ob dieser

  • sich über die His­to­rie des RT-EE infor­mie­ren möchte
  • das Infor­ma­ti­ons­an­ge­bot („The­men") des RT-EE ein­se­hen möch­te oder
  • Kon­takt zum RT-EE auf­neh­men möchte

Das RT-EE-Blog: Das Infor­ma­ti­ons­an­ge­bot des RT-EE

Wie bereits wei­ter oben ange­deu­tet, sol­len auf der Web­site Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, wel­che das Ziel („100% erneu­er­ba­re Ener­gien bis 2030“) unter­stüt­zen. Die­se kön­nen dann von den ange­schlos­se­nen NGOs wei­ter­ver­brei­tet werden.

Hier­be­stand die Her­aus­for­de­rung dar­in, die­se Infor­ma­tio­nen zu struk­tu­rie­ren, bezie­hungs­wei­se zu gruppieren.
Nach inten­si­ver Dis­kus­si­on hat sich der RT-EE letzt­end­lich für eine Auf­tei­lung in vier Berei­che entschieden:

RT-EE - Themen

Zu jedem der vier The­men­be­rei­che exis­tie­ren Blog-Bei­trä­ge, die von RT-EE-Teil­neh­mern erstellt und gepflegt werden.

Kura­tier­te Inhalte

Bei den Bei­trä­gen han­del­tes sich in der Regel um kura­tier­te Inhal­te. Das bedeu­tet, dass lesens­wer­te Bei­trä­ge ande­rer Web­sei­ten zusam­men­ge­fasst, die Inhal­te gege­be­nen­falls ein­ge­ord­net und der so ent­stan­de­ne neue Bei­trag in Ver­bin­dung mit dem Link zum Ori­gi­nal-Bei­trag auf der RT-EE-Web­site ein­ge­stellt wird. Vor­aus­set­zung für das Gelin­gen ist Exper­ten­wis­sen und außer­dem jour­na­lis­ti­sches Geschick.
Bei den Ori­gi­nal-Bei­trä­gen kann es sich bei­spiels­wei­se um inter­es­san­te Fach­auf­sät­ze, Stu­di­en oder Geset­zes­ent­wür­fe han­deln. Abhän­gig vom The­ma ist es mit­un­ter sinn­voll, meh­re­re Ori­gi­nal-Bei­trä­ge zu einem The­men-Spe­cial zusammenzufassen.

Test­pha­se

Der RT-EE hat die zur Ver­fü­gung gestell­te Sub­do­main für aus­gie­bi­ge Tests genutzt. Wir haben dann die Ände­rungs­wün­sche und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge zeit­nah umgesetzt.

Pro­vi­der-Aus­wahl und Going Live

Nach­dem der Con­tent so weit vor­be­rei­tet war, haben wir uns um das Going-Live geküm­mert. Eine aus ver­ständ­li­chen Grün­den zen­tra­le Anfor­de­rung des RT-EE war, dass das Rechen­zen­trum, in dem die Domain gehos­tet wird, mit ech­tem Öko­strom (grü­nem Strom) ver­sorgt wird.
Unse­re Emp­feh­lung war hier die Doga­do GmbH, da einer­seits die­se zen­tra­le Anfor­de­rung erfüllt wird (das betref­fen­de Rechen­zen­trum bezieht sei­nen Strom von der Bay­Wa r.e., einem welt­weit füh­ren­der Anbie­ter von Lösun­gen im Bereich der Erneu­er­ba­ren Ener­gien) und zudem auch ein 24/​7‑Support (also „rund um die Uhr“) zur Ver­fü­gung steht.

 


Der Kun­de ist unse­rem Vor­schlag ger­ne gefolgt. Somit stand einem Going-Live zum Jah­res­be­ginn nicht mehr im Wege!

Fazit

Das Pro­jekt ener​gie​wen​de​-2030​.de wur­de ent­spre­chend dem itcv-Pro­jekt­leit­fa­den für Web­site-Gestal­tung realisiert.

Durch den stän­di­gen Infor­ma­ti­ons­aus­tausch zwi­schen Auf­trag­ge­ber und Auf­trag­neh­mer sowie der zei­ti­gen Bereit­stel­lung einer Sta­ge-Domain konn­te das Pro­jekt zügig rea­li­siert wer­den. Der gesteck­te Zeit­rah­men wur­de eingehalten.

Und was meint der Kun­de dazu?

Wir sind sehr froh, in Herrn Vos­kuhl einen Mit­strei­ter gefun­den zu haben, der uns mit sei­ner kon­struk­ti­ven Her­an­ge­hens­wei­se, ver­bun­den mit den rich­ti­gen Fra­ge­stel­lun­gen, zu einer Web­site geführt hat, die unse­ren Vor­stel­lun­gen ent­spricht. Die Web­site trans­por­tiert exakt die Bot­schaf­ten, die wir Besu­chern ver­mit­teln wollen.

Die Ener­gie­wen­de ist der Dreh- und Angel­punkt, wenn es um den Erfolg oder Miss­erfolg bei der Bewäl­ti­gung der Kli­ma­kri­se geht. Gemein­sam mit Dir kön­nen wir den vom Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um vor­ge­leg­ten Ent­wurf für die Novel­lie­rung des Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Geset­zes (EEG-Novel­le 2021) ver­hin­dern. Denn die­ser reicht bei Wei­tem nicht aus, um die drin­gend not­wen­di­ge Ener­gie­wen­de vor­an­zu­trei­ben. Unter ande­rem wer­den erneut der beschleu­nig­te Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien und Inves­ti­tio­nen in nach­hal­ti­ge Tech­no­lo­gien suk­zes­si­ve ausgebremst.

Energiewende EEG 2021

Eine erfolg­rei­che Ener­gie­wen­de kann es nur mit einer dezen­tra­len Bürger:innenenergie geben. Ins­be­son­de­re Bürger:innen tra­gen heu­te schon aller­orts in Deutsch­land zur Ener­gie­wen­de mit PV-Klein­an­la­gen bei. Mehr als ein Drit­tel aller Eigentümer:innen von Erneu­er­ba­ren Ener­gie-Anla­gen sind Pri­vat­per­so­nen, die auch bereit sind, das Poten­zi­al der Erneu­er­ba­ren Ener­gien wei­ter aus­zu­schöp­fen. Alle For­de­run­gen dazu fin­dest Du hier.

Die Novel­le soll noch in die­sem Jahr ver­ab­schie­det wer­den. Doch noch ist es nicht zu spät, um das EEG zu ret­ten! Wir kön­nen die Parlamentarier:innen umstim­men. Es liegt an jeder:m Ein­zel­nen von uns, die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten an das Ver­spre­chen aus dem Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men zu erin­nern. For­dern wir sie auf, uns und den nach­fol­gen­den Genera­tio­nen eine kli­ma­si­che­re Zukunft zu ermög­li­chen – auch dank eines star­ken EEGs!

Wie das geht? Mach mit bei der Akti­on von Ger­man­Ze­ro und schreib Dei­nen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten hier eine Mail.

Vie­len Dank für Dei­ne Unterstützung!

Eigent­lich ist die Sache so ein­fach wie klar: Um die Aus­wir­kun­gen den men­schen­ge­mach­ten Anteils am Kli­ma­wan­del zu mini­mie­ren, müs­sen wir sämt­li­che fos­si­len Brenn­stof­fe im Boden las­sen. Und das bes­ser schon ab heu­te als ab morgen.
War­um ist das also nicht schon längst pas­siert? Und wie kön­nen wir dafür sor­gen, dass es passiert?

Wei­ter­le­sen

Deutsch­land hat den zweit­höchs­ten Strom­preis in Europa.
In die­sem Bei­trag stel­len wir Ihnen zwei Kos­ten­trei­ber vor und erklä­ren Ihnen, war­um – außer dem End­ver­brau­cher, der das bezah­len muss – kei­ner der Betei­lig­ten Prot­ago­nis­ten ein wirt­schaft­li­ches Inter­es­se dar­an hat, das zu ändern. Dar­über hin­aus ler­nen Sie sinn­vol­le Abhil­fe­maß­nah­men ken­nen und erfah­ren, war­um es auch damit nicht vor­an geht. 

Wei­ter­le­sen

Eigent­lich ist die Sache klar: Die Ener­gie­wen­de ist dezen­tral. Das sieht auch die Euro­päi­sche Uni­on (EU) so.

Klar, das ist nicht im Inter­es­se der gro­ßen Ener­gie­ver­sor­ger, den Big4 (E.ON, RWE, EnBW und Vat­ten­fall). Und natür­lich eben­so wenig im Inter­es­se ihrer zahl­rei­chen Toch­ter­un­ter­neh­men wie bei­spiels­wei­se epri­mo oder Yello: schließ­lich ver­kau­fen alle genann­ten Unter­neh­men durch die dezen­tra­le Ener­gie­ver­sor­gung ("Bür­ger­en­er­gie") weni­ger Strom.

Aber wie sehen die von uns gewähl­ten Volks­ver­tre­ter das eigent­lich? Bege­ben wir uns gemein­sam auf die Suche nach Indizien.

Bundesregierung

Sie inter­es­sie­ren sich nicht für die Details? Dann lesen Sie doch gleich mein Fazit!

Um zu der Erkennt­nis zu gelan­gen, dass die EU die dezen­tra­le Ener­gie­wen­de befür­wor­tet, muss man ledig­lich einen Blick in die am 11. Dezem­ber 2018 erlas­se­ne Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Richt­li­nie (EERL) wer­fen. Dar­in heißt es bei­spiels­wei­se bereits in der Begrün­dung in Punkt 65:

Mit dem Über­gang zur dezen­tra­li­sier­ten Ener­gie­pro­duk­ti­on sind vie­le Vor­tei­le ver­bun­den, bei­spiels­wei­se die Nut­zung vor Ort ver­füg­ba­rer Ener­gie­quel­len, eine bes­se­re loka­le Ener­gie­ver­sor­gungs­si­cher­heit, kür­ze­re Trans­port­we­ge und gerin­ge­re über­tra­gungs­be­ding­te Ener­gie­ver­lus­te. Die­se Dezen­tra­li­sie­rung wirkt sich auch posi­tiv auf die Ent­wick­lung und den Zusam­men­halt der Gemein­schaft aus, weil vor Ort Erwerbs­quel­len und Arbeits­plät­ze entstehen. 

Anschei­nend teilt die Bun­des­re­gie­rung die­se Ein­schät­zung aber nicht. Wie sonst ist es zu erklä­ren, dass der Aus­bau der dezen­tra­len Ener­gie­pro­duk­ti­on durch deut­sche Geset­ze behin­dert wird? Poten­zi­el­len Inves­to­ren wer­den stän­dig Knüp­pel zwi­schen die Bei­ne gewor­fen, bei­spiels­wei­se durch kom­pli­zier­te Geset­ze und Richt­li­ni­en, durch Beschrän­kun­gen sowie eine unnö­ti­ge Redu­zie­rung der Rendite.

Immer noch nicht besei­tigt: Die „Son­nen­steu­er“

Ein Bei­spiel für eine sol­che Ertrags­schmä­le­rung ver­birgt sich etwa im EEG § 61: Letzt­ver­brau­cher müs­sen dem­zu­fol­ge auch für selbst erzeug­ten und selbst ver­brauch­ten Strom EEG-Umla­ge zah­len, sofern die Anla­gen­grö­ße 10 kW über­schrei­tet. Zur Ein­ord­nung: Die­se Anla­gen­grö­ße ist bereits bei Ein­fa­mi­li­en­häu­sern sinn­voll, wenn auch das E‑Auto mit PV-Strom gela­den wer­den soll.

Gebüh­ren für selbst erzeug­ten Strom, den ich selbst ver­brau­che? Da könn­te man ja eben­so gut selbst ange­bau­tes Obst und Gemü­se besteu­ern, wel­ches ich selbst ver­zeh­re. Klingt unsin­nig? Ist es auch!

Außer dem gesun­den Men­schen­ver­stand steht dem auch die bereits erwähn­te EERL ein­deu­tig ent­ge­gen: Gemäß Art. 21 haben die Mit­glied­staa­ten dafür zu sor­gen, dass „Eigen­ver­sor­ger im Bereich erneu­er­ba­re Elek­tri­zi­tät indi­vi­du­ell oder über Aggre­ga­to­ren berech­tigt sind, … erneu­er­ba­re Ener­gie ein­schließ­lich für die Eigen­ver­sor­gung zu erzeu­gen …, ohne dass die eigen­erzeug­te Elek­tri­zi­tät aus erneu­er­ba­ren Quel­len, die an Ort und Stel­le ver­bleibt, dis­kri­mi­nie­ren­den oder unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ver­fah­ren und jeg­li­chen Abga­ben, Umla­gen oder Gebüh­ren unter­wor­fen ist“. Mit ande­ren Wor­ten: Die EEG-Umla­ge für eigen­erzeug­ten Strom ist gemäß EU-Recht nicht zulässig.

Die Anfor­de­run­gen der EERL müs­sen bis zum 30. Juni 2021 in natio­na­les Recht umge­setzt werden.

Die Anfor­de­run­gen der EERL müs­sen in natio­na­les Recht umge­setzt wer­den. Dafür gibt es sogar eine Dead­line, näm­lich den 30. Juni 2021.
Die EERL stammt aus dem Dezem­ber 2018, heu­te sind wir also mehr als 18 Mona­te wei­ter. Zudem steht eine Ände­rung des EEG ohne­hin gera­de an. Da drängt sich die Fra­ge auf, war­um die Bun­des­re­gie­rung die „Son­nen­steu­er“ nicht schon mit der aktu­ell anste­hen­den EEG-Novel­le abschafft?

Hick-Hack um den Solardeckel

Der soge­nann­te Solar­de­ckel ver­hin­dert die Ver­gü­tung (För­de­rung) von ein­ge­speis­tem Strom aus PV-Anla­gen, sobald die Leis­tung aller instal­lier­ten und gemäß EEG geför­der­ten PV-Anla­gen 52 GW über­schrei­tet. Die­se 52 GW wer­den in den nächs­ten Mona­ten erreicht.

Bereits im Sep­tem­ber 2019 hat die Bun­des­re­gie­rung beschlos­sen, die­se Rege­lung ersatz­los abzu­schaf­fen. Pas­siert ist bis heu­te jedoch – nichts. Unge­ach­tet der stän­di­gen, fast Man­tra-arti­gen Wie­der­ho­lun­gen des Beschlus­ses und der ent­spre­chen­den Beteue­run­gen: Die Abschaf­fung des Solar­de­ckels ist bis heu­te nicht im Bun­des­ge­setz­blatt veröffentlicht.

Die inzwi­schen seit über einem hal­ben Jahr unge­klär­te Situa­ti­on stellt im Ergeb­nis eine erheb­li­che Inves­ti­ti­ons­bar­rie­re dar!

Die­se inzwi­schen seit über einem hal­ben Jahr unge­klär­te Situa­ti­on stellt im Ergeb­nis eine erheb­li­che Inves­ti­ti­ons­bar­rie­re dar: Bevor jemand eine Inves­ti­ti­on für bei­spiels­wei­se eine Dach-PV-Anla­ge tätigt, will die­ser Jemand berech­tig­ter­wei­se deren Wirt­schaft­lich­keit beur­tei­len können.
Das ist aber nicht mög­lich, wenn unklar ist, wie mit dem nicht selbst­ge­nut­zem Strom ver­fah­ren wird, also ob und wel­che Ver­gü­tung dafür in Ansatz gebracht wer­den kann.

Aber selbst wenn der 52-GW-Deckel nun end­lich abge­schafft wür­de, ist das nächs­te Pro­blem bezüg­lich des PV-Aus­baus bereits am Hori­zont sicht­bar: die Rede ist vom "atmen­den Deckel", der Absen­kung der Ein­spei­se­ver­gü­tung in Abhän­gig­keit des PV-Zubaus (EEG, § 49).
Ent­spre­chen­den Zubau vor­aus­ge­setzt, ist ein wirt­schaft­li­cher Betrieb von vor­wie­gend netz­ein­spei­sen­den PV-Anla­gen dann wohl nicht mehr möglich.

Das Mie­ter­strom­ge­setz hat Mie­ter­strom eher kom­pli­zier­ter gemacht

Immer dann, wenn Besit­zer und aus­schließ­li­cher Nut­zer einer Immo­bi­lie iden­tisch sind, ist die För­de­rung erneu­er­ba­rer Ener­gien im EEG gere­gelt. Das gilt für das pri­va­te Ein­fa­mi­li­en­haus eben­so wie für ein Gewerbeobjekt.
Aber was pas­siert, wenn Gebäu­de­tei­le ver­mie­tet sind, es also meh­re­re Nut­zer gibt? Dazu zählt bei­spiels­wei­se jedes Mehr­fa­mi­li­en­haus. Wie kön­nen sowohl Ver­mie­ter als auch Mie­ter von einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf dem Dach des Gebäu­des pro­fi­tie­ren? Wie wird der damit erzeug­te Mie­ter­strom abge­rech­net? Wel­che Umla­gen sind dafür zu entrichten?
Das alles wird seit 2017 im Mie­ter­strom­ge­setz gere­gelt, wel­ches den Bau von PV-Anla­gen auf den Dächern von Miets­häu­sern ver­ein­fa­chen soll – eigentlich.

Von „ein­fach“ kann näm­lich abso­lut kei­ne Rede sein! Ein For­schungs­pro­jekt hat dies unter­sucht und doku­men­tiert („Zukunfts­feld Mie­ter­strom­mo­del­le: Poten­tia­le von Mie­ter­strom in Deutsch­land mit einem Fokus auf Bür­ger­en­er­gie“).
Das For­scher­team schreibt in sei­ner Zusam­men­fas­sung: „Der Ent­fal­tung die­ser all­ge­mei­nen Poten­tia­le von Mie­ter­strom ste­hen aller­dings eini­ge hem­men­de Fak­to­ren im Wege. Dazu gehört an ers­ter Stel­le die Kom­ple­xi­tät durch die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen, die durch das Mie­ter­strom­ge­setz teil­wei­se sogar noch erhöht wor­den ist.
In der Pra­xis füh­ren fer­ner eine feh­len­de Ein­heit­lich­keit bzw. Stan­dar­di­sie­rungs­pro­ble­me dazu, dass die Wirt­schaft­lich­keit von Mie­ter­strom­pro­jek­ten häu­fig unklar ist.
Unter tech­ni­schen Gesichts­punk­ten bestehen beson­ders gro­ße Her­aus­for­de­run­gen beim Mess­kon­zept und Abrech­nungs­sys­tem, die eine ein­fa­che und schnel­le Umset­zung von Mie­ter­strom­pro­jek­ten behin­dern.

Die Wis­sen­schaft wird auch von der Pra­xis unterstützt

Dies wird auch durch prak­ti­sche Erfah­run­gen in mei­nem direk­ten Umfeld bestä­tigt. So schreibt mir ein per­sön­lich bekann­ter (pri­va­ter) Immo­bi­li­en-Inves­tor (ihm gehö­ren fünf Objekte):
Nach dem Bau von 5 PV-Anla­gen bin ich mir ganz sicher, dass das ‚von oben‘ nicht gewünscht ist. Denn sonst hät­te ich irgend­wie För­de­rung und nicht nur Wider­stand erfahren.
Wenn eine geneh­mi­ge Anla­ge beim Netz­be­trei­ber als ‚fer­tig‘ gemel­det wur­de, dann dau­er­te es 3–6 Mona­te bis ein bidi­rek­tio­na­ler Zäh­ler gesetzt war, der auch die Ein­spei­sung misst.
An den zustän­di­gen Netz­be­trei­ber muss ich wegen der EEG-Umla­ge genau die glei­chen Pro­gno­sen und Abrech­nun­gen lie­fern wie zum Bei­spiel RWE. Das schaf­fen sicher nur weni­ge Solo­künst­ler [Anm. des Autors: der Mann ist Elek­tro­in­ge­nieur].
Und last but not least: even­tu­ell ent­ste­hen­de Gewin­ne wer­den ganz sicher durch die Not­wen­dig­keit einer Fir­ma mit Zwang eines Steu­er­be­ra­ters auf­ge­fres­sen.

Nur die Spit­ze des Eisbergs

Das waren nur drei Bei­spie­le für Hemm­nis­se der dezen­tra­len Ener­gie­wen­de, ins­be­son­de­re dem Aus­bau von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen durch deut­sche Geset­ze. Im Rah­men die­ses Bei­trags wol­len wir es zuguns­ten ande­rer The­men­be­rei­che dabei belassen.
Vie­le wei­te­re Bei­spie­le hat die Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft Ber­lin (htw) im Rah­men des For­schungs­pro­jekts PV2City gesam­melt. Die­se Sei­te ent­hält eine kur­ze Ein­füh­rung in das The­ma sowie einen Down­load-Link der von der For­schungs­grup­pe rund um Prof. Vol­ker Qua­sch­ning zusam­men­ge­stell­ten Liste.

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Das Koh­le­aus­stiegs­ge­setz: Doch eher ein KohleEINstiegsgesetz?

Die­ses Gesetz, wel­ches der­zeit als Ent­wurf vor­liegt und noch vor der Som­mer­pau­se vom Bun­des­tag beschlos­sen wer­den soll, dient "zur Redu­zie­rung und zur Been­di­gung der Koh­le­ver­stro­mung" – zumin­dest der Über­schrift nach. Das Gesetz hat es jedoch bin sich!

Koh­le­aus­stiegs­ge­setz: der Name ist ein klas­si­scher Fall von Etikettenschwindel

Gemäß § 42 des Gesetz­ent­wurfs möch­te die Bun­des­re­gie­rung sämt­li­che Rege­lun­gen mit den Betrei­bern von Braun­koh­le­an­la­gen, bezie­hungs­wei­se Braun­koh­le­ta­ge­bau­un­ter­neh­men in einen öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag aus­la­gern. Damit wären ent­spre­chen­de Rege­lun­gen nicht öffent­lich ein­seh­bar (damit haben wir bei­spiels­wei­se im Zusam­men­hang mit Andre­as Scheu­ers Maut­ver­trä­gen schon schlech­te Erfah­run­gen gemacht).

Eben­falls möch­te die Bun­des­re­gie­rung in die­sem Ver­trag die „ener­gie­wirt­schaft­li­chen Not­wen­dig­keit des Tage­baus Garz­wei­ler“ fest­stel­len. Zur Klar­stel­lung: damit wür­de die Braun­koh­le­för­de­rung und ‑ver­stro­mung durch die RWE AG für wei­te­re 18(!) Jah­re fest­ge­schrie­ben, und zwar unabänderlich!
Hier wäre es sehr span­nend zu erfah­ren, wor­in genau die Not­wen­dig­keit denn begrün­det liegt? Gibt es dazu ein Gut­ach­ten (Äußerungen/​Einschätzungen sei­tens RWE zäh­len aus mei­ner Sicht NICHT dazu!)? Oder ist die­se Fest­stel­lung am Ende nur poli­tisch motiviert?
Mir liegt jeden­falls ein Gut­ach­ten vor, wel­ches dem wider­spricht! Ein­zel­hei­ten dazu auf die­ser Sei­te.

Und dann sind da ja auch noch die Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen: 2,6 Mil­li­ar­den Euro für Braun­koh­le­an­la­gen im Rhein­land und 1,75 Mil­li­ar­den Euro für die Braun­koh­le­an­la­gen in der Lausitz.
Dazu heißt es, dass die­se „für die Deckung der Kos­ten der Rekul­ti­vie­rung und Wie­der­nutz­bar­ma­chung der Tage­baue und aller Tage­bau­fol­ge­kos­ten“ ver­wen­det wer­den sollen.

Jeder, der einen Scha­den ver­ur­sacht, hat die­sen auch wie­der zu besei­ti­gen – und zwar ohne dafür irgend­ei­ne Ent­schä­di­gung zu erhalten.

Aber ver­steht es sich nicht von selbst, dass ich einen Scha­den, den ich ange­rich­tet habe, wie­der besei­ti­ge? Und zwar ohne dafür eine Ent­schä­di­gung zu erhalten!

Wie lan­ge ist der Betrieb von Koh­le­kraft­wer­ken noch wirtschaftlich?

Eine Kom­po­nen­te, aus der sich die genann­ten Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen berech­nen, ist der durch die vor­zei­ti­ge Abschal­tung zu erwar­ten­de Ertrags­aus­fall für die betrof­fe­nen Unternehmen.

Nach Berech­nun­gen vom Ramez Naam, einem aner­kann­ten Exper­ten für Ener­gie und Umwelt, wer­den die Kos­ten für den Neu­bau eines Solar­parks deut­lich vor Ablauf der 18 Jah­re unter die Kos­ten fal­len, die beim Wei­ter­be­trieb eines bestehen­den fos­si­len Kraft­werks ent­ste­hen (s. nach­fol­gen­de Grafik).

Zukünftige Kosten Solarprojekte bis 2050

Bei den Betriebs­kos­ten sind inner­halb der EU zusätz­lich die Kos­ten für die erfor­der­li­chen Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te zu berück­sich­ti­gen. Die nach­fol­gen­de Gra­fik zeigt die Preis­ent­wick­lung der ETS-Zer­ti­fi­ka­te (€/​tCO₂) in den letz­ten Jah­ren (blaue Linie, Quel­le).

Preisverlauf Überschüsse ETS-Zertifikate
Zur bes­se­ren Ein­ord­nung: Ein Braun­koh­le­kraft­werk erzeugt bei der Koh­le­ver­stro­mung etwa 1,2 tCO₂/​MWh (Berech­nungs­grund­la­ge: Ver­bren­nung Braun­koh­le = 0,41 kgCO₂ /​ kWh, angen. Wir­kungs­grad Kraft­werk 35% => 1,17 tCO₂ /​ MWh).

Unterm Strich ist also davon aus­zu­ge­hen, dass RWE & Co. ihre zuneh­mend unren­ta­blen Kraft­wer­ke noch vor 2030 von ganz allei­ne abschal­ten würden.

Ver­schär­fung der Schadstoffgrenzwerte

Spä­tes­tens ab Juli 2021 (Ende der Umset­zungs­frist in natio­na­les Recht) gel­ten gemäß den EU-Vor­ga­ben zu Schad­stoff­grenz­wer­ten für Groß­feue­rungs­an­la­gen („BREF-Richt­li­nie“) stren­ge­re Grenz­wer­te für Stick­stoff­oxid, Queck­sil­ber und Ruß­par­ti­kel (das Mit­glieds­land Deutsch­land hat übri­gens gegen die Ver­schär­fung der Grenz­wer­te gestimmt). Die wenigs­ten Kraft­wer­ke ent­spre­chen die­sen Vorgaben.
Hier stellt sich im Ein­zel­fall also die Fra­ge, ob ein ent­spre­chen­der Umbau tech­nisch über­haupt mög­lich ist und wenn ja, ob die­ser auch wirt­schaft­lich sinn­voll ist. Im Ergeb­nis wer­den vie­le Koh­le­kraft­wer­ke in Euro­pa schlie­ßen müs­sen, dar­un­ter auch in Deutschland.

Aus dem begrenz­ten Zeit­raum, in dem ein Koh­le­kraft­werk noch wirt­schaft­lich betrie­ben wer­den kann und vor dem Hin­ter­grund der ab Mit­te nächs­ten Jah­res ver­schärf­ten Bestim­mun­gen der BREF-Richt­li­nie ergibt sich, dass die Höhe der vor­ge­se­he­nen Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen min­des­tens frag­wür­dig ist.

Die Bun­des­re­gie­rung soll­te des­halb die Zeit bis zur Ver­ab­schie­dung des Koh­le­aus­stiegs­ge­set­zes sinn­voll nut­zen und an ver­schie­de­nen Stel­len nachbessern.

Schaf­fung neu­er Geschäfts­mo­del­le für Netzbetreiber

Es liegt auf der Hand, dass Ver­brau­cher bei zuneh­men­dem dezen­tra­len Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien immer weni­ger Strom von ihrem Ver­sor­ger beziehen.
Der groß­flä­chi­ge Ein­bau loka­ler Spei­cher (egal ob Bat­te­rie, E‑Auto oder Brenn­stoff­zel­le) wäre ver­mut­lich sogar der Todes­stoß für die eta­blier­ten Kon­zer­ne: Die Eigen­ver­brauchs­quo­te wür­de signi­fi­kant stei­gen, es lie­ßen sich noch­mals deut­lich weni­ger Kilo­watt­stun­den an die Ver­brau­cher verkaufen.

Die Geschäfts­mo­del­le der Big4 und der Netz­be­trei­ber wer­den also zukünf­tig in ihrer bis­he­ri­gen Form nicht mehr funk­tio­nie­ren – also müs­sen neue her! Außer den betrof­fe­nen Unter­neh­men weiß das natür­lich auch die Bun­des­re­gie­rung – und springt den Unter­neh­men hel­fend zur Seite.

Gut­ach­ten „Baro­me­ter Digi­ta­li­sie­rung der Energiewende“

Nur weni­gen ist das genann­te Gut­ach­ten bekannt, selbst Fach­leu­te aus dem Bereich erneu­er­ba­re Ener­gien haben kaum von die­sem Gut­ach­ten gehört. Der Name klingt ja auch zunächst recht unverfänglich.
ABER: Im Kern geht es dar­um, Eigen­ver­sor­gung zukünf­tig zu ver­hin­dern, und zwar durch eine neue Netz­ent­gelt­sys­te­ma­tik (hohe Grund­prei­se, nied­ri­ge Arbeitspreise).
Klaus Ober­zig hat das hier bereits ganz her­vor­ra­gend ana­ly­siert, daher spa­re ich mir die Mühe an die­ser Stelle.

Die Bun­des­netz­agen­tur als Erfüllungsgehilfe

Das vor­ge­nann­te Baro­me­ter-Gut­ach­ten ent­hält Vor­schlä­ge bezüg­lich einer neu­en Netzentgeltsystematik.

Die Netz­ent­gelt­sys­te­ma­tik ist das Fun­da­ment wel­ches not­wen­dig ist, um zu ver­hin­dern, dass Ver­brau­cher von der dezen­tra­len Ener­gie­wen­de profitieren.

Dar­auf auf­bau­end ver­setzt die Bun­des­netz­agen­tur der Eigen­ver­sor­gung dann den Todes­stoß, näm­lich mit ihrem Doku­ment „Markt­in­te­gra­ti­on aus­ge­för­der­ter und neu­er Pro­su­mer-Anla­gen“ (bezie­hungs­wei­se den dar­in ent­hal­te­nen Lösungsvorschlägen).

Pro­su­mer sind alle Strom­ver­brau­cher, die gleich­zei­tig auch Strom­erzeu­ger sind.
Alle drei im Doku­ment vor­ge­stell­ten Pro­su­mer-Model­le basie­ren auf der Grund­la­ge, dass der Netz­be­trei­ber den vom Pro­su­mer erzeug­ten Strom zunächst kom­plett abnimmt. Dafür braucht es gegen­über dem Zustand heu­te einen zusätz­li­chen Zäh­ler, wel­cher die gesam­te Men­ge erzeug­ter erneu­er­ba­rer Ener­gie zählt.
Der Pro­su­mer muss anschlie­ßend sei­nen kom­plet­ten(!) Ver­brauch vom Netz­be­trei­ber kaufen.
Beson­ders anschau­lich dar­ge­stellt wird das auf den letz­ten drei Sei­ten des Doku­ments, in denen mit kon­kre­ten Zah­len­bei­spie­len gear­bei­tet wird.

Zwei Erkennt­nis­se daraus:

  • Über eine Ver­än­de­rung der Para­me­trie­rung (u. A. monat­li­cher Grund­preis, Abnah­me­preis, Bezugs­preis) lässt sich zen­tral (also durch den Netz­be­trei­ber) steu­ern, inwie­weit Eigen­ver­brauch über­haupt noch wirt­schaft­lich ist.
  • Loka­le Spei­cher (Brenn­stoff­zel­le, E‑Auto, …) kom­men in den drei vor­ge­stell­ten Model­len über­haupt nicht vor. Bei der Beschrei­bung der „Lie­fe­ran­ten-Opti­on“ ist sogar die Rede davon, dass wegen der „sym­me­tri­schen Beprei­sung von Ein­spei­sung und Netz­be­zug das Netz für den Pro­su­mer wie ein unbe­grenz­ter Spei­cher wirkt“. Klingt doch toll, also kei­nen loka­len Spei­cher bau­en, bezie­hungs­wei­se nut­zen, oder?
    Die Haken an der Sache:
    • Über den zusätz­li­chen Zäh­ler unmit­tel­bar an der Erzeu­gungs­an­la­ge (zum Bei­spiel PV-Anla­ge) weiß der Netz­be­trei­ber in jedem Fall, wie viel Ener­gie erzeugt wur­de – unab­hän­gig davon, ob die­se nun ins Netz ein­ge­speist oder zunächst lokal gespei­chert wird. Die­se Infor­ma­ti­on lässt sich her­vor­ra­gend zum Opti­mie­ren der Para­me­trie­rung ver­wen­den – natür­lich ganz im Sin­ne des Netzbetreibers.
    • Über den monat­li­chen Basis­preis, der "pro kW" gezahlt wird, kann der Lie­fe­rant sehr prä­zi­se steu­ern, wie viel Geld der Pro­su­mer zu zah­len hat – selbst wenn er 100% Eigen­ver­brauch hätte.

Nicht über­ra­schend:  dage­gen gibt es bereits ers­te Pro­tes­te.

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Fazit

  • Die Bun­des­re­gie­rung mit ihren nach­ge­la­ger­ten Minis­te­ri­en und Behör­den ver­hin­dert, bezie­hungs­wei­se ver­zö­gert die dezen­tra­le Ener­gie­wen­de, wo immer sich die Mög­lich­keit bietet.
  • Sie schützt und unter­stützt die bis­he­ri­gen Geschäfts­mo­del­le der Big4, wo immer sie kann und so lan­ge dies mög­lich ist.
  • Die Bun­des­re­gie­rung schafft bereits jetzt die Grund­la­ge für neue Ein­nah­me­quel­len der Big4 und der Netz­be­trei­ber, da das bis­he­ri­ge Vor­ge­hen schon allein wegen der EU-Gesetz­ge­bung nicht mehr lan­ge in der jet­zi­gen Form fort­ge­führt wer­den kann.
Wei­ter­füh­ren­de Literatur

Bun­des­re­gie­rung: Kli­ma­schutz­pro­gramm 2030 der Bun­des­re­gie­rung zur Umset­zung des Kli­ma­schutz­plans 2050

Clea­ring­stel­le EEGKWKG: Richt­li­nie (EU) 20182001 – Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Richt­li­nie (EERL)

Solar­ser­ver: Markt­be­fra­gung: 52-GW-Deckel ist Inves­ti­ti­ons­bar­rie­re für Photovoltaik

Pres­se­mit­tei­lung von Par­ents For Future: Koh­le­aus­stiegs­ge­setz mutiert zum Kli­ma- und Wirtschaftskiller!

ener­ga­te mes­sen­ger 04/​2017: EU ver­schärft Stan­dards für Kraftwerksemissionen