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Der Run­de Tisch Erneu­er­ba­re Ener­gien ist eine offe­ne Run­de mit Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern von Ver­ei­nen, Initia­ti­ven und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich regio­nal und bun­des­weit für 100% Erneu­er­ba­re Ener­gien (EE) bis spä­tes­tens 2030 einsetzen.
itcv hat die Web­site ener​gie​wen​de​-2030​.de für die Grup­pe erstellt.

Die Bedro­hun­gen für die Mensch­heit durch die Kli­ma­kri­se und die Bio­di­ver­si­täts­kri­se sind inzwi­schen all­ge­mein bekannt. Das gilt eben­so für deren Ursa­chen. Eine der Maß­nah­men, um die Erd­er­hit­zung zu begren­zen, ist die Umstel­lung des Ener­gie­sys­tems auf Erneu­er­ba­re Ener­gien. Der Run­de Tisch Erneu­er­ba­re Ener­gien (RT-EE) setzt sich dafür ein, dass dies mög­lichst schnell erfolgt.

Wir unter­stüt­zen die­se Idee und arbei­ten aktiv am RT-EE mit. Da lag es natür­lich nahe, dass die itcv GmbH auch die Web­site für den RT-EE erstellt.

Ziel­grup­pe und Zielsetzung

Wie bei jedem Web­site-Pro­jekt stand am Anfang die Fra­ge: Wen und was möch­te man mit der Web­site eigent­lich erreichen?
Auf­grund der geleis­te­ten Vor­ar­beit war dies recht schnell zu beant­wor­ten: ange­spro­chen wer­den sollen

  • Politiker:innen
  • Journalist:innen
  • NGOs, die aktiv am RT-EE mit­ar­bei­ten (wol­len)

Dabei sol­len die Politiker:innen dahin­ge­hend infor­miert und beein­flusst wer­den, poli­tisch eine mög­lichst schnel­le (Bürger-)Energiewende mög­lich zu machen, Journalist:inen sol­len dar­über berich­ten und NGO's zur akti­ven Mit­ar­beit moti­viert werden.

Die Online-Stra­te­gie

Einer klas­si­schen Online-Stra­te­gie (eige­ner Auf­tritt in den sozia­len Medi­en, etc.) wur­de hier bewusst eine Absa­ge erteilt: die ange­schlos­se­nen NGO's ver­fü­gen ja ihrer­seits bereits über ent­spre­chen­de Kanä­le, zudem ste­hen die für die Betreu­ung erfor­der­li­chen Res­sour­cen ein­fach nicht zur Verfügung.

Über die Web­site sol­len viel­mehr (nicht nur) den ange­schlos­se­nen NGOs und der Ziel­grup­pe Infor­ma­tio­nen in auf­be­rei­te­ter Form zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, wel­che die Ziel­er­rei­chung (sie­he oben) fördern.

Defi­ni­ti­on der Anforderungen

Auf Basis der vor­be­schrie­be­nen Infor­ma­tio­nen konn­ten wir nun dar­an gehen, die kon­kre­ten Anfor­de­run­gen zu defi­nie­ren. Dies betraf einer­seits die kon­kre­ten Inhal­te, aber auch das Design (zum Bei­spiel die Farb­ge­bung) sowie die User Jour­neys (Was „erlebt“ eine Per­son beim Besuch der Sei­te? Wie gelangt der Besu­cher zu der für ihn gedach­ten Information?).

Visu­el­les Design

Nach­dem wir die­se Para­me­ter mit dem Kun­den bespro­chen und abge­stimmt haben, konn­te es an das visu­el­le Design, also die eigent­li­che Imple­men­tie­rung der Web­site gehen.

Sofern Geheim­hal­tungs­an­for­de­run­gen dies zulas­sen (so auch in die­sem Fall), ver­wen­den wir für Ent­wür­fe spe­zi­el­le Sub­do­mains (Sta­ge-Domains). Die­se sind zwar frei zugäng­lich, aber nur dem jewei­li­gen Kun­den und uns bekannt („Secu­ri­ty by Obscu­ri­ty“). Sie wer­den zudem auch von kei­ner Such­ma­schi­ne besucht.

Far­ben

In Abstim­mung mit dem RT-EE haben wir die Web­site (wei­ßer Hin­ter­grund) in blau (Objek­ti­vi­tät, Neu­tra­li­tät und Klar­heit) und gelb, bzw. oran­ge (Son­ne, Licht und Wär­me) gehalten.
Da Oran­ge auch eine Signal­far­be ist, bot sich die Ver­wen­dung auch für Inter­ak­tio­nen des Besu­chers (But­tons, usw.).

Das Logo des RT-EE beinhal­tet übri­gens ein 360-Grad-Farb­rad. Inso­fern bestand hin­sicht­lich irgend­wel­cher Vor­ga­ben (ggf. vor­han­de­nes CI) auch kei­ner­lei farb­li­che Einschränkung.

Anord­nung der Inhalte

Obwohl von Anfang klar war, das nicht alle Infor­ma­tio­nen auf einer Sei­te („One-Pager“ oder auch „Sin­gle-Page-Design“) unter­ge­bracht wer­de kön­nen, haben wir dem Kun­den den­noch eine Start­sei­te emp­foh­len, auf der die Kern­in­for­ma­tio­nen unter­bracht sind:

  • Um was geht es?
  • Was sind die Kern­for­de­run­gen, um das Ziel zu erreichen?
  • Wer steckt dahinter?

Für den Bereich, der ohne zu scrol­len sicht­bar ist („Abo­ve the fold“), haben wir ein dyna­mi­sches Ele­ment (zen­tra­le For­de­rung, erklärt in zwei Sät­zen) vor­ge­schla­gen. Das Bild mit dem ers­ten Satz haben wir zudem als Vor­schau­bild hin­ter­legt, so das dies ver­wen­det wird, wenn immer jemand eine URL der Web­site in den sozia­len Medi­en teilt.

Am Ende der Sei­te befin­den sich die CTAs („Call-to-action“). Es bleibt dem Besu­cher über­las­sen, ob dieser

  • sich über die His­to­rie des RT-EE infor­mie­ren möchte
  • das Infor­ma­ti­ons­an­ge­bot („The­men") des RT-EE ein­se­hen möch­te oder
  • Kon­takt zum RT-EE auf­neh­men möchte

Das RT-EE-Blog: Das Infor­ma­ti­ons­an­ge­bot des RT-EE

Wie bereits wei­ter oben ange­deu­tet, sol­len auf der Web­site Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, wel­che das Ziel („100% erneu­er­ba­re Ener­gien bis 2030“) unter­stüt­zen. Die­se kön­nen dann von den ange­schlos­se­nen NGOs wei­ter­ver­brei­tet werden.

Hier­be­stand die Her­aus­for­de­rung dar­in, die­se Infor­ma­tio­nen zu struk­tu­rie­ren, bezie­hungs­wei­se zu gruppieren.
Nach inten­si­ver Dis­kus­si­on hat sich der RT-EE letzt­end­lich für eine Auf­tei­lung in vier Berei­che entschieden:

RT-EE - Themen

Zu jedem der vier The­men­be­rei­che exis­tie­ren Blog-Bei­trä­ge, die von RT-EE-Teil­neh­mern erstellt und gepflegt werden.

Kura­tier­te Inhalte

Bei den Bei­trä­gen han­del­tes sich in der Regel um kura­tier­te Inhal­te. Das bedeu­tet, dass lesens­wer­te Bei­trä­ge ande­rer Web­sei­ten zusam­men­ge­fasst, die Inhal­te gege­be­nen­falls ein­ge­ord­net und der so ent­stan­de­ne neue Bei­trag in Ver­bin­dung mit dem Link zum Ori­gi­nal-Bei­trag auf der RT-EE-Web­site ein­ge­stellt wird. Vor­aus­set­zung für das Gelin­gen ist Exper­ten­wis­sen und außer­dem jour­na­lis­ti­sches Geschick.
Bei den Ori­gi­nal-Bei­trä­gen kann es sich bei­spiels­wei­se um inter­es­san­te Fach­auf­sät­ze, Stu­di­en oder Geset­zes­ent­wür­fe han­deln. Abhän­gig vom The­ma ist es mit­un­ter sinn­voll, meh­re­re Ori­gi­nal-Bei­trä­ge zu einem The­men-Spe­cial zusammenzufassen.

Test­pha­se

Der RT-EE hat die zur Ver­fü­gung gestell­te Sub­do­main für aus­gie­bi­ge Tests genutzt. Wir haben dann die Ände­rungs­wün­sche und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge zeit­nah umgesetzt.

Pro­vi­der-Aus­wahl und Going Live

Nach­dem der Con­tent so weit vor­be­rei­tet war, haben wir uns um das Going-Live geküm­mert. Eine aus ver­ständ­li­chen Grün­den zen­tra­le Anfor­de­rung des RT-EE war, dass das Rechen­zen­trum, in dem die Domain gehos­tet wird, mit ech­tem Öko­strom (grü­nem Strom) ver­sorgt wird.
Unse­re Emp­feh­lung war hier die Doga­do GmbH, da einer­seits die­se zen­tra­le Anfor­de­rung erfüllt wird (das betref­fen­de Rechen­zen­trum bezieht sei­nen Strom von der Bay­Wa r.e., einem welt­weit füh­ren­der Anbie­ter von Lösun­gen im Bereich der Erneu­er­ba­ren Ener­gien) und zudem auch ein 24/​7‑Support (also „rund um die Uhr“) zur Ver­fü­gung steht.

 


Der Kun­de ist unse­rem Vor­schlag ger­ne gefolgt. Somit stand einem Going-Live zum Jah­res­be­ginn nicht mehr im Wege!

Fazit

Das Pro­jekt ener​gie​wen​de​-2030​.de wur­de ent­spre­chend dem itcv-Pro­jekt­leit­fa­den für Web­site-Gestal­tung realisiert.

Durch den stän­di­gen Infor­ma­ti­ons­aus­tausch zwi­schen Auf­trag­ge­ber und Auf­trag­neh­mer sowie der zei­ti­gen Bereit­stel­lung einer Sta­ge-Domain konn­te das Pro­jekt zügig rea­li­siert wer­den. Der gesteck­te Zeit­rah­men wur­de eingehalten.

Und was meint der Kun­de dazu?

Wir sind sehr froh, in Herrn Vos­kuhl einen Mit­strei­ter gefun­den zu haben, der uns mit sei­ner kon­struk­ti­ven Her­an­ge­hens­wei­se, ver­bun­den mit den rich­ti­gen Fra­ge­stel­lun­gen, zu einer Web­site geführt hat, die unse­ren Vor­stel­lun­gen ent­spricht. Die Web­site trans­por­tiert exakt die Bot­schaf­ten, die wir Besu­chern ver­mit­teln wollen.

Die Ener­gie­wen­de ist der Dreh- und Angel­punkt, wenn es um den Erfolg oder Miss­erfolg bei der Bewäl­ti­gung der Kli­ma­kri­se geht. Gemein­sam mit Dir kön­nen wir den vom Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um vor­ge­leg­ten Ent­wurf für die Novel­lie­rung des Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Geset­zes (EEG-Novel­le 2021) ver­hin­dern. Denn die­ser reicht bei Wei­tem nicht aus, um die drin­gend not­wen­di­ge Ener­gie­wen­de vor­an­zu­trei­ben. Unter ande­rem wer­den erneut der beschleu­nig­te Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien und Inves­ti­tio­nen in nach­hal­ti­ge Tech­no­lo­gien suk­zes­si­ve ausgebremst.

Energiewende EEG 2021

Eine erfolg­rei­che Ener­gie­wen­de kann es nur mit einer dezen­tra­len Bürger:innenenergie geben. Ins­be­son­de­re Bürger:innen tra­gen heu­te schon aller­orts in Deutsch­land zur Ener­gie­wen­de mit PV-Klein­an­la­gen bei. Mehr als ein Drit­tel aller Eigentümer:innen von Erneu­er­ba­ren Ener­gie-Anla­gen sind Pri­vat­per­so­nen, die auch bereit sind, das Poten­zi­al der Erneu­er­ba­ren Ener­gien wei­ter aus­zu­schöp­fen. Alle For­de­run­gen dazu fin­dest Du hier.

Die Novel­le soll noch in die­sem Jahr ver­ab­schie­det wer­den. Doch noch ist es nicht zu spät, um das EEG zu ret­ten! Wir kön­nen die Parlamentarier:innen umstim­men. Es liegt an jeder:m Ein­zel­nen von uns, die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten an das Ver­spre­chen aus dem Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men zu erin­nern. For­dern wir sie auf, uns und den nach­fol­gen­den Genera­tio­nen eine kli­ma­si­che­re Zukunft zu ermög­li­chen – auch dank eines star­ken EEGs!

Wie das geht? Mach mit bei der Akti­on von Ger­man­Ze­ro und schreib Dei­nen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten hier eine Mail.

Vie­len Dank für Dei­ne Unterstützung!

Eigent­lich ist die Sache so ein­fach wie klar: Um die Aus­wir­kun­gen den men­schen­ge­mach­ten Anteils am Kli­ma­wan­del zu mini­mie­ren, müs­sen wir sämt­li­che fos­si­len Brenn­stof­fe im Boden las­sen. Und das bes­ser schon ab heu­te als ab morgen.
War­um ist das also nicht schon längst pas­siert? Und wie kön­nen wir dafür sor­gen, dass es passiert?

Wei­ter­le­sen

Vor weni­gen Tagen hat Gabor Stein­gart sei­ne Mei­nung zum The­ma Kern­ener­gie verbreitet.
Ich habe mir Stein­garts Bei­trag durch­ge­le­sen und lie­fe­re hier eini­ge wich­ti­ge, ergän­zen­de Tat­sa­chen. Damit sich dann jeder nach Kennt­nis ALLER Fak­ten eine eige­ne Mei­nung bil­den kann.

Wei­ter­le­sen

Deutsch­land hat den zweit­höchs­ten Strom­preis in Europa.
In die­sem Bei­trag stel­len wir Ihnen zwei Kos­ten­trei­ber vor und erklä­ren Ihnen, war­um – außer dem End­ver­brau­cher, der das bezah­len muss – kei­ner der Betei­lig­ten Prot­ago­nis­ten ein wirt­schaft­li­ches Inter­es­se dar­an hat, das zu ändern. Dar­über hin­aus ler­nen Sie sinn­vol­le Abhil­fe­maß­nah­men ken­nen und erfah­ren, war­um es auch damit nicht vor­an geht. 

Wei­ter­le­sen

Eigent­lich ist die Sache klar: Die Ener­gie­wen­de ist dezen­tral. Das sieht auch die Euro­päi­sche Uni­on (EU) so.

Klar, das ist nicht im Inter­es­se der gro­ßen Ener­gie­ver­sor­ger, den Big4 (E.ON, RWE, EnBW und Vat­ten­fall). Und natür­lich eben­so wenig im Inter­es­se ihrer zahl­rei­chen Toch­ter­un­ter­neh­men wie bei­spiels­wei­se epri­mo oder Yello: schließ­lich ver­kau­fen alle genann­ten Unter­neh­men durch die dezen­tra­le Ener­gie­ver­sor­gung ("Bür­ger­en­er­gie") weni­ger Strom.

Aber wie sehen die von uns gewähl­ten Volks­ver­tre­ter das eigent­lich? Bege­ben wir uns gemein­sam auf die Suche nach Indizien.

Bundesregierung

Sie inter­es­sie­ren sich nicht für die Details? Dann lesen Sie doch gleich mein Fazit!

Um zu der Erkennt­nis zu gelan­gen, dass die EU die dezen­tra­le Ener­gie­wen­de befür­wor­tet, muss man ledig­lich einen Blick in die am 11. Dezem­ber 2018 erlas­se­ne Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Richt­li­nie (EERL) wer­fen. Dar­in heißt es bei­spiels­wei­se bereits in der Begrün­dung in Punkt 65:

Mit dem Über­gang zur dezen­tra­li­sier­ten Ener­gie­pro­duk­ti­on sind vie­le Vor­tei­le ver­bun­den, bei­spiels­wei­se die Nut­zung vor Ort ver­füg­ba­rer Ener­gie­quel­len, eine bes­se­re loka­le Ener­gie­ver­sor­gungs­si­cher­heit, kür­ze­re Trans­port­we­ge und gerin­ge­re über­tra­gungs­be­ding­te Ener­gie­ver­lus­te. Die­se Dezen­tra­li­sie­rung wirkt sich auch posi­tiv auf die Ent­wick­lung und den Zusam­men­halt der Gemein­schaft aus, weil vor Ort Erwerbs­quel­len und Arbeits­plät­ze entstehen. 

Anschei­nend teilt die Bun­des­re­gie­rung die­se Ein­schät­zung aber nicht. Wie sonst ist es zu erklä­ren, dass der Aus­bau der dezen­tra­len Ener­gie­pro­duk­ti­on durch deut­sche Geset­ze behin­dert wird? Poten­zi­el­len Inves­to­ren wer­den stän­dig Knüp­pel zwi­schen die Bei­ne gewor­fen, bei­spiels­wei­se durch kom­pli­zier­te Geset­ze und Richt­li­ni­en, durch Beschrän­kun­gen sowie eine unnö­ti­ge Redu­zie­rung der Rendite.

Immer noch nicht besei­tigt: Die „Son­nen­steu­er“

Ein Bei­spiel für eine sol­che Ertrags­schmä­le­rung ver­birgt sich etwa im EEG § 61: Letzt­ver­brau­cher müs­sen dem­zu­fol­ge auch für selbst erzeug­ten und selbst ver­brauch­ten Strom EEG-Umla­ge zah­len, sofern die Anla­gen­grö­ße 10 kW über­schrei­tet. Zur Ein­ord­nung: Die­se Anla­gen­grö­ße ist bereits bei Ein­fa­mi­li­en­häu­sern sinn­voll, wenn auch das E‑Auto mit PV-Strom gela­den wer­den soll.

Gebüh­ren für selbst erzeug­ten Strom, den ich selbst ver­brau­che? Da könn­te man ja eben­so gut selbst ange­bau­tes Obst und Gemü­se besteu­ern, wel­ches ich selbst ver­zeh­re. Klingt unsin­nig? Ist es auch!

Außer dem gesun­den Men­schen­ver­stand steht dem auch die bereits erwähn­te EERL ein­deu­tig ent­ge­gen: Gemäß Art. 21 haben die Mit­glied­staa­ten dafür zu sor­gen, dass „Eigen­ver­sor­ger im Bereich erneu­er­ba­re Elek­tri­zi­tät indi­vi­du­ell oder über Aggre­ga­to­ren berech­tigt sind, … erneu­er­ba­re Ener­gie ein­schließ­lich für die Eigen­ver­sor­gung zu erzeu­gen …, ohne dass die eigen­erzeug­te Elek­tri­zi­tät aus erneu­er­ba­ren Quel­len, die an Ort und Stel­le ver­bleibt, dis­kri­mi­nie­ren­den oder unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ver­fah­ren und jeg­li­chen Abga­ben, Umla­gen oder Gebüh­ren unter­wor­fen ist“. Mit ande­ren Wor­ten: Die EEG-Umla­ge für eigen­erzeug­ten Strom ist gemäß EU-Recht nicht zulässig.

Die Anfor­de­run­gen der EERL müs­sen bis zum 30. Juni 2021 in natio­na­les Recht umge­setzt werden.

Die Anfor­de­run­gen der EERL müs­sen in natio­na­les Recht umge­setzt wer­den. Dafür gibt es sogar eine Dead­line, näm­lich den 30. Juni 2021.
Die EERL stammt aus dem Dezem­ber 2018, heu­te sind wir also mehr als 18 Mona­te wei­ter. Zudem steht eine Ände­rung des EEG ohne­hin gera­de an. Da drängt sich die Fra­ge auf, war­um die Bun­des­re­gie­rung die „Son­nen­steu­er“ nicht schon mit der aktu­ell anste­hen­den EEG-Novel­le abschafft?

Hick-Hack um den Solardeckel

Der soge­nann­te Solar­de­ckel ver­hin­dert die Ver­gü­tung (För­de­rung) von ein­ge­speis­tem Strom aus PV-Anla­gen, sobald die Leis­tung aller instal­lier­ten und gemäß EEG geför­der­ten PV-Anla­gen 52 GW über­schrei­tet. Die­se 52 GW wer­den in den nächs­ten Mona­ten erreicht.

Bereits im Sep­tem­ber 2019 hat die Bun­des­re­gie­rung beschlos­sen, die­se Rege­lung ersatz­los abzu­schaf­fen. Pas­siert ist bis heu­te jedoch – nichts. Unge­ach­tet der stän­di­gen, fast Man­tra-arti­gen Wie­der­ho­lun­gen des Beschlus­ses und der ent­spre­chen­den Beteue­run­gen: Die Abschaf­fung des Solar­de­ckels ist bis heu­te nicht im Bun­des­ge­setz­blatt veröffentlicht.

Die inzwi­schen seit über einem hal­ben Jahr unge­klär­te Situa­ti­on stellt im Ergeb­nis eine erheb­li­che Inves­ti­ti­ons­bar­rie­re dar!

Die­se inzwi­schen seit über einem hal­ben Jahr unge­klär­te Situa­ti­on stellt im Ergeb­nis eine erheb­li­che Inves­ti­ti­ons­bar­rie­re dar: Bevor jemand eine Inves­ti­ti­on für bei­spiels­wei­se eine Dach-PV-Anla­ge tätigt, will die­ser Jemand berech­tig­ter­wei­se deren Wirt­schaft­lich­keit beur­tei­len können.
Das ist aber nicht mög­lich, wenn unklar ist, wie mit dem nicht selbst­ge­nut­zem Strom ver­fah­ren wird, also ob und wel­che Ver­gü­tung dafür in Ansatz gebracht wer­den kann.

Aber selbst wenn der 52-GW-Deckel nun end­lich abge­schafft wür­de, ist das nächs­te Pro­blem bezüg­lich des PV-Aus­baus bereits am Hori­zont sicht­bar: die Rede ist vom "atmen­den Deckel", der Absen­kung der Ein­spei­se­ver­gü­tung in Abhän­gig­keit des PV-Zubaus (EEG, § 49).
Ent­spre­chen­den Zubau vor­aus­ge­setzt, ist ein wirt­schaft­li­cher Betrieb von vor­wie­gend netz­ein­spei­sen­den PV-Anla­gen dann wohl nicht mehr möglich.

Das Mie­ter­strom­ge­setz hat Mie­ter­strom eher kom­pli­zier­ter gemacht

Immer dann, wenn Besit­zer und aus­schließ­li­cher Nut­zer einer Immo­bi­lie iden­tisch sind, ist die För­de­rung erneu­er­ba­rer Ener­gien im EEG gere­gelt. Das gilt für das pri­va­te Ein­fa­mi­li­en­haus eben­so wie für ein Gewerbeobjekt.
Aber was pas­siert, wenn Gebäu­de­tei­le ver­mie­tet sind, es also meh­re­re Nut­zer gibt? Dazu zählt bei­spiels­wei­se jedes Mehr­fa­mi­li­en­haus. Wie kön­nen sowohl Ver­mie­ter als auch Mie­ter von einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf dem Dach des Gebäu­des pro­fi­tie­ren? Wie wird der damit erzeug­te Mie­ter­strom abge­rech­net? Wel­che Umla­gen sind dafür zu entrichten?
Das alles wird seit 2017 im Mie­ter­strom­ge­setz gere­gelt, wel­ches den Bau von PV-Anla­gen auf den Dächern von Miets­häu­sern ver­ein­fa­chen soll – eigentlich.

Von „ein­fach“ kann näm­lich abso­lut kei­ne Rede sein! Ein For­schungs­pro­jekt hat dies unter­sucht und doku­men­tiert („Zukunfts­feld Mie­ter­strom­mo­del­le: Poten­tia­le von Mie­ter­strom in Deutsch­land mit einem Fokus auf Bür­ger­en­er­gie“).
Das For­scher­team schreibt in sei­ner Zusam­men­fas­sung: „Der Ent­fal­tung die­ser all­ge­mei­nen Poten­tia­le von Mie­ter­strom ste­hen aller­dings eini­ge hem­men­de Fak­to­ren im Wege. Dazu gehört an ers­ter Stel­le die Kom­ple­xi­tät durch die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen, die durch das Mie­ter­strom­ge­setz teil­wei­se sogar noch erhöht wor­den ist.
In der Pra­xis füh­ren fer­ner eine feh­len­de Ein­heit­lich­keit bzw. Stan­dar­di­sie­rungs­pro­ble­me dazu, dass die Wirt­schaft­lich­keit von Mie­ter­strom­pro­jek­ten häu­fig unklar ist.
Unter tech­ni­schen Gesichts­punk­ten bestehen beson­ders gro­ße Her­aus­for­de­run­gen beim Mess­kon­zept und Abrech­nungs­sys­tem, die eine ein­fa­che und schnel­le Umset­zung von Mie­ter­strom­pro­jek­ten behin­dern.

Die Wis­sen­schaft wird auch von der Pra­xis unterstützt

Dies wird auch durch prak­ti­sche Erfah­run­gen in mei­nem direk­ten Umfeld bestä­tigt. So schreibt mir ein per­sön­lich bekann­ter (pri­va­ter) Immo­bi­li­en-Inves­tor (ihm gehö­ren fünf Objekte):
Nach dem Bau von 5 PV-Anla­gen bin ich mir ganz sicher, dass das ‚von oben‘ nicht gewünscht ist. Denn sonst hät­te ich irgend­wie För­de­rung und nicht nur Wider­stand erfahren.
Wenn eine geneh­mi­ge Anla­ge beim Netz­be­trei­ber als ‚fer­tig‘ gemel­det wur­de, dann dau­er­te es 3–6 Mona­te bis ein bidi­rek­tio­na­ler Zäh­ler gesetzt war, der auch die Ein­spei­sung misst.
An den zustän­di­gen Netz­be­trei­ber muss ich wegen der EEG-Umla­ge genau die glei­chen Pro­gno­sen und Abrech­nun­gen lie­fern wie zum Bei­spiel RWE. Das schaf­fen sicher nur weni­ge Solo­künst­ler [Anm. des Autors: der Mann ist Elek­tro­in­ge­nieur].
Und last but not least: even­tu­ell ent­ste­hen­de Gewin­ne wer­den ganz sicher durch die Not­wen­dig­keit einer Fir­ma mit Zwang eines Steu­er­be­ra­ters auf­ge­fres­sen.

Nur die Spit­ze des Eisbergs

Das waren nur drei Bei­spie­le für Hemm­nis­se der dezen­tra­len Ener­gie­wen­de, ins­be­son­de­re dem Aus­bau von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen durch deut­sche Geset­ze. Im Rah­men die­ses Bei­trags wol­len wir es zuguns­ten ande­rer The­men­be­rei­che dabei belassen.
Vie­le wei­te­re Bei­spie­le hat die Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft Ber­lin (htw) im Rah­men des For­schungs­pro­jekts PV2City gesam­melt. Die­se Sei­te ent­hält eine kur­ze Ein­füh­rung in das The­ma sowie einen Down­load-Link der von der For­schungs­grup­pe rund um Prof. Vol­ker Qua­sch­ning zusam­men­ge­stell­ten Liste.

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Das Koh­le­aus­stiegs­ge­setz: Doch eher ein KohleEINstiegsgesetz?

Die­ses Gesetz, wel­ches der­zeit als Ent­wurf vor­liegt und noch vor der Som­mer­pau­se vom Bun­des­tag beschlos­sen wer­den soll, dient "zur Redu­zie­rung und zur Been­di­gung der Koh­le­ver­stro­mung" – zumin­dest der Über­schrift nach. Das Gesetz hat es jedoch bin sich!

Koh­le­aus­stiegs­ge­setz: der Name ist ein klas­si­scher Fall von Etikettenschwindel

Gemäß § 42 des Gesetz­ent­wurfs möch­te die Bun­des­re­gie­rung sämt­li­che Rege­lun­gen mit den Betrei­bern von Braun­koh­le­an­la­gen, bezie­hungs­wei­se Braun­koh­le­ta­ge­bau­un­ter­neh­men in einen öffent­lich-recht­li­chen Ver­trag aus­la­gern. Damit wären ent­spre­chen­de Rege­lun­gen nicht öffent­lich ein­seh­bar (damit haben wir bei­spiels­wei­se im Zusam­men­hang mit Andre­as Scheu­ers Maut­ver­trä­gen schon schlech­te Erfah­run­gen gemacht).

Eben­falls möch­te die Bun­des­re­gie­rung in die­sem Ver­trag die „ener­gie­wirt­schaft­li­chen Not­wen­dig­keit des Tage­baus Garz­wei­ler“ fest­stel­len. Zur Klar­stel­lung: damit wür­de die Braun­koh­le­för­de­rung und ‑ver­stro­mung durch die RWE AG für wei­te­re 18(!) Jah­re fest­ge­schrie­ben, und zwar unabänderlich!
Hier wäre es sehr span­nend zu erfah­ren, wor­in genau die Not­wen­dig­keit denn begrün­det liegt? Gibt es dazu ein Gut­ach­ten (Äußerungen/​Einschätzungen sei­tens RWE zäh­len aus mei­ner Sicht NICHT dazu!)? Oder ist die­se Fest­stel­lung am Ende nur poli­tisch motiviert?
Mir liegt jeden­falls ein Gut­ach­ten vor, wel­ches dem wider­spricht! Ein­zel­hei­ten dazu auf die­ser Sei­te.

Und dann sind da ja auch noch die Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen: 2,6 Mil­li­ar­den Euro für Braun­koh­le­an­la­gen im Rhein­land und 1,75 Mil­li­ar­den Euro für die Braun­koh­le­an­la­gen in der Lausitz.
Dazu heißt es, dass die­se „für die Deckung der Kos­ten der Rekul­ti­vie­rung und Wie­der­nutz­bar­ma­chung der Tage­baue und aller Tage­bau­fol­ge­kos­ten“ ver­wen­det wer­den sollen.

Jeder, der einen Scha­den ver­ur­sacht, hat die­sen auch wie­der zu besei­ti­gen – und zwar ohne dafür irgend­ei­ne Ent­schä­di­gung zu erhalten.

Aber ver­steht es sich nicht von selbst, dass ich einen Scha­den, den ich ange­rich­tet habe, wie­der besei­ti­ge? Und zwar ohne dafür eine Ent­schä­di­gung zu erhalten!

Wie lan­ge ist der Betrieb von Koh­le­kraft­wer­ken noch wirtschaftlich?

Eine Kom­po­nen­te, aus der sich die genann­ten Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen berech­nen, ist der durch die vor­zei­ti­ge Abschal­tung zu erwar­ten­de Ertrags­aus­fall für die betrof­fe­nen Unternehmen.

Nach Berech­nun­gen vom Ramez Naam, einem aner­kann­ten Exper­ten für Ener­gie und Umwelt, wer­den die Kos­ten für den Neu­bau eines Solar­parks deut­lich vor Ablauf der 18 Jah­re unter die Kos­ten fal­len, die beim Wei­ter­be­trieb eines bestehen­den fos­si­len Kraft­werks ent­ste­hen (s. nach­fol­gen­de Grafik).

Zukünftige Kosten Solarprojekte bis 2050

Bei den Betriebs­kos­ten sind inner­halb der EU zusätz­lich die Kos­ten für die erfor­der­li­chen Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te zu berück­sich­ti­gen. Die nach­fol­gen­de Gra­fik zeigt die Preis­ent­wick­lung der ETS-Zer­ti­fi­ka­te (€/​tCO₂) in den letz­ten Jah­ren (blaue Linie, Quel­le).

Preisverlauf Überschüsse ETS-Zertifikate
Zur bes­se­ren Ein­ord­nung: Ein Braun­koh­le­kraft­werk erzeugt bei der Koh­le­ver­stro­mung etwa 1,2 tCO₂/​MWh (Berech­nungs­grund­la­ge: Ver­bren­nung Braun­koh­le = 0,41 kgCO₂ /​ kWh, angen. Wir­kungs­grad Kraft­werk 35% => 1,17 tCO₂ /​ MWh).

Unterm Strich ist also davon aus­zu­ge­hen, dass RWE & Co. ihre zuneh­mend unren­ta­blen Kraft­wer­ke noch vor 2030 von ganz allei­ne abschal­ten würden.

Ver­schär­fung der Schadstoffgrenzwerte

Spä­tes­tens ab Juli 2021 (Ende der Umset­zungs­frist in natio­na­les Recht) gel­ten gemäß den EU-Vor­ga­ben zu Schad­stoff­grenz­wer­ten für Groß­feue­rungs­an­la­gen („BREF-Richt­li­nie“) stren­ge­re Grenz­wer­te für Stick­stoff­oxid, Queck­sil­ber und Ruß­par­ti­kel (das Mit­glieds­land Deutsch­land hat übri­gens gegen die Ver­schär­fung der Grenz­wer­te gestimmt). Die wenigs­ten Kraft­wer­ke ent­spre­chen die­sen Vorgaben.
Hier stellt sich im Ein­zel­fall also die Fra­ge, ob ein ent­spre­chen­der Umbau tech­nisch über­haupt mög­lich ist und wenn ja, ob die­ser auch wirt­schaft­lich sinn­voll ist. Im Ergeb­nis wer­den vie­le Koh­le­kraft­wer­ke in Euro­pa schlie­ßen müs­sen, dar­un­ter auch in Deutschland.

Aus dem begrenz­ten Zeit­raum, in dem ein Koh­le­kraft­werk noch wirt­schaft­lich betrie­ben wer­den kann und vor dem Hin­ter­grund der ab Mit­te nächs­ten Jah­res ver­schärf­ten Bestim­mun­gen der BREF-Richt­li­nie ergibt sich, dass die Höhe der vor­ge­se­he­nen Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen min­des­tens frag­wür­dig ist.

Die Bun­des­re­gie­rung soll­te des­halb die Zeit bis zur Ver­ab­schie­dung des Koh­le­aus­stiegs­ge­set­zes sinn­voll nut­zen und an ver­schie­de­nen Stel­len nachbessern.

Schaf­fung neu­er Geschäfts­mo­del­le für Netzbetreiber

Es liegt auf der Hand, dass Ver­brau­cher bei zuneh­men­dem dezen­tra­len Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien immer weni­ger Strom von ihrem Ver­sor­ger beziehen.
Der groß­flä­chi­ge Ein­bau loka­ler Spei­cher (egal ob Bat­te­rie, E‑Auto oder Brenn­stoff­zel­le) wäre ver­mut­lich sogar der Todes­stoß für die eta­blier­ten Kon­zer­ne: Die Eigen­ver­brauchs­quo­te wür­de signi­fi­kant stei­gen, es lie­ßen sich noch­mals deut­lich weni­ger Kilo­watt­stun­den an die Ver­brau­cher verkaufen.

Die Geschäfts­mo­del­le der Big4 und der Netz­be­trei­ber wer­den also zukünf­tig in ihrer bis­he­ri­gen Form nicht mehr funk­tio­nie­ren – also müs­sen neue her! Außer den betrof­fe­nen Unter­neh­men weiß das natür­lich auch die Bun­des­re­gie­rung – und springt den Unter­neh­men hel­fend zur Seite.

Gut­ach­ten „Baro­me­ter Digi­ta­li­sie­rung der Energiewende“

Nur weni­gen ist das genann­te Gut­ach­ten bekannt, selbst Fach­leu­te aus dem Bereich erneu­er­ba­re Ener­gien haben kaum von die­sem Gut­ach­ten gehört. Der Name klingt ja auch zunächst recht unverfänglich.
ABER: Im Kern geht es dar­um, Eigen­ver­sor­gung zukünf­tig zu ver­hin­dern, und zwar durch eine neue Netz­ent­gelt­sys­te­ma­tik (hohe Grund­prei­se, nied­ri­ge Arbeitspreise).
Klaus Ober­zig hat das hier bereits ganz her­vor­ra­gend ana­ly­siert, daher spa­re ich mir die Mühe an die­ser Stelle.

Die Bun­des­netz­agen­tur als Erfüllungsgehilfe

Das vor­ge­nann­te Baro­me­ter-Gut­ach­ten ent­hält Vor­schlä­ge bezüg­lich einer neu­en Netzentgeltsystematik.

Die Netz­ent­gelt­sys­te­ma­tik ist das Fun­da­ment wel­ches not­wen­dig ist, um zu ver­hin­dern, dass Ver­brau­cher von der dezen­tra­len Ener­gie­wen­de profitieren.

Dar­auf auf­bau­end ver­setzt die Bun­des­netz­agen­tur der Eigen­ver­sor­gung dann den Todes­stoß, näm­lich mit ihrem Doku­ment „Markt­in­te­gra­ti­on aus­ge­för­der­ter und neu­er Pro­su­mer-Anla­gen“ (bezie­hungs­wei­se den dar­in ent­hal­te­nen Lösungsvorschlägen).

Pro­su­mer sind alle Strom­ver­brau­cher, die gleich­zei­tig auch Strom­erzeu­ger sind.
Alle drei im Doku­ment vor­ge­stell­ten Pro­su­mer-Model­le basie­ren auf der Grund­la­ge, dass der Netz­be­trei­ber den vom Pro­su­mer erzeug­ten Strom zunächst kom­plett abnimmt. Dafür braucht es gegen­über dem Zustand heu­te einen zusätz­li­chen Zäh­ler, wel­cher die gesam­te Men­ge erzeug­ter erneu­er­ba­rer Ener­gie zählt.
Der Pro­su­mer muss anschlie­ßend sei­nen kom­plet­ten(!) Ver­brauch vom Netz­be­trei­ber kaufen.
Beson­ders anschau­lich dar­ge­stellt wird das auf den letz­ten drei Sei­ten des Doku­ments, in denen mit kon­kre­ten Zah­len­bei­spie­len gear­bei­tet wird.

Zwei Erkennt­nis­se daraus:

  • Über eine Ver­än­de­rung der Para­me­trie­rung (u. A. monat­li­cher Grund­preis, Abnah­me­preis, Bezugs­preis) lässt sich zen­tral (also durch den Netz­be­trei­ber) steu­ern, inwie­weit Eigen­ver­brauch über­haupt noch wirt­schaft­lich ist.
  • Loka­le Spei­cher (Brenn­stoff­zel­le, E‑Auto, …) kom­men in den drei vor­ge­stell­ten Model­len über­haupt nicht vor. Bei der Beschrei­bung der „Lie­fe­ran­ten-Opti­on“ ist sogar die Rede davon, dass wegen der „sym­me­tri­schen Beprei­sung von Ein­spei­sung und Netz­be­zug das Netz für den Pro­su­mer wie ein unbe­grenz­ter Spei­cher wirkt“. Klingt doch toll, also kei­nen loka­len Spei­cher bau­en, bezie­hungs­wei­se nut­zen, oder?
    Die Haken an der Sache:
    • Über den zusätz­li­chen Zäh­ler unmit­tel­bar an der Erzeu­gungs­an­la­ge (zum Bei­spiel PV-Anla­ge) weiß der Netz­be­trei­ber in jedem Fall, wie viel Ener­gie erzeugt wur­de – unab­hän­gig davon, ob die­se nun ins Netz ein­ge­speist oder zunächst lokal gespei­chert wird. Die­se Infor­ma­ti­on lässt sich her­vor­ra­gend zum Opti­mie­ren der Para­me­trie­rung ver­wen­den – natür­lich ganz im Sin­ne des Netzbetreibers.
    • Über den monat­li­chen Basis­preis, der "pro kW" gezahlt wird, kann der Lie­fe­rant sehr prä­zi­se steu­ern, wie viel Geld der Pro­su­mer zu zah­len hat – selbst wenn er 100% Eigen­ver­brauch hätte.

Nicht über­ra­schend:  dage­gen gibt es bereits ers­te Pro­tes­te.

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Fazit

  • Die Bun­des­re­gie­rung mit ihren nach­ge­la­ger­ten Minis­te­ri­en und Behör­den ver­hin­dert, bezie­hungs­wei­se ver­zö­gert die dezen­tra­le Ener­gie­wen­de, wo immer sich die Mög­lich­keit bietet.
  • Sie schützt und unter­stützt die bis­he­ri­gen Geschäfts­mo­del­le der Big4, wo immer sie kann und so lan­ge dies mög­lich ist.
  • Die Bun­des­re­gie­rung schafft bereits jetzt die Grund­la­ge für neue Ein­nah­me­quel­len der Big4 und der Netz­be­trei­ber, da das bis­he­ri­ge Vor­ge­hen schon allein wegen der EU-Gesetz­ge­bung nicht mehr lan­ge in der jet­zi­gen Form fort­ge­führt wer­den kann.
Wei­ter­füh­ren­de Literatur

Bun­des­re­gie­rung: Kli­ma­schutz­pro­gramm 2030 der Bun­des­re­gie­rung zur Umset­zung des Kli­ma­schutz­plans 2050

Clea­ring­stel­le EEGKWKG: Richt­li­nie (EU) 20182001 – Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Richt­li­nie (EERL)

Solar­ser­ver: Markt­be­fra­gung: 52-GW-Deckel ist Inves­ti­ti­ons­bar­rie­re für Photovoltaik

Pres­se­mit­tei­lung von Par­ents For Future: Koh­le­aus­stiegs­ge­setz mutiert zum Kli­ma- und Wirtschaftskiller!

ener­ga­te mes­sen­ger 04/​2017: EU ver­schärft Stan­dards für Kraftwerksemissionen